Zweite Bundesliga

Ronny muss sich für oder gegen Hertha entscheiden

Hertha war der klare Favorit im Spiel gegen den Vfl Bochum - und wurde dieser Rolle mehr als gerecht. Besonders Ronny zeigte einmal mehr sein Talent - bezüglich seines Status zaudert er noch.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Die „Uffta“, das überschwängliche Feierritual mit den Fans, das sich über fast zehn Minuten hinziehen kann, ließ die Mannschaft diesmal aus. Nach dem 2:0 (1:0) gegen den VfL Bochum bedankten sich die Profis mit drei, vier Wellen bei den treuen Anhängern vor der Ostkurve.

Ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung. Aber der große Grund zum Feiern ist noch nicht gegeben. Mutmaßlich zwei Siege fehlen Hertha BSC, bis das ersehnte Saisonziel, der Bundesliga-Aufstieg, perfekt ist. Gegen die abstiegsbedrohten Gäste waren die Berliner zu keiner Phase des Spiels gefährdet.

„Wir haben ein sehr souveränes Spiel gezeigt“, sagte Trainer Jos Luhukay. „Defensiv waren wir nie in Problemen. Nach vorn hätten wir unsere diversen Chancen noch besser zu Ende spielen müssen.“

Aus 23 Metern unter die Latte

34.802 Zuschauer erlebten im Olympiastadion ein in dieser Saison seltenes Gefühl: Es gab durchgehend keine Zweifel, weil die Tore wie gewünscht fielen. So leistete sich Bochums Holmar Eyjolfsson, Sohn von Hertha-Legende Eyjolfur Sverrisson, ein überflüssiges Foul vor dem eigenen Strafraum an Ronny.

Als hätten die Bochumer noch nichts von der Gefährlichkeit des Brasilianers bei Freistößen gehört. Ronny legte sich den Ball zurecht, nahm einen langen Anlauf – und zirkelte den Ball aus 23 Metern über die Mauer hinweg rechts unter die Latte. Nach vier Minuten führte der Favorit mit 1:0.

„Wir haben in der Vorbereitung 14 Tage darüber gesprochen. Mit der Defensive und den Torwarten. Aber Qualität setzt sich halt durch“, seufzte VfL-Trainer Karsten Neitzel. Ronnys 14. Saisontor lenkte alles in die gewünschten Bahnen.

Luhukay will eindeutiges Bekenntnis von Ronny

Zudem erhöhte er seinen Marktwert weiter. Bekanntlich laufen Verhandlungen über den zum 30. Juni endenden Vertrag. „Hertha möchte mit Ronny verlängern. Ich als Trainer möchte mit Ronny verlängern“, sagte Jos Luhukay, „aber da gehört noch eine andere Partei dazu, die sich bekennen sollte. Das ist Ronny selbst.“

Der Umworbene wollte sich nach dem Spiel nicht festlegen. Er wisse nicht, ob sein Marktwert mit solchen Treffern steige, sagte Ronny. „Zum Stand der Verhandlungen müssen Sie meinen Berater fragen.“

Trainer Luhukay klang erstmals in dieser Angelegenheit nicht optimistisch. „Ronny kann in den nächsten sieben Spielen gern noch weitere Freistoßtore schießen. Was dann passiert, ist offen.“

Einseitige Partie für die Zuschauer

Mit der frühen Führung im Rücken spielte die Mannschaft wie aus einem Guss. Die Gäste wurden zusätzlich geschwächt. Michael Lump erlitt nach einem Schlag von Peter Pekarik einen offenen Mittelfußbruch und wurde umgehend ins Virchowklinikum transportiert. Pekarik war erschrocken: „Das wollte ich nicht. Ich dachte, er könnte weiterspielen. Ich wünsche ihm alles Gute.“

Die Zuschauer, zuvor schon von der Neuauflage der seit 20 Jahren gespielten Hymne „Nur nach Hause gehn’ wir nicht“ von Frank Zander und Gastmusikern in Stimmung gebracht, sahen eine einseitige Partie.

Erstes Profi-Tor im 38. Liga-Einsatz

Ronny mit einer starken ersten Hälfte setzte die Kollegen ein. Sami Allagui lief nach einer Vorlage des Brasilianers allein auf das Gäste-Tor zu, scheiterte aber an Torwart Andreas Luthe (17.). Dann verfehlte Fabian Lustenberger drei Meter vor dem VfL-Tor einen Ronny-Freistoß um Haaresbreite (25.). Adrian Ramos köpfte eine weite Flanke von Levan Kobiashvili Zentimeter neben das Bochumer Tor (31.).

Im zweiten Durchgang ging es noch rascher. 24 Sekunden benötigte Nico Schulz nach dem Wiederanpfiff für einen fulminanten Antritt. Herthas Mittelfeldspieler spielte zweimal Doppelpass. „Dann habe ich geschaut und niemanden zum Querlegen gefunden und es selbst gemacht“, beschrieb Schulz sein Tor zum 2:0 (46.). Nun war die Begegnung entschieden. Für Schulz war es im 38. Liga-Einsatz sein erstes Profi-Tor.

Knurrige Reaktion auf Frage nach Ben-Hatira

Und Bochum? In Minute 80 fing Torwart Thomas Kraft den ersten Ball ab, der auf sein Tor kam. Ansonsten fanden die Gäste keinen Weg durch die energisch zu Werk gehende Hertha-Defensive.

Innenverteidiger Lustenberger sagte: „Jetzt können wir beruhigt Ostern feiern.“ Dann schaute er voraus auf das Topspiel des kommenden Spieltages: „Gegen Braunschweig wollen wir unseren Vorsprung ausbauen.“

Trainer Luhukay war bei der anschließenden Pressekonferenz nach dem Spiel etwas knurrig, dass er nach Änis Ben-Hatira gefragt wurde. „Wir haben die meisten Tore erzielt, die wenigsten Gegentreffer kassiert und die meisten Punkte. Aber hier in Berlin fällt die Aufmerksamkeit immer auf die Spieler, die nicht zum Einsatz kommen.“

Trikottausch mit Pierre-Michel Lasogga

Luhukay fuhr fort: „Wenn man eine Topmannschaft ist, und das sind wir, hat man intern eine Konkurrenzsituation. Das ist für den einen oder anderen Spieler schwierig. Aber am Ende geht es darum, dass Hertha aufsteigt.“

Einer hatte dennoch Interesse an einem Berliner, der ungeachtet der Einwürfe seiner Mutter („Wenn Pierre nicht öfter spielt, ist er im Sommer weg“) gegen Bochum 90 Minuten zuschauen musste. VfL-Mittelfeldspieler Christoph Kramer tauschte das Trikot mit Pierre-Michel Lasogga, die beiden kennen sich aus gemeinsamen A-Jugendzeiten bei Bayer Leverkusen.

Hertha-Kapitän Peter Niemeyer war das egal. Der gratulierte den Kollegen „zu einer sehr souveränen Leistung“. Und verschwand in der Kabine mit einem großen Plakat, das ihm Fans geschenkt hatten: „Herzlichen Glückwunsch zum Sohn und Mini-Kapitän.“