Testspiel

Gegen den FC Sevilla kassiert Hertha die erste Niederlage

Berlins Herthaner unterliegen dem FC Sevilla 0:2. Dass die Konkurrenz stark auftreten würde, war schon vor dem Spiel klar. Dennoch deckten die Spanier so einige momentane Schwächen im Hertha-Spiel auf.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Die Stimmung am Ende war besser als das Spiel. Gut 1000 Fans nutzen die Gelegenheit eines Vorbereitungsspiel zu einem Platzsturm. Einem positiv besetzten, versteht sich. Nach dem Abpfiff gab es einmal die Gelegenheit den WM-Fahrern wie John Brooks nahe zu sein, ein Selfie mit Alexander Baumjohann zu schießen oder ein Autogramm von Trainer Jos Luhukay einzusammeln.

Lohnende Dienstreise

Die Vorbereitungspartie hingegen war ernüchternd. 0:2 (0:0) unterlag Hertha BSC dem FC Sevilla. Es war im siebten Testspiel die erste Niederlage für den Bundesligisten. Aufschlussreich war die Dienstreise nach Neuruppin jedoch deshalb, weil der Europa-League-Sieger einige Schwächen von Hertha offenlegte. So bestand offenbar die Anweisung für Sevilla, Pressing zu üben. Das machten die Spanier über Strecken sehr gut. Und siehe da, die Berliner hatten erhebliche Probleme sich gegen diesen Druck durchzusetzen.

Es gab zwei, drei Angriffe, in denen Hertha demonstrierte, wie man sich befreien kann: Mit schnellem Überbrücken des Mittelfeldes und präzisen Zuspielen auf die Außen, alles in hohem Tempo. Nach elf Minuten etwa legte Linksverteidiger Marvin Plattenhardt einen solchen Lauf hin – im Kombinationsspiel mit Jens Hegeler und Alexander Baumjohann – am Ende verhaspelte sich Hegeler aber im Strafraum der Spanier.

Über weite Strecken jedoch bestimmte Sevilla das Geschehen. Es ging teilweise hart zur Sache, Genki Haraguchi kassierte vom umsichtigen Schiedsrichter Felix Zwayer eine Gelbe Karte. Der FC brachte die Hertha-Abwehr mehrfach ins Laufen. Dabei zeigte sich, dass John Heitinga über ein gutes Auge verfügt, aber nicht der allerschnellste Akteur ist.

Haraguchi und Beerens hatten plötzlich nur noch wenig Raum

Die Außen Haraguchi und Roy Beerens, die in der Vorwoche gegen den PSV Eindhoven (1:1) geglänzt hatten, bekamen von den Spaniern kaum Platz für ihre Tempoläufe. Entsprechend wenig war von ihnen zu sehen. Überhaupt bekam Hertha nur selten Sicherheit ins eigene Spiel, Kombinationen über mehrere Stationen waren die Ausnahme. Jens Hegeler wirkt auf der Acht, als Schalterspieler zwischen Defensive und Offensive so, als ob er noch nach seiner Rolle sucht. Julian Schieber als Sturmspitze hat es schwer gegen meist zwei Verteidiger. Aber der Stürmer, von Borussia Dortmund gekommen, brachte sich durch technische Probleme bei der Ballannahme manchmal selbst aus dem Rhythmus.

Im zweiten Durchgang nutzte der Europa-Cup-Sieger seine Chancen. Nach einem Konter übersprang Georgo Krychowiak Heitinga und köpfte ins kurze Eck, Torwart Rune Jarstein, zur Pause für Thomas Kraft gekommen, hatte keine Abwehrchance, 0:1 (52.). Sevilla setzte nach. Auf der rechten Abwehrseite geriet Peter Pekarik in Schwierigkeiten, der Ball wurde zur Mitte vor den Strafraum abgewehrt. Aus 17 Metern zog Juan Munoz ab, Sebastian Langkamp grätschte unglücklich in den Ball, der so zu einer Bogenlampe wurde und sich hinter Jarstein ins Netz senkte, 0:2 (58.).

Die Begegnung vor 3300 Zuschauern, unter ihnen der Ex-Herthaner Axel Kruse und Box-Trainer Ulli Wegner, war entschieden. Trainer Jos Luhukay reagierte. Peter Niemeyer, Valentin Stocker, Nico Schulz und Brooks wurden eingewechselt, Hosogai, Schieber, Langkamp und Hegeler gingen. Außer einer Gelegenheit für Alexander Baumjohann, dessen Gewaltschuss zur Ecke abgeblockt wurde (89.), tat sich aber nicht mehr viel. Hertha wirkte nach mittlerweile vier Wochen Vorbereitung ein wenig matt.

Preetz sucht Ramos-Nachfolger

„Solche Tests bringen uns mehr als Spiele gegen Mannschaften, die fußballerisch weniger gut sind“, sagte Trainer Jos Luhukay. Hertha spielte zum dritten Mal mit der identischen Startelf, davon sechs Neuzugänge. Der erste Bundesliga-Spieltag steht erst am 23. August an, da steht die Startelf heute noch nicht fest. Ein Fingerzeig ist die erneute Formation aber schon.

Schaut man auf die Resultate (0:0 gegen Vitesse Arnheim, 1:1 gegen Eindhoven, 0:2 gegen Sevilla) fällt auf: Es ist relativ schwer gegen Hertha Tore zu erzielen. Aber gegen starke Gegner tut sich Hertha seinerseits schwer, selbst Chancen herauszuspielen. Nicht zufällig ist Manager Michael Preetz unterwegs, um noch einen Nachfolger für den nach Dortmund abgewanderten Torjäger Adrian Ramos zu suchen.