Zweite Liga

Ex-Hertha-Trainer Falko Götz „will Hertha wehtun“

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Uwe Bremer

Foto: Igor Pastierovic / dpa

Der ehemalige Trainer von Hertha BSC will bei seinem ersten Auftritt mit Außenseiter Erzgebirge Aue am Freitag ab 18 Uhr im Berliner Olympiastadion beim Spitzenreiter der Zweiten Liga überraschen.

Falko Götz auf der Trainerbank im Berliner Olympiastadion. Ein Bild, bei dem Erinnerungen wach werden. Götz war mal Hoffnungsträger bei Hertha BSC. Einer, der für schwungvollen Fußball stand mit verdienten Recken wie Marcelinho, Gilberto, Friedrich oder Simunic. Und einer, dem zugetraut wurde, die Talente aus dem eigenen Nachwuchs in die Bundesliga zu führen. Wie Kevin Boateng, Patrick Ebert, Ashkan Dejagah oder Sejad Salihovic.

Die Hertha-Fans wissen, dass trotz mancher guter Phasen die hochfliegenden Pläne nicht erreicht wurden. Die Champions-League-Qualifikation wurde verpasst, das Team zerfiel in Grüppchen. Im April 2007 trennten sich die Wege.

An diesem Freitag nimmt Götz, inzwischen 51 Jahre, wieder Platz im Olympiastadion. Diesmal auf der Gästebank für Erzgebirge Aue (18 Uhr, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost). Die kämpfen als Tabellen-15. um den Klassenerhalt. Götz ist erst seit Wochenbeginn da, nachdem überraschend Karsten Baumann gefeuert worden war. Für Götz ist es eine Premiere, er hat noch nie in der Zweiten Liga gearbeitet.

Kluge und Pekarik trainieren wieder

Nach eingehendem Videostudium von Hertha äußerte sich Götz am Mittwoch deutlich weniger zuversichtlich als bei seiner Vorstellung. Da hatte der neue Chef gesagt, es hätte schlimmer kommen können. Er kenne keinen anderen Verein so gut wie Hertha. Die Mannschaft sei schon aufgestiegen. „Die Spieler wollen in die Bundesliga, aber auch gesund“, hatte er ein beinhartes Auftreten von Aue angekündigt. Nach der Durchsicht einiger DVDs sagte Götz auf der Pressekonferenz: „Ich bin froh, dass ich hier bin. Aber wir haben die denkbar schwerste Aufgabe. Wir spielen gegen die dominanteste Mannschaft der Liga, gegen Hertha.“

Der Zweitliga-Spitzenreiter bereitete sich am Mittwoch in Berlin auf den 32. Spieltag vor. Der Hauptstadt-Klub steht seit zwei Runden als Bundesliga-Rückkehrer fest. Aber Trainer Jos Luhukay will den ersten Platz verteidigen, die „Felge“, die Trophäe für die Zweitliga-Meisterschaft ist das erklärte Ziel. Gestern zeichnete sich die Rückkehr von zwei zuletzt verletzten Profis ab. Peer Kluge, der zuvor wegen Adduktoren-Problemen ausgefallen war, trainierte ebenso mit der Mannschaft wie Peter Pekarik, der einen Muskelfaserriss überwunden hat.

Luhukay freut sich für Götz

Der Tabellenführer gegen den 15., auf dem Papier verspricht das eine einseitige Partie. Doch Trainer Luhukay sagte über seinen neuen Trainer-Kollegen: „Das ist eine Überraschung. Ich gönne es Falko. Damit hat das Spiel ein bisschen Extra-Brisanz. Man hat bei Peter Neururer und Bochum gesehen, was ein Trainerwechsel manchmal bewirken kann.“

Götz weiß, dass er bei nur drei Spielen bis Saisonende nichts grundlegendes ändern darf. „Ich setze auf die Tugenden, die Aue seit längerem zeigt: Leidenschaft, Einsatzwillen.“ Aber er fordert auch Mut, nach vorn zu spielen, „Hertha weh zu tun“. Götz sagte: „Wir fahren nicht nach Berlin, um Sparringsgegner zu sein. Wir brauchen Punkte. Darum geht es.“

Hertha-Coach Luhukay achtete, wie stets auf gutes Benehmen, allerdings versehen mit einer Einschränkung: „Ich wünsche Falko viel Erfolg, aber erst nach Freitagabend.“