Fußball

Sieben Tage Feinschliff für Herthas neue Mannschaft

Am 23. August beginnt für Hertha die Bundesliga-Saison mit dem Heimspiel gegen Werder Bremen. In Schladming/Österreich bereitet Trainer Jos Luhukay sein Team jetzt darauf vor. Und hat einige Personalien zu klären.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Die Wetterkarte legt diese Reise nicht unbedingt nahe. Derzeit besagen die Prognosen für Schladming Regen. Und zwar jeden Tag bis kommenden Mittwoch. Für Donnerstag ist für den 750 Meter hoch gelegenen Ort in der Steiermark ein Emblem verzeichnet, das wahlweise gelesen werden kann als Freibad oder als „Land unter“.

Mit Regen ist zu rechnen

Aber die Planung für eine Saison-Vorbereitung erfolgt Monate im Voraus. Ungeachtet der Wetterprognose wird Hertha BSC an diesem Sonntag aufbrechen zum einwöchigen Trainingslager nach Österreich. 23 Feldspieler und vier Torwarte nimmt Trainer Jos Luhukay mit.

Die Region bietet einige Vorzüge, weshalb viele Klubs sich dort vorbereiten. Neben Hertha sind das der Hamburger SV, Hannover 96, der FC Arsenal, Paris St. Germain, der AS Rom. Gute Hotels, gute Plätze und Temperaturen, die wegen der Lage in den Alpen sich nachts stets abkühlen – das sind geeignete Voraussetzungen, um intensiv zu trainieren. Das ganze wird professionell aufgezogen. Die „International Football Camp Styria“ (IFCS) organisiert und vermarktet die Trainingslager. So entstehen etwa für die sieben Tage in Schladming für den Hertha-Tross Kosten für Flug, Unterkunft und Logis von rund 35.000 Euro.

Testspiele gegen Austria Salzburg und Kulübü Istanbul

Hertha bestreitet im Laufe dieses Trainingslagers zwei Tests gegen den österreichischen Drittligisten Austria Salzburg (5. August) sowie den türkischen Erstligisten Kasimpasa Spor Kulübü aus Istanbul (8.). Die Rechte an den Spielen hat der Bundesligist abgetreten. Und refinanziert damit den Großteil der 35.000 Euro Kosten für die Übungstage in der Fremde.

Für Hertha steht der Feinschliff an. In den vorangegangenen vier Wochen lag der Schwerpunkt auf der Ausdauer sowie der defensiven Stabilität. In der Steiermark geht es auch um die Offensive. Trainer Jos Luhukay sagt, was er vorhat: „Wir werden fußballspezifisch intensiv arbeiten, an den Positionen und an der Taktik. Wir wollen uns noch mal weiterentwickeln.“

Schon am 15. August im Pokal bei Viktoria Köln gefordert

Zudem biegt die Vorbereitung auf die Zielgerade. In der Liga startet Hertha am 23. August mit einem Heimspiel gegen Werder Bremen. Bereits am 15. August steht im DFB-Pokal die Erstrunden-Partie bei Viktoria Köln an. Es sind alle sieben Neuen dabei, dazu stoßen die U19-Europameister Hany Mukhtar und Torwart Marius Gersbeck. Der Konkurrenzkampf ist im vollen Gange. „Im Training und bei den Vorbereitungsspielen, das sind Gelegenheiten, um sich zu zeigen“, sagt Manager Michael Preetz.

Hertha hat den Kader gezielt verbreitert. Ein Effekt besteht nun darin, dass einige Leistungsträger der vergangenen Saison ordentlich um ihre Positionen im Team kämpfen müssen. Beispiel Änis Ben-Hatira. Auf der linken Seite sind Genki Haraguchi oder Valentin Stocker vorgesehen. Bei einer defensiven Ausrichtung könnte dort Nico Schulz spielen – die Zeiten sind vorbei, wo es bei Hertha automatisch für eine bestimmte Position, wenn er fit ist, auf nur einen Spieler hinausläuft.

US-Held Brooks muss sich mit harter Konkurrenz messen

Ähnliches gilt für die rechte Seite, wo Sami Allagui Konkurrenz mit Roy Beerens hat, Haraguchi kann auch dort spielen. Ein weiteres Beispiel ist John Brooks: Der Innenverteidiger war WM-Star bei den USA, ist aber nach seinem Urlaub drei Wochen später als die Kollegen ins Training eingestiegen. Brooks wird etwas Zeit brauchen, um den Rückstand aufzuholen. Unterdessen geben auf seiner Position im Abwehrzentrum John Heitinga und Sebastian Langkamp ein gutes Bild ab.

Dennoch ist der Weg auch heikel. Weil Hertha noch seinen Königstransfer sucht. Mit Adrian Ramos (für 9,7 Mio. Euro nach Dortmund gewechselt) und Pierre-Michel Lasogga (8,5 Mio. zum HSV) haben die Berliner zwei Hochkaräter abgegeben. Gekommen ist bisher Julian Schieber (vom BVB). Der Stürmer-Markt ist im Moment sehr unruhig. Viele Klubs spielen Qualifikationen für die Europa- und Champions League. Da werden Vereine noch teure Stürmer verpflichten, um die Mehrfachbelastung zu stemmen. Andere, die mit dem internationalen Geschäft kalkuliert hatten, werden im Fall des Misserfolges teure Spieler abgeben müssen. Bei Herthas sportlicher Leitung ist jetzt eine gute Marktkenntnis gefragt – und ein gutes Nervenkostüm. Die Transferperiode ist geöffnet bis Montag, den 1. September.