Bundesliga

Allagui stiehlt Herthas neuem Star Kalou die Show

Ausgerechnet dem an Mainz ausgeliehenen Sami Allagui gelingt an alter Wirkungsstätte der spielentscheidende Treffer. Mit nur einem Punkt aus drei Spielen steuern die Berliner auf einen Fehlstart zu.

Foto: Maja Hitij / dpa

Die ganze Branche sucht Torjäger. Bei Hertha BSC wurde der Hoffnungsträger nach 69 Minuten eingewechselt – Salomon Kalou. Mit lauten Sprechchören begrüßt. Es dauerte keine 35 Sekunden, da lag der Ball im Netz. Es war aber der Torjäger auf der anderen Seite, der getroffen hatte: Sami Allagui. Jener Allagui, der Hertha verlassen hat, weil er in Berlin nicht mehr genügend Einsatzchancen gesehen hat, nachdem Kalou gekommen war.

Im ersten Spiel für den FSV Mainz hat Allagui Herthas neuem Star Kalou die Show gestohlen. Sein Treffer nach 70 Minuten war das vorentscheidende 0:2. Am Ende unterlag Hertha BSC dem FSV mit 1:3 (0:1). Mit nur einem Punkt aus drei Bundesliga-Partien steuern die Berliner auf einen echten Fehlstart zu.

Hertha-Trainer Jos Luhukay will das nicht hören und sagte den Medienvertretern. „Ihr könnt von einem Fehlstart schreiben oder sprechen. Wir ziehen nach zehn Spielen Bilanz.“ Aber Luhukay redete nicht drumherum: „Wir sind sehr enttäuscht. Die erste Halbzeit war ganz schwach. Mainz war effizienter in der Abwehrarbeit und im Ausnutzen der Chancen und hat deshalb verdient gewonnen.“

Kalou ist noch nicht angekommen bei Hertha

An seinem ersten Nachmittag im Olympiastadion erlebte Kalou, dass es noch etwas dauern wird, bis er in Berlin angekommen ist. Als es nach 86. Minuten einen Handelfmeter für Hertha gab, schnappte sich Ronny den Ball. Kalou streckte die Hände aus, aber Ronny marschierte schnurstracks auf den Punkt zu.

Kalou wollte hintergehen, aber Mannschaftsroutinier Peter Niemeyer zog Kalou beiseite. Er deutete auf die Ostkurve, wo der Publikumsliebling mit einem langgezogenen „Ronnyyyy“ empfangen wurde. Also schaute Kalou, bei seinem vorigen Klub OSC Lille der etatmäßige Elfmeterschütze, zu, wie Ronny den 1:2-Anschlusstreffer erzielte (86.).

Da keimte in der Partie vor 42.069 Zuschauern im Olympiastadion unerwartet ein wenig Hoffnung auf. Hertha drängte, ohne sich jedoch echte Chancen zu erspielen. So reichte den Gästen der zweite erfolgreiche Konter nach der Pause. In der Nachspielzeit erzielte Shinji Okazaki den letzten Treffer. Hertha verabschiedete sich mit 1:3, begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert der Fans in den Abend.

Mit Sicherheitsabstand vor die Ostkurve

Kalou nahm zum ersten Mal an der Runde nach dem Abpfiff teil, in der sich die Hertha-Profis bei ihren Fans bedanken. Er hielt, wie alle Kollegen, in der Ostkurve einen erheblichen Abstand ein. Nur Nico Schulz, bester Herthaner, ging ran zu den Fans und reichte sein Trikot über den Graben.

Nun ist die zweite Niederlage im dritten Spiel sicher nicht mit den Versäumnissen von Kalou zu erklären. Der ivorische Nationalspieler hatte am Donnerstag zum ersten Mal überhaupt mit den neuen Kollegen trainiert.

Hertha zeigte nichts von dem, was sich Trainer Jos Luhukay erhofft hatte. Hoch stehen wollten die Berliner, aggressiv spielen und mutig nach vorne verteidigen. Luhukay hatte aber schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass aufgrund der späten Verpflichtungen in der Transferperiode weder Hertha noch Mainz eingespielte Mannschaften haben werden. So kam es.

Kein Zusammenspiel, keine Kombinationen

Auf der Tribüne dürfte sich Bundestrainer Joachim Löw mehrfach gefragt haben, ob Besuch des Olympiastadions eine gute Idee war.

Es gab kein Zusammenhang, kein Zusammenspiel, keine Kombinationen. Chancen waren auf beiden Seiten Zufallsprodukte. So auch beim ersten Tor. Hertha schlug einen Mainzer Einwurf aus dem eigenen Strafraum, Mainz brachte den Ball sofort zurück, auf Ja Koo, der freistehend fünf Meter vor Thomas Kraft auftauchte. Der Hertha-Torwart klärte per Faustabwehr, die landete auf dem Fuß von Okazaki, der aus neun Metern den Ball im Tor versenkte, 0:1 (36.).

Nach der Pause mühte sich Hertha, obwohl etwa Jens Hegeler und Johannes van den Bergh kaum Bindung zum Spiel fanden. Luhukay brachte bereits nach 54 Minuten Ronny für Skjelbred, Kalou ersetzte van den Bergh (69.).

Die schlechteste Abwehr der Liga

„Ich kann der Mannschaft aufgrund der zweiten Hälfte nichts vorwerfen“, sagte Luhukay, „jeder wollte, alle haben sich reingehängt.“ Das ist zwar richtig, aber Hertha kreierte keine Chancen aus dem Spiel heraus. Stattdessen versenkte Allagui einen Konter zum 0:2, ehe Okazaki in der Nachspielzeit für den Endstand sorgte.

Das derzeitige Problem zeigt sich beim Blick auf das Torverhältnis. Die defensive Stabilität, über zwei Spielzeiten eine verlässliche Größe von Hertha, ist abhanden gekommen. Hertha stellt mit neun Gegentoren die schlechteste Abwehr der Liga.

„Wir bekommen viel zu viele Tore, das müssen wir dringend abstellen“, sagte Fabian Lustenberger. Und wie den Trainer ließ auch der Hertha-Kapitän das F-Wort nicht an sich heran. „Ihr könnt von einem Fehlstart reden. Wir tun das nicht.“

Auch Kalou wollte die Niederlage nicht allzu negativ bewerten: „Das erste Spiel zu verlieren, fühlt sich nicht gut an. Aber die Saison hat erst begonnen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“