Hertha BSC

Neu-Herthaner Ben Sahar ist ein israelisches Versprechen

Der Mittelfeldspieler gilt als Rohdiamant. Beim Berliner Zweitligisten Hertha muss er sich aber erst einmal hinten anstellen.

Foto: PA Photos Nigel French / picture-alliance/ dpa

Er hat für den FC Chelsea in der Premier League gespielt, für Espanyol Barcelona in der Primera Division, für AJ Auxerre in der Ligue 1. Für Hapoel Tel Aviv war er in der Champions League im Einsatz. Bei Hertha BSC jedoch befindet sich Ben Sahar im Warteschleifen-Modus. Seit neun Wochen trainiert der schnelle Mittelfeldspieler in Berlin, hat bisher aber erst acht Minuten Einsatzzeit ergattern können. „Natürlich ist man als Spieler enttäuscht und möchte öfter spielen, aber ich muss Geduld haben und auf meine Chance warten“, sagt Sahar.

Jos Luhukay pflegt mit seinen Spielern klare Ansprachen. Der Trainer lobt Sahar, sagt, dass er deutliche Fortschritte bei der Fitness gemacht habe. Luhukay verweist aber auf die Serie von zuletzt vier Siegen und einem Unentschieden: „ Wir sind in einer erfolgreichen Situation. Ben ist fleißig, gibt im Training alles. Aber er hat kaum gespielt. Da ist jetzt Geduld gefragt.“ Aber als Anhänger des Leistungsprinzips sagt er mit Blick auf Sahar und den ebenso kaum eingesetzten Elias Kachunga: „Diese Jungs müssen zeigen, dass sie besser sind als die, die spielen. Bis jetzt haben sie im Training nicht gezeigt, dass sie besser, stärker sind.“

Sahar wird seine Chance bekommen

Das ist eine klare Ansage. Aber keine, die Ben Sahar schockt. „Im Fußball geht es so schnell, die Ausschläge zwischen extrem gut oder extrem schlecht können sich in jedem Moment ändern.“ Und wie es aussieht, wird Sahar am Montag im Punktspiel beim MSV Duisburg seine Chance bekommen. Ob bereits in der Startelf oder als Einwechselspieler, da wollte sich der Trainer nicht in die Karten schauen lassen. Aber Marcel Ndjeng, der sich ebenso wie Sahar auf der rechten Außenbahn im Mittelfeld am wohlsten fühlt, konnte in den vergangenen Partien nicht recht überzeugen.

Sahar schaut trotz seiner erst 23 Jahre bereits auf eine bewegte Vita zurück. Bei einem Nachwuchsturnier in Irland überzeugte der damalige Junioren-Nationalspieler Israels die Scouts derart, dass der FC Chelsea ihn vom Fleck weg in die Nachwuchsakademie holte. Bei der U21-EM 2007 war Sahar einer der auffälligsten Spieler und wurde als eines der Top-Drei-Talente seines Jahrgangs gehandelt, weltweit. Er trainierte mit den Chelsea-Profis, freute sich über die Hilfe der Stars wie Didier Drogba oder die Förderung von Trainer Jose Mourinho.

Schaut man auf die Liste der folgenden (Leih-)Stationen, fällt auf, dass Sahar nirgends länger als sechs Monate bis ein Jahr war – bei Queens Park und Sheffield Wednesday, beim FC Portsmouth, bei De Graafschap, Espanyol Barcelona und zuletzt Auxerre. Es war immer das gleiche: Sahar, der Rohdiamant. Einer, der etwas versprach, aber noch nicht vollständig entwickelt war. Seine Reputation in der Heimat ist enorm. Sahar hat mittlerweile 30 A-Länderspiele absolviert, das israelische Parlament hat ein sogenanntes Ben-Sahar-Gesetz diskutiert. Es ging darum, ob einem Fußball-Profi im Ausland der obligatorische dreijährige Militärdienst erlassen werden kann. Am Ende wurde das Gesetz nicht verabschiedet. Weshalb Sahar jedes Mal, wenn er in Israel ist, sich pro forma bei seiner Einheit melden muss.

Sahar lobt seine Kollegen

Beruflich hat er sich trotz lukrativerer Angebote, etwa von Red Bull Salzburg, für Zweitligist Hertha BSC entschieden. Für Fußball in Österreich fühle er sich zu jung. Sein Ziel in Berlin: Er will sich endlich dauerhaft bei einem Verein durchsetzen. Doch statt des erhofften Aufschwungs muss sich Sahar erst einmal anstellen. „Ich bereue die Entscheidung für Hertha überhaupt nicht. Ich bin in einem neuen Land, bei einem neuen Verein. Die Mannschaft ist neu, der Trainer auch. Ich arbeite hart und weiß, meine Chance wird kommen.“

Sahar lobt die Kollegen, die ihn sehr gut aufgenommen hätten. Kommunikation ist kein Problem, so gut wie alle sprechen Englisch mit ihm. Manchmal liegt es auch an ihm selbst, dass der Weg zum ersten Startelf-Einsatz etwas länger wird. Nach der mäßigen Partie von Ndjeng in Kaiserslautern wäre Sahar mutmaßlich an der Reihe gewesen. Doch der Profi hatte gebeten, wegen des höchsten jüdischen Feiertags am Mittwoch gegen Dresden zu pausieren. Luhukay sagte: „Wir haben den Wunsch von Ben erfüllt, nicht dabei zu sein. Jetzt ist bei ihm Geduld gefragt.“

Der Trainer muss bei seinen Entscheidungen den ganzen Kader im Blick haben. Sahar sagt, Menschen seien verschieden. „Deshalb will ich Jos Luhukay nicht mit Jose Mourinho vergleichen.“ Aber die Vorstellung, die der Hertha-Trainer von gutem Fußball habe, „keine langen Bälle, sondern vernünftiges Aufbauspiel“, die Art, wie er mit den Spielern umgehe: „Ernsthaft, genau und ehrlich – das ist bei Luhukay wie bei Mourinho.“