Geld oder Liebe

Andere Klubs locken Herthas Ronny mit Millionen

Im Poker um Brasilianer Ronny setzt Hertha auf Zuneigung und Vertrauen – und eine relativ kleine Gehaltserhöhung. Ob das reicht, um ihn zu halten, ist fraglich. Woanders winken Millionen.

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Das Treffen ist vorentscheidend. Es wird in dieser Woche in Berlin stattfinden. Verabredet ist, dass die Hertha-Geschäftsführung mit Michael Preetz und Ingo Schiller am Tisch sitzt sowie Dino Lamberti, der Berater von Ronny (26). Trügen die Vorzeichen nicht, fällt in den kommenden zehn, spätestens 14 Tagen eine Entscheidung: Entweder verlängert der Brasilianer seinen im Juni auslaufenden Vertrag. Oder Ronny entscheidet sich für einen neuen Arbeitgeber.

Am vergangenen Sonnabend hat Ronny einmal mehr Werbung in eigener Sache betrieben. Sein exzellentes 22-m-Tor gegen den VfL Bochum allein war das Eintrittsgeld wert (Endstand 2:0). Damit hat Herthas Spielmacher seine Quote als Topscorer der Zweiten Liga ausgebaut: Mit 26 Punkten (14 Tore, zwölf Vorlagen) liegt Ronny klar vor Braunschweigs Domi Kumbela (20/17+3) oder Lauterns Mohamadou Idrissou (19/12+7).

Manager Preetz hält sich bedeckt

Die Frage, ob Hertha nun das Angebot für Ronny erhöhen werde, stößt bei Manager Michael Preetz auf Spott. „Wenn er ein Tor schießt, steigt sein Marktwert? Und hätte Ronny schlecht gespielt, wäre der Marktwert gefallen?“ Nein, so laufe das Geschäft nicht.

Preetz hält sich jedoch bedeckt mit Auskünften zur Strategie. „Es macht kein Sinn, unser Verhalten vorab öffentlich zu machen“, sagte der Manager. „Es bleibt dabei: Wir wollen gern mit Ronny verlängern. Ob es dazu kommt, werden wir sehen.“ Hertha hat reichlich Mitbewerber im Kampf um die Dienste von Ronny. Die Karriere des Bruders von Raffael (derzeit von Dynamo Kiew an Schalke ausgeliehen) ist wieder einmal ein Beispiel für die Unwägbarkeit der Branche. Auf jene drei Jahre betrachtet, die Ronny in Berlin unter Vertrag steht, ist seine Bilanz mäßig. In den ersten beiden Saisons hat der Brasilianer Monat für Monat gekostet – aber kaum einmal mit Leistung zurückgezahlt. Seine Vorstellung in dieser Saison jedoch ist stark. Allerdings glänzt Ronny derzeit in der Zweiten Liga. Den Nachweis, dass er ein gestandener Erstliga-Spieler ist, hat er noch nicht erbracht.

Entsprechend ist das Hertha-Angebot angelegt. Ronny bekäme eine satte Gehaltserhöhung auf etwas über eine Million Euro. Plus der Möglichkeit weiterer üppiger Erfolgsprämien. Berater Lamberti lässt indessen durchblicken, dass er überrascht sei, wie viele ernsthafte Angebote für Ronny vorliegen. Demnach sei das Hertha-Angebot das mit Abstand am schwächsten dotierte.

Eigentlich müsste Ronny wechseln

Rein finanziell betrachtet müsste Ronny wechseln. Zumal sich seine Leistungen herumsprechen. So standen vergangene Woche Emissäre eines Klubs aus Dubai vor Ronnys Wohnungstür in Berlin. Sie locken mit einem Angebot, das man bei etwa zehn Millionen Dollar verorten kann. Zyniker raten Ronny: Sofort annehmen. Das Tempo in Dubai entspreche Ronnys Möglichkeiten.

Es gibt aber auch diverse Bundesligisten, die interessiert sind. Von Bayer Leverkusen ist die Rede, von Eintracht Frankfurt, um nur zwei zu nennen. Zwar wissen in Deutschland alle, dass Ronny kein Sprintkönig ist. Aber seine technischen Möglichkeiten sind außerordentlich. Seine Handlungsschnelligkeit ist ordentlich. Sein Gefühl für den Raum, wo er den Ball für die Kollegen hineinspielt, ist bemerkenswert – und seine Schusspräzision eine Qualität, die jeder Bundesliga-Trainer gern in seinem Kader hätte.

Dazu passiert es selten, dass ein Profi mit diesen Qualitäten ablösefrei auf dem Markt ist. Ein Teil der so gesparten Ablöse – das sind die Mechanismen der Fußball-Branche – fließt in die Taschen des Spielers und seines Agenten. Der Berater von Ronny weiß jedoch um die beiden größten Trümpfe, die Hertha in den Händen hält. Und redet deshalb im Moment weniger mit den Manager der Kaufinteressenten, sondern mit deren Trainern. Es geht um die immer gleichen Fragen: Welche Rolle würde der neue Trainer für Ronny vorsehen? Und wie wäre es mit dem Stellenwert von Ronny im Team bestellt?

Auf diese Faktoren hat Hertha seine Bewerbung aufgebaut. Von Ronny war nichts zu sehen unter den Trainern Babbel, Tretschok, Skibbe oder Rehhagel. Jos Luhukay jedoch hat auf Anhieb eine Ebene mit Ronny gefunden. Er ist der erste Vorgesetzte in Berlin, der Ronny auch an einem schlechten Tag auf dem Feld lässt. Der lohnt es ihm mit einem späten Assist und einen späten Tor wie gegen den FSV Frankfurt (82. und 84./Endstand 2:1).

Luhukay stärkt den Brasilianer

Wenn der Brasilianer den Winter-Blues hat und im Training einige Tage die Flügel hängen lässt, sagt Trainer Luhukay auf der Pressekonferenz zum Spiel: „Unser mit Abstand bester Spieler ist Ronny“ – der am Tag darauf den MSV Duisburg praktisch im Alleingang besiegt. Beiläufig stärkt der Trainer die emotionale Bindung an Hertha. Bei den letzten Auftritten im Olympiastadion gegen Duisburg (4:2) und Bochum wurde der Brasilianer jeweils 120 Sekunden vor dem Ende mit Stehenden Ovationen von den Anhängern verabschiedet. Luhukay sagte: „Ich wollte Ronny einen Publikumswechsel gönnen.“

Geld oder Liebe – ein Fußball-Profi hat nur wenige Jahre, um die Zukunft seiner Familie abzusichern. Aber Ronny erlebt just bei seinem Bruder, dass ein großer Scheck nicht alles ist im Leben. 20 Millionen Dollar netto waren Raffael im vergangenen Sommer zugesichert worden für einen Vier-Jahres-Vertrag in Kiew. Dort hat Raffael aber kaum gespielt. Irgendwann musste er aus seinem Haus ausziehen, weil der Verein die vereinbarte Miete nicht bezahlte. Als Leihspieler auf Schalke sitzt Raffael meist auf der Bank.

Ronny vertraut Luhukay. Beide wissen, was sie aneinander haben. Ronny ist Publikumsliebling. Jetzt muss er sich entscheiden.