Die Karten im freien Verkauf waren binnen 30 Minuten vergriffen. Dann meldete Hertha-Manager Michael Preetz via Twitter: „Ausverkauft. Wir freuen uns auf ein volles Olympiastadion gegen den FC Bayern.“ Die Partie gegen den Deutschen Meister vor 74.649 Zuschauern wird Ende November gespielt. Wer diese Gelegenheit verpasst hat: Für die Begegnung gegen den FSV Mainz am Sonnabend gibt es noch Tickets, Hertha BSC rechnet mit rund 40.000 Besuchern im Olympiastadion (15.30 Uhr).
Einer will in jedem Fall an diesem dritten Bundesliga-Spieltag dabei sein – Sami Allagui. Der Offensivspieler hat sich erst zum Monatsanfang ausleihen lassen. Weil er bei Hertha nach den Verpflichtungen der Stürmer Salomon Kalou und Julian Schieber sowie der Außenbahn-Spieler Roy Beerens und Genki Haraguchi seine Chancen schwinden sah, ist Allagui zu seinem Ex-Verein FSV Mainz zurückgekehrt.
„Ich bin ein leidenschaftlicher Fußballer und will spielen“, sagte Allagui. „Ich hatte in Berlin zuletzt wenig Einsatzzeiten, das kann ich nicht ganz verstehen. Aber das muss ich akzeptieren und das tue ich. Für mich ist alles gut. Ich bin nicht im Groll gegangen.“
16 Tore in 55 Ligaspielen
Zwei Jahre war Allagui bei Hertha, und eigentlich war seine Situation immer kompliziert. Geholt worden war er für ein System mit zwei Angreifern. Doch kurzfristig änderte Trainer Luhukay die Taktik, um den vor zwei Jahren in Topform befindlichen Ronny unterzubringen. Gut für die Mannschaft, Hertha stieg mit Rekordpunktzahl auf, Ronny war Topscorer der Liga (18 Tore, 14 Vorlagen). Aber Pech für die nun überbesetzte Sturmabteilung.
Allagui war flexibel, ließ sich zum Außenbahnspieler auf der rechten Seite umschulen. Auch wenn es in Fankreisen öfter mal Kritik gab, sein Stil zu spielen sähe staksig aus, er sei kein Flankengott. Kritik konterte er mit Fakten: In 55 Ligaspielen erzielte Allagui 16 Tore und bereitete acht vor. Sein bestes Spiel bestritt Allagui gegen Borussia Dortmund, wo er mit einem Tor und einer Vorlage maßgeblich am sensationellen 2:1 beteiligt war. Gleichzeitig wies Allagui darauf hin, dass im Verbund mit dem rechten Außenverteidiger, meist Peter Pekarik, seine Seite defensiv relativ stabil stand.
Viel Geld, wenig Dankbarkeit
Doch Allagui bekam einen der Mechanismen im Profisport zu spüren: Für zwei Jahre hatte er geholfen. Nun stehen andere im Mittelpunkt. Trainer Luhukay wünschte sich nach der schwachen Rückserie in der vergangenen Saison mehr Geschwindigkeit und mehr Zielstrebigkeit.
Zu Beginn der Vorbereitung hatte Allagui in einem „Kicker“-Interview gesagt: „An mir muss man erst mal vorbeikommen.“ Jetzt, nach dem Wechsel nach Mainz, sagte Allagui: „Ich hatte in Berlin zwei schöne Jahre. Aber es gibt Situationen, bei denen es für alle Beteiligten besser ist, wenn man andere Wege geht.“ Er bedankt sich ausdrücklich bei Hertha, „dass sie mir den Wechsel ermöglicht haben.“ Fußball-Profis werden top bezahlt. Aber es wird von der Gegenwart nur nach vorne geschaut. Dankbarkeit ist eher nicht vorgesehen.
Mainz verpflichtete am 1. September fünf Neue
Sein neuer Arbeitgeber steht unter Druck. Der FSV Mainz ist der Wechsel von Trainer Thomas Tuchel auf Kasper Hulmand bisher nicht gut bekommen. In der Qualifikation zur Europa League scheiterte der Bundesligist an Asteras Tripolis, im DFB-Pokal nach einer vogelwilden Partie im Elfmeterschießen an Drittligist Chemnitzer FC. Am 1. September, dem letzten Tag der Transferperiode, verpflichtete FSV-Manager Christian Heidel noch fünf Spieler, darunter auch Sami Allagui. Der Herthaner ist für 500.000 Euro ausgeliehen, im Anschluss besitzt der FSV eine Kaufoption für 2,5 Millionen Euro. „In Mainz habe ich das Vertrauen von der ersten Sekunde gespürt, das in Berlin zuletzt verloren ging“, sagt Allagui. Seine Freundin Lisa folgt ihm. Die Wohnung in Berlin wird Allagui behalten. „Ich werde sicher mal öfters da sein.“
Sein Ausflug zur tunesischen Nationalmannschaft endete vorzeitig. Allagui bestritt zwar sein 28. Länderspiel, zog sich beim 2:1 gegen Botswana aber eine Adduktorenverletzung zu. „Ich bin aus Vorsicht zurückgeflogen. Erst hatte ich Angst, dass etwas Schlimmeres passiert ist. Aber ich konnte in Mainz fast alles mittrainieren.“
Allagui traut Hertha eine starke Saison zu
Die Spielplan der Bundesliga sorgt dafür, dass Allagui, eben nach Mainz zurückgekehrt, im ersten Pflichtspiel mit dem FSV just auf Hertha trifft. „Da sieht man mal, wie verrückt der Fußball sein kann. Eben noch habe ich das gleiche Trikot getragen wie die Jungs, gegen die ich nun in meinem ersten Spiel für Mainz antreten werde.“ Auf die Frage, ob er in diesem Spiel etwas beweisen will, sagt Allagui: „Nein. Ich freue mich auf das Wiedersehen. Ich konnte mich nicht von allen persönlich verabschieden, weil alles so schnell ging.“
Auch wenn Mainz bisher noch kein Saisonspiel gewonnen hat, stehen die Gäste besser da als die Hausherren. Mainz kommt nach zwei Unentschieden auf zwei Punkte, während Hertha mit nur einem Zähler sich die Liga von Rang 15 aus betrachtet.
Allagui hegt weiter Sympathien für die ehemaligen Kollegen. Natürlich habe er weiter Kontakt. „Das ist eine tolle Truppe, die richtig stark werden kann. Hertha muss jetzt ins Rollen kommen, dann ist viel möglich. Nach diesem Spiel am Sonnabend drücke ich Hertha beide Daumen – dann können die meinetwegen jedes Spiel gewinnen.“



