Mitgliedertreffen

Hertha in der Finanzkrise - Hoffen auf einen Investor

Sportlich geht es aufwärts mit Hertha. Finanziell geht es aber so schlecht wie lange nicht mehr. Und ein neuer Investor ist nicht in Sicht.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Hertha bedient die Sehnsucht nach Heimeligkeit. Die extremen Schwankungen der vergangenen Jahre haben den Verein erschöpft: Die Fast-Meisterschaft 2009, der Abstieg 2010, der Wiederaufstieg 2011, der erneute Abstieg unter dramatischen Umständen samt Bengalos, Platzsturm und DFB-Gerichtsverfahren in diesem Sommer. Dann der heftige Wahlkampf vor sechs Monaten im Kampf um die Neubesetzung des Präsidiums - da haben sich viele Gräben aufgetan, die nicht alle geschlossen sind.

Ovationen für Gustav Eder

Ein Mittel, um die innere Einheit zu fördern, stellen traditionell Ehrungen dar. Also zeichnete die Vereinsführung bei der Mitgliederversammlung im ICC ordentlich aus: Zunächst wurde die A-Jugend geehrt für das Erreichen des DFB-Pokalfinales, dann die B-Jugend für den Berliner Pokalsieg und die Deutsche Meisterschaft. Es gab große gerahmte Urkunden für die 25-jährige Vereinsmitgliedschaft. Hans Gustav Eder wurde mit Stehenden Ovationen empfangen, der Alt-Herthaner ist seit 50 Jahre Vereinsmitglied. Helmut Klopfleisch wurde als Herthaner des Jahres ausgezeichnet, stellvertretend für die Fans der Blau-Weißen im Ostteil der Stadt während der Zeit der Teilung der Stadt.

Wie pikant das mit der Einheit im Verein ist, wurde bei der Auszeichnung für Jörg Thomas deutlich. Er bekam für besondere Verdienste im Verein den Ehrenring. Die Laudatio für den ehemaligen Vizepräsidenten hielt Thorsten Manske. Der hatte sich im Mai in einer Kampfabstimmung um den stellvertretenden Präsidentenposten durchgesetzt - gegen Thomas.

Fahne wird offizielles Vereinslogo

Auch Michael Preetz nutzte den Wohlfühl-Faktor. Der Manager verkündete, dass das Motto "Fahne pur, Fußball pur" sehr gut angenommen worden sei. "Deshalb haben wir beschlossen, dass die Fahne fortan unser offizielles Vereinslogo wird." Eine Ankündigung, die mit großem Applaus der 1063 stimmberechtigten Mitglieder belohnt wurde. Auch die Profis gab es hautnah zu erleben. Vor Versammlungsbeginn plauderten Peter Niemeyer, Sandro Wagner, Ronny oder Ben Sahar mit den Mitgliedern.

Die erfolgreiche Hinrunde unter Trainer Jos Luhukay - Hertha steht bekanntlich auf Rang zwei der Zweiten Liga - hat auch die Gremien beeindruckt. Bernd Schiphorst, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, sagte: "Mir kommt es so vor, als hätten wir die ruhigste Saisonhälfte seit 20 Jahren erlebt." Die große Nachricht jedoch, die von dieser Versammlung in Land hinausgeht, lautet; Die finanzielle Lage für Hertha BSC ist noch schwieriger geworden. Das ergeben die Bilanzzahlen, die Finanzchef Ingo Schiller vortrug. In der Saison 2011/12 stehen Einnahmen von 72,5 Millionen Euro Ausgaben von 79,8 Millionen Euro gegenüber. Die ohnehin hohen Verbindlichkeiten von 34,7 Millionen Euro im Sommer 2011 sind zum Stichtag 30. Juni 2012 auf 42,02 Millionen Euro gestiegen. Rechnet man Rechnungsabgrenzungsposten, Rückstellungen und Passive latente Steuern hinzu, belaufen sich die Schulden auf 65,7 Millionen Euro.

Um die Bilanz zu entlasten hat der Zweitligist 20 Millionen Euro aktiviert für Markenrechte. Die Markenrechte beziehen sich auf die kommerzielle Nutzung des Logos von Hertha BSC. Diese Summe wurde in eine 100prozentige Tochtergesellschaft, die Hertha BSC Rechte-GmbH ausgegliedert. So wird in der Bilanz statt eines Minus von 7,3 Millionen Euro einen Gewinn von 12,7 Millionen ausweisen.

Investor gesucht

Finanzchef Schiller sagte: "Die Zahlen sind Ausdruck der Herausforderungen, denen wir gegenüber gestellt sind. Wir haben in einem schwierigen Umfeld Stabilität. Aber es gilt für die Zukunft diese Werte zu verbessern." Zugleich räumte er ein, dass Hertha sich ein solches Ungleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben sowie das Anwachsen der Verbindlichkeiten nicht lange wird leisten können. Tatsächlich muss Hertha dringend darauf achten, die Einnahmen und Ausgaben in die Balance zu bekommen. Die Verbindlichkeiten lassen sich wohl nur abbauen, wenn ein Investor gefunden wird. Darum bemüht sich Hertha seit Jahren. Aktuell jedoch, sagte Schiller, "gibt es nichts zu vermelden." Die finanzielle Lage bedeutet, dass Hertha zum Aufstieg verdammt ist. Nach den schwierigen Nachrichten bekam Schiller auch etwas Applaus. Der Geschäftsführer begründete, warum der Verein das erste Sicherheitspapier der Deutschen Fußball-Liga abgelehnt hat: "Ich versichere Ihnen: Bei Hertha BSC wird es keine Nacktkontrollen geben."