Zweite Liga

Ben-Hatira kämpft bei Hertha BSC um seinen Platz

Ben-Hatiras Comeback verschärft den Konkurrenzkampf bei Hertha BSC. Der Stürmer brennt auf einen Derby-Einsatz gegen Union.

Foto: Bernd Wende Sportfoto / picture-alliance / Photowende

Es waren nicht viele Fans beim Training zu Gast. Doch jene 20 Anhänger, die bei klirrender Kälte auf dem Schenkendorff-Platz ausharrten, registrierten sehr wohl, was das Besondere an der ersten Übungseinheit dieser Hertha-Woche war. Während alle anderen Profis samt Trainerstab längst in der wärmenden Kabine verschwunden waren, schrieb einer fleißig Autogramme und stellte sich für die Fans zum gemeinsamen Foto auf: Änis Ben-Hatira (24).

Für den gebürtigen Berliner ist eine Leidenszeit zu Ende. Auf mittlerweile ein Vierteljahr hat sich der verletzungsbedingte Ausfall von Ben-Hatira summiert. Nach einem wahren Rehabilitations-Marathon scheinen die Sprunggelenksprobleme nun behoben. „Ich bin froh, dass ich da bin“, strahlte Ben-Hatira. „Ich kann schmerzfrei Laufen und schon wieder Sachen mit dem Ball machen.“

Nun kann sich Hertha zum Jahresbeginn über eine Reihe von Rückkehrern freuen: Maik Franz, Pierre-Michel Lasogga, Christoph Janker, Levan Kobiashvili und Shervin Radjabali-Fardi stehen nach langer Ausfallzeit zur Verfügung. Jeder der Genannten ist wichtig für die Gruppe. Doch mit Ben-Hatira verhält es sich noch mal anders. Öffentlich würde Trainer Jos Luhukay das so wohl nie zugeben: Aber von allen Ausfällen hat Ben-Hatira am meisten wehgetan.

Krankenakte Ben-Hatira

Weil der Aufstiegsaspirant keinen anderen Spieler hat, der dessen Qualitäten aufweisen kann: Den Mut und die Technik, sich auch mal durch mehrere Gegner hindurch zu tanken. Dazu Kreativität, eine gute Schusstechnik, das Ganze versehen mit einem Schuss Unberechenbarkeit – das ergibt einen eigenwilligen, auch auf dem Platz schwer auszurechnenden Profi.

Die Krankenakte Ben-Hatira hat sich zu einer unerwartet langen Dokumentensammlung entwickelt. Und sie betrifft fast ausschließlich sein rechtes Sprunggelenk. Die Probleme begannen in der Zeit beim vorigen Klub, dem Hamburger SV. Seit seiner Rückkehr nach Berlin im August 2011 hat Ben-Hatira insgesamt 24 Liga-Spiele für Hertha absolviert.

In dieser Zweitliga-Saison überzeugte Ben-Hatira mit drei Toren und zwei Assists bei acht Einsätzen. Die Statistik belegt jedoch auch, dass Hertha bei elf Partien ohne die Dienste des Deutsch-Tunesiers auskommen musste. Nach dem Derby Anfang September bei Union (2:1) musste Ben-Hatira zum ersten Mal aussetzen. Seit dem 19. Oktober (2:0 gegen Bochum) stand er gar nicht mehr auf dem Platz. Die anfänglich diagnostizierte Kapsel-Reizung stellte sich als ungewohnt hartnäckig heraus.

Gegen Union wieder da

Immer, wenn es in die Belastung ging, reagierte das Gelenk mit neuen Schmerzen. Sowohl Herthas Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher als auch Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München plädierten für eine konservative Behandlung ohne Operation. „Wir haben ihn konservativ behandelt, Änis hatte die Zeit, die Verletzung in Ruhe auszutherapieren“, sagte Schleicher.

Zumal die Mannschaft auch ohne Ben-Hatira zurecht kam. Hertha blieb in den letzten neun Partien ohne seinen Zauberdribbler ungeschlagen und holte aus neun Partien 21 Punkte. Doch jetzt will er wieder mitmischen. Kess kündigte Ben-Hatira an: „Ich bin keiner, der lange braucht, um konditionell wieder den Anschluss zu finden, wie vielleicht andere Spieler.“

Er habe in der Reha viel gearbeitet. Auch im Sommer habe er trotz eines späteren Trainingsbeginn nur zwei, drei Wochen benötigt, um fit zu sein. „Spätestens gegen Union will ich da sein“, sagte Ben-Hatira mit Blick auf das Prestigeduell am Montag, dem 11. Februar. Wer im Olympiastadion live dabei sein will, sollte sich beeilen. Die 72.200-Plätze fassende Arena ist so gut wie ausverkauft, es gibt nur noch 1000 Restkarten. Eigentlich aber, meinte Ben-Hatira, werde er bereits Anfang Februar „gegen Regensburg bei 100 Prozent sein.“

Luhukay bremst den Profi

Trainer Luhukay sieht die Entwicklung mit Wohlgefallen. „Ich bin zufrieden, dass Änis wieder auf dem Platz ist und Nico Schulz und Peter Pekarik.“ Das Trio trainierte gestern separat. Doch der Trainer blieb seiner Linie treu: Schritt für Schritt gehen. Ob Ben-Hatira ein Kandidat für Union oder bereits für Regensburg sei, darauf ging Luhukay gar nicht ein. Erst mal müsse Ben-Hatira abwarten, ob er überhaupt am Sonnabend mit ins Trainingslager in die Türkei fliegen darf. Luhukay: „Wir warten jetzt mal ab, wie Änis die Belastung in den ersten Trainingstagen verkraftet. Dann sehen wir weiter.“

Bleibt die Frage, ob das Sprunggelenk eine Schwachstelle von Ben-Hatira bleibt. In der einen oder anderen Situation könnte sich der Profi selbst helfen, indem er den Ball schneller abspielt und die Verteidiger gar nicht erst in die Versuchung kommen, dem Herthaner in die Beine zu springen.