Bei der Vorstellung feierten sogar die Fans des MSV Duisburg, als am Montagabend der Herthaner mit der Nummer 33 aufgerufen wurde: „Sandro Wagner“. Dafür feierte Wagner nicht, als er zwölf Minuten vor dem Ende zum überraschenden 2:2-Endstand für die Berliner traf. „Ich habe Duisburg viel zu verdanken, da kommt es für mich nicht in Frage, hier zu jubeln“, sagte der Spieler, der seine ersten Schritten ins Profigeschäft beim MSV gemacht hatte.
Für Hertha BSC indessen war das dritte Saisontor des Stürmers enorm wichtig. Der Aufstiegsaspirant sah beim Tabellen-Schlusslicht wie der Verlierer aus, ehe Wagner wenigsten einen Zähler rettete. Mit nun 15 Punkten liegt Hertha als Tabellen-Sechster weiter in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen.
Frühe Führung durch Hubnik
Dabei hatten die Berliner vor 12.177 Zuschauern einen Traumstart erwischt. Mit dem ersten Angriff gingen die Gäste in Führung. Nach einem Distanz-Freistoß von Ronny bekam der MSV den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum, Wagner steckte ihn zu Roman Hubnik durch, der den Ball vorbei an Felix Wiedwald ins Tor schob, 1:0 (3.). Die Kollegen gratulierten dem Innenverteidiger überschwänglich, Hubnik stand erstmals nach drei Spielen wieder in der Startelf.
Als wenig später Änis Ben-Hatira nach einem kurzen Antritt im Duisburger 16er sich von seinem Verteidiger löste und mit einem 14-m-Schuss den Pfosten traf, schienen einige Berliner zu denken ‚Läuft ja alles'. Tatsächlich liefen jedoch vor allem die Hausherren.
Im Wissen um ihre bedrohliche Tabellensituation kämpfte sich der MSV in die Partie. Es war weder schön, noch zwingend, was da passiert, aber der Willen war nicht zu übersehen.
Bei Hertha fehlten spürbar die verletzten Vorkämpfer Maik Franz und Peter Niemeyer. Minute für Minute verloren die Gäste an Boden. Eine erste MSV-Chance verpasste Andre Hoffmann, der eine Flanke von Sdrjan Baljak verfehlte (15.). Es folgten zwei knifflige Situationen, in denen das Stadion lautstark Elfmeter forderte. Doch Hubnik spitzelte dem Ex-Herthaner Valeri Domovchiyski den Ball regelgerecht vom Fuß (26.). Fabian Holland sprang der Ball an die Schulter, nicht an die Hand (28.).
Neues Verletzungspech bei Hertha
Dann ereilte Hertha erneut das Verletzungspech. Ohne Einwirkung eines Gegenspielers blieb Felix Bastians im Rasen hängen. Frustriert schlug der gerade ins Team gerutschte Verteidiger auf den Rasen. Die erste Diagnose lautete Außenbandriss und Verdacht auf Kreuzbandriss. Somit droht Bastians eine Pause von sechs Monaten. Hertha musste umstellen. Lustenberger rückte ins Abwehrzentrum. Nico Schulz kam, wusste zunächst aber nicht wohin. Als erstes orientierte er sich auf die Zehner-Position, ehe die Kollegen ihn ins defensive Mittelfeld dirigierten.
Die Konfusion setzte sich im zweiten Durchgang fort. Der MSV hatte Mut geschöpft, Hertha fand keine Mittel, um sich zu befreien. In der 53. Minute ging es noch mal gut: Sören Brandy köpfte Zentimeter neben das Berliner Tor. 120 Sekunden später verlor zunächst Hubnik sein Kopfball-Duell gegen Goran Sukalo, Lustenberger kam gegen Baljak zu spät – unten rechts schlug der Ball im Netz ein, 1:1 (55.).
Hertha vor allem bei hohen Bällen unterlegen
Nichts war zu sehen vom Hertha-Selbstbewusstsein von zuvor vier Siegen und einem Unentschieden in Folge. Ronny ging in dem Kampfspiel unter, Ben-Hatira fand zu selten statt, Schulz hatte kaum Bindung.
Hertha mit seinen relativ kleinen Verteidigern Pekarik, Lustenberger und Holland war vor allem bei hohen Bällen unterlegen. Torwart Thomas Kraft parierte einen Kopfball von Jovanovic (64.) sowie einem Schuss aus Kurzdistanz von Maurice Exslager, den Abpraller setzte Brandy an den Pfosten (69.). Als jedoch erneut die Abstimmung in der Defensive nicht stimmte, bestrafte Baljak Hertha mit seinem zweiten Treffer, 1:2 (72.) – die Blamage drohte.
Aber einen gelungenen Spielzug hatte sich der Bundesliga-Absteiger noch aufgehoben. Ben-Hatira setzte sich auf der rechten Seite durch, Wagner machte sich in der Mitte lang und schob die Flanke ins Duisburger Tor, 2:2 (78.). „Gutes Timing, guter Flugball, das macht Sandro gut“, lobte sogar MSV-Trainer Kosta Runjaic. Auf der Tribüne wunderte sich Ingrid Luhukay, die Ehefrau des Trainers, über die Effektivität der Herthaner.
Trainer Jos Luhukay sagte: „Wir sind in der zweiten Hälfte nicht mehr ins Spiel gekommen. Die Wechsel nach dem Bastians-Ausfall haben der Mannschaft nicht gut getan. Der MSV hat sich den Punkt absolut verdient.“ Kapitän Peer Kluge beklagte „enorme Probleme bei hohen Bällen“, hofft aber auf einen Sieg im Heimspiel am Freitag gegen TSV 1860 München.
Fabian Lustenberger sagte: „Wir sind alle etwas enttäuscht, vor allem von der zweiten Halbzeit. Wir müssen uns unbedingt steigern, sonst wird es schwierig mit dem Aufstieg.“
dpa/sei


