DFB-Pokal

Hertha ohne Allagui, Stocker und Wagner gegen Viktoria Köln

Die Rollenverteilung ist klar im DFB-Pokal: Der Bundesligist kommt als klarer Favorit. Zum ersten Mal in diesem Spieljahr musste Cheftrainer Jos Luhukay klare Entscheidungen treffen.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Die Reisegruppe war so groß wie immer. 18 Spieler umfasste der Kader, mit dem Hertha BSC am Freitagnachmittag Richtung Köln aufbrach, zwei Torwarte und 16 Feldspieler. Am Sonnabend steht das erste Pflichtspiel der Saison an. Um 15.30 Uhr geht es auf der Sportanlage Höhenberg um die erste Runde im DFB-Pokal, Hertha BSC zu Gast bei Viktoria Köln.

Auch wenn die Gastgeber mit ihrem Trainer, dem Ex-Herthaner Claus-Dieter Wollitz, ein ambitionierter Regionalligist sind, dem Vernehmen nach verfügt Viktoria Köln über einen Etat von gut zwei Millionen Euro: Hertha plant die Saison mit einem Haushalt von 81 Millionen Euro.

Dennoch wurde die Zusammenstellung der Reisegruppe aus Berlin höchst interessiert verfolgt. Weil Cheftrainer Jos Luhukay zum ersten Mal in diesem Spieljahr klare Entscheidungen treffen musste. Hertha hat in diesem Sommer sieben Neue geholt. „Wir haben durch die Transfers im Kader an Breite und Qualität hinzugewonnen. Davon sind wir fest überzeugt“, sagte Luhukay.

„Schwierig aus sportlicher und menschlicher Sicht“

Gleichzeitig liegt die Herausforderung auf der Hand: Von den 27 Spielern, die in der Vorbereitung dabei waren, werden 16 nicht in der Startelf stehen.

Und acht Profis haben nicht einmal den Sprung ins Spieltags-Aufgebot geschafft. „Es gibt Härtefälle“, sagte Luhukay. „Ich muss zugeben, dass es schwierig wird aus sportlicher und menschlicher Sicht. Denn ich kann keinem Spieler den Vorwurf machen, nicht genug in der Vorbereitung gearbeitet zu haben.“ Sechs Zugänge stehen im Kader für die Pokal-Begegnung: John Heitinga, Marvin Plattenhardt, Jens Hegeler, Roy Beerens, Genki Haraguchi und Julian Schieber.

Brooks dabei, Mukhtar nicht

Mit etwas hochgezogener Augenbraue wird Herthas Königstransfer, Valentin Stocker, registrieren, dass er nicht dabei ist. Nun gut, der Schweizer Nationalspieler, für 3,12 Millionen Euro Ablöse vom FC Basel geholt, ist mit drei Wochen Verspätung ins Mannschaftstraining eingestiegen. Insofern hat Stocker noch etwas Nachholbedarf gegenüber den Kollegen. Allerdings hat John Brooks – der US-Nationalspieler hat seinen WM-Urlaub am gleichen Tag beendet wie Stocker – den Sprung ins Pokal-Aufgebot geschafft.

Roy Beerens ist heilfroh, dass die nach der WM mit sieben Wochen außergewöhnlich lange Vorbereitung ein Ende hat: „Von mir aus hätte es längst losgehen können“, sagte der Niederländer, der vom AZ Alkmaar gekommen ist. Rechtsaußen Beerens bringt, gemeinsam mit dem Japaner Haraguchi auf der linken Seite, etwas, was Hertha seit einigen Jahren nicht mehr in herausragender Form hatte: Geschwindigkeit auf der Außenbahn.

Tempo wird im modernen Fußball immer wichtiger. Beerens gibt sich in der neuen Umgebung noch zurückhaltend: „Ich möchte der Mannschaft helfen, die Ziele zu erreichen.“ Seine Art, die Außenposition zu interpretieren, gefällt Luhukay. Beerens wird gegen Viktoria Köln in der Startformation erwartet. „Manche Außenspieler versuchen drei, vier gute Aktionen zu machen und halten sich sonst raus“, erzählte Beerens. „Das mag ich nicht. Ich will, so oft es geht, im Spiel sein. Wenn ich am Ende vom Platz gehe, will ich total platt sein.“

Im Trainingslager in der Steiermark wirkte Allagui müde

Die Kehrseite der Medaille: Andere Spieler, die in der Vergangenheit wichtig waren, stehen nicht im Kader. So wird Sami Allagui überrascht sein. „An mir muss man erst mal vorbei kommen“, hatte Allagui zu Beginn der Vorbereitung selbstbewusst in einem „Kicker“-Interview gesagt. Nach dem Abgang von Torjäger Adrian Ramos (für 9,7 Millionen Euro zu Borussia Dortmund gewechselt) war Allagui mit neun Treffern in der Vorsaison der beste verbleibende Angreifer im Team. Im Trainingslager in der Steiermark wirkte Allagui jedoch müde. Folge: Er ist in Köln nicht dabei. Ebenfalls in Berlin geblieben sind Linksverteidiger Johannes van den Bergh und Stürmer Sandro Wagner. Beide hatten vergangene Saison stets im Kader gestanden.

Dass Kapitän Fabian Lustenberger nach siebenmonatiger Verletzungspause noch nicht so weit ist, war abzusehen. Hingegen wird Hany Mukhtar, der vor zwei Wochen die deutsche U19-Nationalmannschaft zum Europameistertitel geschossen hat, die Stirn runzeln: Auch der Youngster schaut sich das Pokalspiel nur am Fernseher an.

Mit der Pokalpartie in Köln und dem Start in die Bundesliga am kommenden Wochenende gegen Werder Bremen beginnt nun der Ernst des Profilebens. Seit Wochen hatten alle Beteiligten die hohe Qualität und die gute Stimmung untereinander gelobt.

Trainer Luhukay sagte, dass er nicht jedes Mal langwierige Einzelgespräche führen werde. „Das erkläre ich in zwei Minuten vor der Mannschaft. Wir haben 23 Feldspieler. Wenn ich mit sieben, acht oder neun Spielern individuell reden muss, verpasse ich die Abfahrt zum Spiel.“ Sein Wunsch: „Ich habe die Hoffnung, dass die Mannschaft als Team weiter funktioniert.“ Nach den notorischen Problemen, die Hertha seit Jahren im DFB-Pokal hat, wäre ein Weiterkommen gegen Viktoria Köln in jedem Fall eine teambildende Maßnahme.