Es war nicht schön, es war nicht spektakulär, aber wichtig. In einem zähen Abnutzungskampf rang Hertha BSC am Mittwochabend Dynamo Dresden mit 1:0 (1:0) nieder. Damit hält die Serie der Berliner, die nun vier Siege und ein Unentschieden aus den letzten fünf Partien geholt haben. Lohn der Arbeit: Der Hauptstadt-Klub hat sich mit nun 14 Zählern auf Platz vier vorgearbeitet und liegt punktgleich mit dem Dritten FSV Frankfurt. Der ersehnte Aufstiegsplatz ist somit greifbar nah.

Es war ein besonderes Spiel. Die Wege von Hertha und Dynamo hatten sich noch nie in einem Punktspiel gekreuzt. Trotz des frühen Termins am Mittwoch pilgerten 45.747 Zuschauer ins Olympiastadion. Für Hertha war es ein besonderes Spiel, weil sich die Herausforderungen laufend veränderten. So wurde Maik Franz am Mittwoch erfolgreich in München an der rechten Schulter operiert. Dennoch wird der Innenverteidiger je nach Genesungsprozess drei bis vier Monate ausfallen.

Seinen Platz hatte Roman Hubnik einnehmen sollen, der tschechische Nationalspieler meldete sich jedoch kurzfristig ab – hohes Fieber. So erlebte das Abwehrzentrum Fabian Lustenberger/Felix Bastians seine Uraufführung. Außerdem verzichtete Trainer Jos Luhukay in der Startelf auf Adrian Ramos, den Kolumbianer zwickte es in den Adukktoren.

Im sechsten Anlauf der Saison gelang den Hausherren erstmals, ihre Startstärke in etwas Zählbares umzusetzen. Wie in bisher jeder Partie legte Hertha rasant los. Drei Ecken binnen 90 Sekunden, Peter Niemeyer traf die Latte (3.). Nach fünf Minuten war es soweit. Ronny trat mit viel Spin einen Freistoß in den Dynamo-Strafraum, Dresdens Romain Bregerie verlängerte unfreiwillig mit dem Hinterkopf, der Ball landete im Netz, 1:0. Einmal mehr bestätigte Ronny seine derzeit überragende Form. Mit vier Toren und zwei Vorlagen ist er der beste Scorer im Team.

Die Berliner drückten weiter. Einen Wagner-Kopfball fischte Dresdens Torwart Florian Fromlowitz reaktionsschnell unten aus dem Eck, den Nachschuss setzte Änis Ben-Hatira aus zwei Metern neben das Tor (26.). Trainer Luhukay hatte den Herthaner trotz seiner nächtlichen Turbulenzen samt kurzzeitiger Festnahme nach dem Kaiserslautern-Spiel vertraut. Und wurde nicht enttäuscht.

Viele Chancen leichtfertig vergeben

Bis zur 36. Minute dauerte es, ehe die Gäste den ersten gefährlichen Angriff fuhren. Herthas rechter Außenverteidiger, Peter Pekarik, wurde von Muhamed Subasic überlaufen, doch Neu-Manndecker Bastians beförderte die Flanke mit dem Oberschenkel aus der Gefahrenzone.

Bei aller Rivalität gab es in einem Punkt Einigkeit zwischen den beiden Klub-Anhängern. Zu Beginn der zweiten Hälfte hing sowohl in der Ostkurve als auch im Gästeblock ein Banner: „Der Fußball braucht Meinungsfreiheit“. Minutenlang wurde in Wechselgesängen der DFB beschimpft, ehe das Interesse dem Geschehen auf dem Rasen zugewendet wurde.

Die Hausherren zogen sich mit der Führung im Rücken etwas zurück, aber Dynamo wusste kaum etwas mit dem so gewonnenen Raum anzufangen. Hertha stand kompakt und verlegte sich aufs Kontern. Sandro Wagner steckte den Ball zu Marcel Ndjeng durch. Der hatte nun drei freistehende Kollegen im Dresdner Strafraum, die anspielbar waren, doch Ndjeng schaufelte den Ball unbeholfen über das Tor (59.). Niemeyer köpfte im Anschluss an eine Ecke ebenso drüber (68.) wie Ben-Hatira nach einer Kluge-Flanke (71.). Nun tauchte Sturmspitze Wagner tauchte nun an der Trainer-Bank auf, forderte von Luhukay, dass Hertha sich weiter nach vorn verschieben sollte. „Mit einem zweiten Tor hätten wir das Spiel beruhigen können“, sagte der Niederländer später.

Ben-Hatira legte einen letzten energischen Antritt hin, lief einen 70-Meter-Konter, am Ende zog er den Ball mit aller Macht aufs Dresdner Tor, aber Torwart Fromlowitz klärte mit einer Fußbabwehr. Dann war Schluss für den Herthaner mit den größten Schlagzeilen der vergangenen Tage. Verabschiedet mit freundlichem Applaus von der Ostkurve ersetzt Nico Schulz den emsigen Ben-Hatira, dem am Mittwoch das Glück beim jeweils letzten Pass gefehlt hatte (78.). Die Partie indessen wogte wie gehabt dahin: Dynamo hatte reichlich Ballbesitz, aber keine Durchschlagskraft vor dem Tor. Und Hertha ging erstaunlich großzügig mit den Chancen um. Diesmal spielte Ndjeng Kluge frei, der den Ball aus sieben Metern indessen am rechten Pfosten vorbei schob (80.).

30 Dynamo-Fans festgenommen

Trainer Luhukay setzte nun ganz auf Defensive, wechselte mit Anthony Brooks (für Kluge) einen weiteren Abwehrspieler ein. In den letzten drei Minuten durfte der17-jährige Hany Mukhtar ran. lm letzten Angriff warfen die Gäste inklusive Torwart Fromlowitz alles nach vorn, Pekarik blockte den letzten Schuss der Dynamos ab. Dann herrschte große Erleichterung: Der souverän leitende Schiedsrichter Günter Perl pfiff ab und erschöpfte Herthaner bejubelten den dritten Heimsieg in Folge.

Nächster Gegner ist am kommenden Montag Schlusslicht MSV Duisburg. Der erstmalige Sprung in die Top Drei sollte dort möglich sein.

Schon lange vor Anpfiff wurden 30 Fans der Gäste wegen Landfriedensbruchs vorläufig festgenommen. Die Anhänger der Sachsen hätten kurz nach Öffnung des Stadiongeländes um 16 Uhr randaliert und Beamte attackiert. Die als sicherheitsrelevant eingeschätzte Partie stand unter der Beobachtung von rund 600 Polizisten.