Zweite Bundesliga

Hertha winkt gegen MSV Duisburg ein Aufstiegsplatz

In Duisburg ist für die Berliner der Sprung auf Rang zwei möglich. Trainer Luhukay warnt jedoch: Der Gegner sei nicht leicht zu schlagen.

Foto: Maja Hitij / dapd

Auf das Auswärtsspiel seines Klubs Hertha BSC gegen den MSV Duisburg angesprochen, antwortete der Trainer: „Wir dürfen uns dort nicht zu sicher sein. Ein Spaziergang wird das jedenfalls nicht.“

Markus Babbel wusste, warum er diese Warnung aussprach, damals im Frühling 2011, als er mit Hertha nur einen einzigen Punkt entfernt war von der Erfüllung seiner Mission sofortiger Wiederaufstieg in Liga eins. Es wurde das erwartet schwere Spiel gegen den damaligen Pokalfinalisten. Die Berliner gewannen an jenem Ostermontag nur durch ein Tor des kolumbianischen Angreifers Adrian Ramos knapp mit 1:0 und feierten bereits drei Spieltage vor Saisonschluss den fünften Aufstieg der Vereinsgeschichte.

Es sind also ziemlich gute Erinnerungen mit denen die Herthaner zum Auswärtsspiel am heutigen Montagabend gegen den MSV Duisburg (20.15 Uhr/Sport1 und im Liveticker von Morgenpost Online) anreisen. Und obwohl die erste Rückkehr an den Ort des Triumphes mit Blick auf die noch junge Zweitligasaison unter gänzlich anderen Vorzeichen steht, ist es erstaunlich, wie sehr sich die Aussagen von heute und damals ähneln.

Selbstbewusstes Auftreten

„Für uns wird es mental gesehen eine schwere Aufgabe“, sagte Herthas neuer Trainer Jos Luhukay vor der Partie und schob noch eine Warnung an seine Spieler nach: „Duisburg ist ein unangenehm zu spielender Gegner. Es ist kein Selbstgänger, dass alles so positiv bleibt wie zuletzt.“

Also wird es auch diesmal wieder kein Spaziergang in Duisburg. Dabei könnte man beim Anblick der Tabelle gar zu einer anderen Auffassung kommen. Denn der MSV steht seit dem ersten Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz und hat mit Oliver Reck nicht nur bereits einen Trainer in dieser Spielzeit verschlissen, sondern auch erst einen einzigen Punkt erkämpfen können. Bereits 17 Gegentreffer ließen die „Zebras“ in sieben Spielen zu und trafen nur dreimal selbst.

Dennoch warnte Jos Luhukay, der den MSV zuletzt beim 0:0 gegen den VfL Bochum beobachtete, den Gegner nicht zu unterschätzen: „Durch die Tabellensituation scheint es einfach zu sein, aber das wird es nicht“, so der Niederländer. Ihm wird kaum entgangen sein, wie selbstbewusst seine Spieler nach zuletzt 13 Punkten aus fünf Partien derzeit auftreten.

Auf Babbels Spuren

So sagte der Schweizer Fabian Lustenberger, der gegen Kaiserslautern und Dresden auf der ungewohnten Position in der Innenverteidigung überzeugte: „Ich bin froh über die kleine Serie, die wir hingelegt haben. Jetzt wollen wir sechs Punkte holen aus den nächsten beiden Spielen vor der Länderspiel-Pause.“ Luhukay tritt nun bewusst auf die Bremse: Zwar könne man nie genügend Selbstbewusstsein tanken, so der Trainer, „aber die Mannschaft wird nicht überheblich ins Spiel gehen.“

Der 49-Jährige hat bei seinem Wechsel nach Berlin zur aktuellen Saison eine ähnlich klare Aufgabenstellung bekommen, wie Markus Babbel zwei Jahre zuvor: Mit einem der teuersten Kader der Liga muss Hertha aufsteigen, um nicht in finanzielle Schwierigkeiten zu gelangen. Und nach anfänglichen Problemen sind die Berliner mit zuletzt vier Siegen und einem Remis auf einem guten Weg.

Sollte Hertha am Abend tatsächlich gewinnen, hätte der Klub nach acht Spieltagen bereits 17 Punkte auf dem Konto. Bei einem Sieg mit mehr als drei Toren Differenz würde es sogar auf den zweiten Tabellenplatz und erstmals in dieser Saison auf einem direkten Aufstiegsplatz vorrücken. Damit stünde Luhukays Mannschaft nur drei Punkte schlechter da als das Aufstiegsteam von Markus Babbel in der Saison 2010/2011, das nach dem achten Spieltag mit 20 Punkten die Tabelle der Zweiten Liga anführte.

Rückkehr zweier Herthaner

Während der Ausflug in den Ruhrpott für insgesamt sieben Hertha-Spieler, die damals in Duisburg schon dabei waren (Hubnik, Niemeyer, Lustenberger, Ramos, Schulz, Burchert und Ronny), also die Rückkehr an den Ort ihres bisher größten Erfolgs wird, kehren darüber hinaus auch zwei Profis an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Und auch sie haben dabei fast ausschließlich positive Erinnerungen.

So gelang Sandro Wagner, der erst im August von Werder Bremen nach Berlin gewechselt war, erst in Duisburg der Durchbruch im Profifußball. Vom FC Bayern München war Wagner 2008 zum MSV gekommen, erzielte dort in 36 Ligaspielen beachtliche zwölf Tore und bereitete zudem neun Treffer vor, bis ihn ein Kreuzbandriss Ende 2009 zurückwarf. „Es war eine tolle Zeit in Duisburg mit vielen Höhen und Tiefen. Sportlich und privat habe ich mich dort sehr wohl gefühlt“, sagt Wagner heute.

Nacht im Aufstiegshotel

Sein Kollege Änis Ben-Hatira war sogar zweimal im Dienste des MSV. Als der heute 24-Jährige beim Hamburger SV unter Vertrag stand, liehen ihn die Hanseaten im Februar 2009 zunächst für ein halbes Jahr und nach einer kurzzeitigen Rückholaktion erneut für ein Jahr an die Rheinländer aus.

„Ich habe mich da mit den Fans richtig gut verstanden und wurde auch schnell Publikumsliebling“, erinnert sich Ben-Hatira. Sein Klub hat sich derweil noch an etwas anderes erinnert: So übernachtet Hertha diesmal wieder im Aufstiegshotel von 2011 in Oberhausen.