Zweite Liga

Wie Ronnys besondere Künste Herthas Spiel beflügeln

Derzeit ist der Brasilianer Ronny Herthas bester Torschütze. Nach dem Weggang seines älteren Bruders Raffael trumpft er richtig auf.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Neulich wurde der Brasilianer Ronny gefragt, ob es zwischen ihm und seinem um ein Jahr älteren Bruder Raffael eigentlich eine Wette gebe, wer von den beiden mehr Tore in dieser Saison erzielen wird. Der 26-Jährige lächelte nur und schüttelte verlegen den Kopf.

Vielleicht pflegt Ronny ein weniger kompetitives Verhältnis zu seinem Bruder, der nach vier Jahren in Berlin im August nach Kiew transferiert wurde. Oder aber er glaubte selbst nicht daran, dass er Raffael, der in 140 Ligaspielen für Hertha immerhin 33 Treffer erzielte, die Stirn bieten könnte. Schließlich hatte er bis zur aktuellen Spielzeit gerade einmal zwei Tore für die Berliner geschossen, und dass sich das ändern sollte, war nicht zu erwarten.

Spätestens seit Sonnabend aber dürfte dem Linksfuß klar sein, dass eine Wette gegen den großen Bruder vielleicht doch eine gute Idee gewesen wäre. Beim hart umkämpften 1:1-Unentschieden gegen den 1. FC Kaiserslautern gelang Ronny bereits sein viertes Tor im sechsten Saisonspiel, während Raffael in der Ukraine bei gleich vielen Einsätzen noch kein einzige Mal getroffen hat.

„Keiner spricht mehr von Raffael“

Doch viel wichtiger als die pure Anzahl der Treffer sind die Zeitpunkte, in denen Ronny derzeit trifft: „Er schießt nicht nur Tore, sondern auch die entscheidenden für uns“, lobt Hertha-Manager Michael Preetz den Mittelfeldspieler. Wie schon bei seinem zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer gegen Paderborn zu Saisonbeginn (2:2) und dem Siegtor beim Stadtderby gegen den 1. FC Union (2:1) bedeutete auch der fulminante Linksschuss gegen die Pfälzer am vergangenen Wochenende, dass Hertha mit etwas Zählbarem nach Hause fuhr.

„Ronny ist im Moment so wichtig für uns wie nie zuvor in seiner Zeit bei Hertha“, sagt Kapitän Peter Niemeyer. Auch ihm ist nicht entgangen, dass sich der Brasilianer, der in seinen zwei Jahren in Berlin zwar durch eine hervorragende Technik, aber eben auch durch Übergewicht und ein unübersehbares Phlegma auffiel, derzeit eine Wandlung vollzieht. „Er arbeitet konzentriert und ist sehr fit. Das war in der Vergangenheit ja nicht immer der Fall“, sagt Niemeyer.

Dabei kommt Ronny derzeit auch zugute, dass ihn sein Trainer Jos Luhukay im zentralen Mittelfeld auflaufen lässt, wo er mit seiner Passsicherheit und Übersicht das Hertha-Spiel gestalten kann, während er noch unter Luhukays Vorgängern Markus Babbel, Michael Skibbe und Otto Rehhagel zumeist auf Außenpositionen zum Einsatz kam. Der Niederländer weiß, dass Ronny einer der wenigen Spieler in seinem Team ist, der das Besondere kann. Doch er weiß auch, dass der Brasilianer eine harte Führung benötigt, um sein enormes Potenzial abzurufen. So stauchte er den 26-Jährigen kürzlich beim Training zusammen, als dieser lustlos wirkte.

Setzt Luhukay weiter auf Ronny, dann könnte es dem tatsächlich gelingen, an die Popularität seines Bruders in Berlin heranzureichen. Bei Peter Niemeyer ist er zumindest schon auf einem guten Weg: „Keiner spricht mehr von Raffael. Alle sprechen nur noch von Ronny!“