Roman Hubnik hatte sein gelbes Leibchen ausgezogen. Erwartungsfroh lief sich Herthas tschechischer Nationalspieler in der Halbzeitpause gegen Kaiserslautern am vergangenen Wochenende warm, um in die Partie zu kommen.
Schließlich hatte sich sein Kollege Maik Franz gerade eine schmerzhafte Blessur an der Schulter zugezogen und es sah so aus, als sollte Hubnik für ihn einspringen. Franz aber biss auf die Zähne und Hubnik musste wieder dort Platz nehmen, wo er sich nun schon zum zweiten Mal in der aktuellen Zweitligasaison wiederfand: auf der Ersatzbank.
Doch das triste Dasein des Ergänzungsspielers ist für Roman Hubnik nun schneller beendet als erwartet. Denn Franz" Blessur in der rechten Schulter entpuppte sich am Montagabend als schwere Gelenkklippen- und Pfannenverletzung. Damit wird der Berliner Abwehrchef den Herthanern mindestens bis zum Ende der Hinrunde fehlen.
Erhöhte Polizeipräsenz beim Spiel
Bereits am heutigen Mittwoch wird der 31-Jährige in München operiert. Erst Ende 2011 hatte sich Franz ausgerechnet in Kaiserslautern einen Kreuzbandriss zugezogen und die komplette Rückrunde der vergangenen Bundesligaspielzeit verpasst. Herthas Trainer Jos Luhukay zeigte sich aufgrund des erneuten Ausfalls von Franz geschockt. Es sei „sehr tragisch für den Jungen“ und er hoffe, dass Franz „so schnell wie möglich zurückkommen kann“.
Für die Partie am heutigen Abend gegen Dynamo Dresden (17.30 Uhr, Sky und im Liveticker von Morgenpost Online), bei der etwa 10.000 bis 12.000 Dresdner Fans im Olympiastadion erwartete werden und die deshalb als sogenanntes „sicherheitsrelevantes Spiel“ mit erhöhter Polizeipräsenz gilt, muss Luhukay also wieder einmal die Abwehr umbauen. Nachdem der Niederländer zuletzt zweimal lieber den spielstärkeren Schweizer Fabian Lustenberger neben Franz im Abwehrzentrum aufbot, wird Hubnik eine neue Chance bekommen.
Damit geht Hertha im sechsten Saisonspiel bereits das vierte Mal mit einer veränderten Innenverteidigung in die Partie. Auf Hubnik wird gegen Dresden die Aufgabe zukommen, den kopfballstarken Stürmer Mickaël Poté (bereits vier Saisontore) auszuschalten, den Luhukay als „absoluten Ausnahmespieler“ bezeichnet.
Freistellung wegen Jom Kippur
Der 49-Jährige schätzt Hubnik zwar als „hervorragenden Profi“ und „starken Charakter“, doch auch ihm dürfte nicht entgangen sein, dass der Tscheche in der Vergangenheit auch für den einen oder anderen Fauxpas zu haben war. Doch viele Alternativen hat Luhukay nicht: Nachdem im Sommer Eigengewächs Sebastian Neumann (21) zum Drittligisten VfL Osnabrück abgegeben wurde, steht mit dem 19 Jahre alten John Anthony Brooks nur noch ein einziger gelernter Innenverteidiger im Herthakader.
Weil aber auch Felix Bastians sowie Kapitän Peter Niemeyer bereits in der Innenverteidigung gespielt haben, denkt man bei Hertha zumindest noch nicht darüber nach, im Winter einen neuen Abwehrspieler zu verpflichten.
Aus einem ganz anderen Grund muss Jos Luhukay gegen Dresden auf Ben Sahar verzichten. Der israelische Angreifer jüdischen Glaubens, der erst vor dieser Saison nach Berlin gewechselt war, hat den Trainer um seine Freistellung gebeten. Denn im Judentum wird an diesem Mittwoch „Jom Kippur“, der „Tag der Sühne“ gefeiert, der als „Versöhnungstag“ zwischen Gott und den Menschen als der heiligster jüdischer Feiertag gilt, an dem es gläubigen Juden verboten ist zu arbeiten.
Ben-Hatira steht im Kader
Luhukay hat dem Wunsch des israelischen Nationalspielers entsprochen und ihn aus dem Kader gestrichen: „Im Zweifel gehen solche persönlichen Dinge vor“, so Luhukay. Im Kader für die Partie gegen die Sachsen steht dafür Änis Ben-Hatira. Damit könnte der 24-Jährige erstmals nach dem nächtlichen Streit mit seiner Ex-Freundin am Sonnabend, bei dem er der 25-Jährigen das Portemonnaie entwendet haben soll und kurzzeitig von der Polizei festgenommen worden war, wieder für die Berliner auf dem Platz stehen.
Laut einem Zeitungsbericht behauptet Ben-Hatiras Ex-Freundin nun, der Hertha-Profi sei bei dem nächtlichen Disput handgreiflich geworden. Über seinen Anwalt Uwe Freyschmidt widersprach Ben-Hatira dieser Darstellung am Dienstag.


