Fußball

Hertha-Rowdy Patrick Ebert findet sein Glück in Spanien

Im Sommer wechselte Hertha-Profi und Fanliebling Ebert zu Real Valladolid. Dort schießt er sich wieder in die Herzen der Anhänger.

Foto: Jesus Diges / dpa

Nicht einmal eine halbe Stunde hatte es gedauert, bis Patrick Ebert sein Glück mit aller Welt teilen konnte. Die Partie seines neuen Klubs, dem spanischen Erstliga-Aufsteiger Real Valladolid, gegen Osasuna am Sonntagabend war gerade erst zu Ende gegangen, da postete der Ex-Herthaner auf seiner Facebook-Seite schon ein kurzes Video.

Zu sehen war er selbst, wie er sieben Minuten vor Spielende beim Stand von 0:0 über den Platz sprintet, den Ball gut 25 Meter vor des Gegners Tor bekommt, um ihn mit einem gefühlvollen Heber über den Schlussmann ins Netz zu streicheln. Ein Tor, wie es sonst nur der Weltfußballer Lionel Messi in Diensten des Ligakonkurrenten FC Barcelona zu schießen pflegt.

Für Valladolid war es der Siegtreffer und für den 25-Jährigen bereits das zweite Tor in Folge für seinen neuen Arbeitgeber. Die Reaktionen auf Facebook ließen nicht lange auf sich warten. Einer der Fans schrieb anerkennend: „Grande Ebert!!!“ Großer Ebert!

Neuanfang in der Provinz

Es war ein ungewöhnlicher Schritt, den Patrick Ebert in diesem Sommer ging. Nach dem enttäuschenden Abstieg seines Herzensklubs Hertha BSC in die Zweite Liga wurde der auslaufende Vertrag des gebürtigen Potsdamers nicht verlängert. Ebert sagte, er selbst habe seinen Abgang dem Verein schon in der Winterpause angekündigt. Nach 14 Jahren bei Hertha, in denen er in 121 Erst- und Zweitliga-Spielen acht Tore erzielt hatte, habe er einfach eine neue Herausforderung gesucht.

Von Berlin, wo er einst gemeinsam mit den Brüdern Kevin „Prince“ und Jerome Boateng die Herzen der Hertha-Fans durch sein impulsives Auftreten erobert hatte, zog es ihn in die beschauliche, autonome Region Castillia y León. In Valladolid, einer 400.000-Einwohner-Stadt zwei Autostunden nordwestlich von Madrid, unterschrieb er einen Zwei-Jahres-Vertrag beim unscheinbaren Fußballklub Real. „Ich sehe das als Chance, mich zu zeigen“, hatte Ebert nach seiner Verabschiedung bei Hertha am ersten Spieltag der aktuellen Saison im Olympiastadion gesagt. „Dort kann ich jetzt gegen die Besten der Welt spielen. Jetzt geht es gegen Barcelona und Real Madrid – für solche Spiele bin ich Profi geworden.“

Doch für Patrick Ebert war der Schritt von Berlin in die spanische Provinz noch viel mehr als nur eine neue Herausforderung: Er wolle die Altlasten der Vergangenheit, die in Berlin an ihm hafteten, abschütteln und sich „auch menschlich weiterentwickeln“, sagte er. Dafür musste er an einen Ort wechseln, „an dem ich in keine Schublade mehr gesteckt werde“ und wo er noch einmal ganz von vorn anfangen konnte. Von nun an, so sagte sich Ebert, „will ich mich voll auf Fußball konzentrieren“.

Rüpelimage abgelegt

Die besagte Schublade war die des Problemprofis und Rüpels, in die sich Ebert freilich selbst manövriert hatte. Zum Beispiel als er sich im August 2007 mit 1,47 Promille ans Steuer setzte und erwischt wurde (Führerschein weg, 5000 Euro Geldstrafe). Oder als er anderthalb Jahre später zusammen mit seinem Kumpel Kevin „Prince“ Boateng in Charlottenburg um die Häuser zog und eine Reihe von Autospiegeln abgetreten haben soll (rund 50.000 Euro Geldstrafe).

Die Berichterstattung der Berliner Medien damals war erwartungsgemäß wenig zimperlich, und das hat ihn verbittert. Der Liebe aber, die ihm Herthas Fans entgegenbrachten, tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Gerade weil Patrick Ebert zwar großes Potenzial erkennen ließ, aber eben nie wirklich perfekt war, passte er so gut zu Berlin. Für die Ostkurvengänger schien er einer von ihnen zu sein (beim Derby gegen den 1. FC Union vor wenigen Wochen war er es auch und stand im Fanblock). Für ihn dichteten sie sogar eigens einen ironischen Stadionsong: „Patrick Ebert, du alter Rowdy. Du trittst die Spiegel ab, machst Kratzer in den Lack und schmeißt die Roller um.“

In Spanien hat der Rowdy nun sein Glück gefunden. Bei Valladolid stand er in neun von zehn Ligaspielen in der Startelf und hat erheblichen Anteil daran, dass der Aufsteiger überraschend auf Platz acht der Tabelle angekommen ist. Mit wichtigen Toren schießt sich Ebert gerade in die Herzen der heimischen Anhänger. Die in Spanien naturgemäß etwas euphorisierte Presse kürte ihn zum „besten Mann auf dem Platz“ und schrieb: „Dem Deutschen fällt immer irgendetwas ein, um Gefahr zu kreieren.“ Im Land des Welt- und Europameisters, in dem das kontrollierte Kurzpassspiel kultiviert wird, gilt Ebert im ansonsten eher glanzlosen Team von Valladolid als „der Improvisator“ – ein anarchischer Profi, der mit seiner Berliner Sozialisierung für die besonderen Momente zuständig ist. Hier scheint er die Anerkennung zu bekommen, die er bei Hertha BSC zuletzt vermisst hatte.

„Im deutschen Fußball und speziell in Berlin gerät man schnell in Vergessenheit“, hat Patrick Ebert einmal gesagt. Mit seinem Tor in Messi-Manier am Sonntag hat er sich hierzulande noch einmal in allerbeste Erinnerung gerufen.