4:2-Sieg

Hertha BSC quält sich bei Viktoria Köln in Pokalrunde zwei

Trainer Jos Luhukay bot gegen den Tabellenführer der West-Regionalliga vier seiner Neuverpflichtungen in der Startformation auf. Es wurde insgesamt eine wenig berauschende Vorstellung.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Die guten Wünsche der Fans begleiteten Hertha BSC auf dem Weg zum ersten Pflichtspiel. „Neue Saison, neues Glück“ hieß es auf dem Transparent vor dem Gästeblock. Die rund 1000 mitgereisten Anhänger sahen eine aufschlussreiche Partie.

Mit 4:2 (2:0) setzte sich Hertha BSC in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Viktoria Köln durch. Nach den vielen Ausrutschern, die sich die Berliner in diesem Wettbewerb gegen unterklassige Mannschaften schon geleistet hatten, behielt der Bundesligist beim Viertligisten die Übersicht und qualifizierte sich für die zweite Runde.

John Heitinga, Herthas neuer Abwehrchef, sagte: „Das war ein echter Pokalfight, wie ich das aus England und Spanien kenne. Wir haben eine gute erste Hälfte gespielt. Aber nach der Pause die beiden Gegentore, die dürfen wir so nicht kassieren.“

Zu sicher nach der 3:0-Führung

Aufschlussreich war die Begegnung aus mehreren Gründen. So überraschte Trainer Jos Luhukay mit seiner Startaufstellung. Vier Neue standen in der Anfangself mit John Haitinga, Genki Haraguchi, Roy Beerens und Julian Schieber. Dagegen mussten die Zugänge Jens Hegeler und Marvin Plattenhardt auf der Bank Platz nehmen. Luhukay belohnte die gute Vorbereitung von Ronny und Nico Schulz. Aber mit Peter Niemeyer in der Startformation hatte wahrlich niemand gerechnet.

Viktorias Trainer Claus-Dieter Wollitz sagte: „Wir hatten ein bisschen Pech, dass der Gegner so akribisch vorbereitet war. Beim Blick auf die Aufstellung war mir klar: Wenn Niemeyer auf dem Platz steht, nimmt Hertha das Spiel richtig ernst.“

Eine Stunde lang bestätigte Hertha den Trend der Vorbereitung: dass die Mannschaft stabil steht. Und bei Chancen nicht lange fackelt. So profitierte Ronny von einer Balleroberung durch Niemeyer, der Brasilianer zog aus 22 Metern ab, von der Unterkante der Latte schlug der Ball im Tor ein, 0:1 (33.).

Schiedsrichter verweigerten Viktoria Tor

Dem zweiten Treffer ging ein krasser Abspielfehler von Viktoria-Torwart Nico Pellatz voraus, Schieber bereitete vor, Roy Beerens chippte den Ball ins Netz, 0:2 (41.). Nach der Pause schien die Partie entschieden zu sein. Ronny steckte eine Vorlage durch die Kölner Abwehr, der schnelle Haraguchi umkurvte Torwart Pellatz und schob den Ball flach ein, 0:3 (51.). Etwas Glück kam dazu: Das Schiedsrichter-Gespann verweigerte Viktoria beim Stand von 0:0 die Anerkennung eines Tores. Zu Recht, weil der Kölner Stürmer Fatih Canan hauchdünn im Abseits stand. Ein gutes Auge des Assistenten, das sieht nicht jeder (21.).

Dann zeigte Hertha auch ihr anderes Gesicht. Heitinga attackierte Viktorias Mike Wunderlich nicht energisch, der wuchtete den Ball mit Entschlossenheit vorbei an Torwart Thomas Kraft ins lange Eck, 1:3 (57.). Wenig später war es Sebastian Langkamp, der nicht resolut genug in einen Zweikampf ging. Prompt tauchte Viktorias Torjäger Fatih Canan vor dem Hertha-Tor auf und traf zum 2:3 (67.).

Es war nicht so, dass der Bundesligist nun wackelte. Aber alle Beteiligten des Gäste-Teams wussten, dass jetzt nichts mehr schief gehen durfte. Also besann sich Hertha auf seinen offensiven Qualitäten. Haraguchi spitzelte den Ball im Kölner Strafraum im Fallen an den linken Pfosten. Schieber machte das, was von einem Mittelstürmer erwartet wird: Rasch reagieren und den Ball aus anderthalb Metern ins leere Tor schieben, 4:2. Nach 76 Minuten war der Fight auf der Sportanlage Höhenberg entschieden.

„Das Erreichen der nächsten Runde war Pflicht. Ich bin zufrieden, dass drei Neue ein Tor gemacht haben“, sagte Luhukay, der die Leistung von Ronny hervorhob. „Wir hatten etwas Glück bei der Abseitsentscheidung. Nach dem 3:0 waren wir uns vielleicht etwas zu sicher. Der Spielverlauf war sehr positiv für uns, plötzlich war nach dem 2:3 ein Schock da.“ Aber er sah auch: „Wir haben die Ruhe behalten.“

Unter dem Strich tankten vor allem die Neuen Selbstvertrauen: Haraguchi und Schieber überzeugten jeweils mit einem Tor und einem Assist, auch Roy Beerens trug sich bei seinem Pflichtspiel-Debüt für Hertha in die Torschützenliste ein. Dazu meldeten sich zwei Helden vergangener Hertha-Tage mit guten Leistungen zurück, Niemeyer mit einem Assist und der spielfreudige Ronny mit einem Treffer sowie einer Vorlage.

Es gibt noch Schwachstellen

Alles ein Zeichen dafür, dass der aktuelle Hertha-Kader sehr ausgeglichen besetzt ist. Der Traum von der „Mission Wohnzimmer“, dem Erreichen des Pokalfinales im Mai 2015 im Olympiastadion, lebt also weiter. Und gleichzeitig war die Begegnung vor 5239 Zuschauern in Köln ein Hinweis darauf, dass es noch einige Schwachstellen gibt, an denen zu arbeiten ist bis zum Bundesliga-Start am kommenden Sonnabend gegen Werder Bremen (15.30 Uhr, Olympiastadion).