Streit mit Ex-Freundin

Strafanzeige gegen Hertha-Star Ben-Hatira

Nach einem Hilferuf seiner Ex-Freundin nahm die Polizei Änis Ben-Hatira kurzzeitig fest. Angeblich habe er ihre Geldbörse gestohlen.

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Sportlich läuft es: Drei Siege, ein Unentschieden lautet die Bilanz von Hertha BSC aus den vergangenen vier Spielen. Da wollen die Ereignisse der Nacht von Sonnabend auf Sonntag so gar nicht zur gerade gefundenen Stärke passen. Änis Ben-Hatira (24) wurde kurzzeitig von der Polizei festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt. Der Profi kam bald wieder frei, muss sich aber nun mit einer Strafanzeige wegen Raubes auseinandersetzen.

Von dem, was zuvor geschehen war, gibt es unterschiedliche Versionen. Unstrittig ist, dass Ben-Hatira nach der Rückkehr aus Kaiserslautern am Abend in einem Restaurant auf seine ehemalige Freundin getroffen ist. Schon drinnen wurde es laut. Der Streit sei dann auf der Rankestraße weitergegangen. Im Internetdienst Twitter behauptet jemand, Ben-Hatira habe die 25-Jährige in seinen Wagen ziehen wollen. Das gelang nicht, als Resultat des Handgemenges habe der Hertha-Profi aber die Handtasche seiner Ex-Freundin in der Hand gehabt, die habe er aus dem Wagen ihr vor die Füße geworfen und sei mit seinem Auto sowie ihrer Geldbörse davongefahren. Deshalb werde Ben-Hatira der versuchten Entführung beschuldigt, des Raubes sowie der Körperverletzung.

Dieser Darstellung widerspricht die Polizei. Sie sei von der Ex-Freundin angerufen worden, weil Ben-Hatira mit ihrer Geldbörse davongefahren sei. Woraufhin der Fußballer gesucht und eine knappe Stunde später auf einer Tankstelle an der Westfälischen Straße festgenommen worden sei. Dort stand Ben-Hatira mit seinem Geländewagen, das gesuchte Portemonnaie lag auf dem Beifahrersitz. Laut Polizeibericht wurde dem 24-Jährigen „kurzzeitig die Freiheit entzogen“. Im Polizeigewahrsam wurden Fingerabdrücke genommen und Lichtbilder für die Akte gefertigt. Im Anschluss wurde Ben-Hatira entlassen. Er erwartet aber nun eine Strafanzeige wegen Raubes.

Preetz vermittelt Anwalt

Beim Training von Hertha BSC, dem Auslaufen, fehlte Ben-Hatira. Wegen „muskulärer Probleme“, hieß es zunächst offiziell. Der Verein veröffentlichte später eine Pressemitteilung. Darin bestätigt der Klub „einen Vorfall, in dessen Folge unser Spieler Änis Ben-Hatira kurzzeitig in polizeilichen Gewahrsam genommen wurde“. Ben-Hatira hatte noch in der Nacht seinen Arbeitgeber informiert. Manager Michael Preetz vermittelte dem Profi einen Anwalt, der den in Berlin geborenen tunesischen Nationalspieler nun vertritt. In der Hertha-Erklärung heißt es: „Soweit uns bei der Vielzahl von Details eine erste Einschätzung möglich ist, halten wir die Schilderung des Spielers für nachvollziehbar und gehen davon aus, dass sich der Vorgang zu Gunsten von Änis Ben-Hatira aufklären wird.“ Darüber hinaus werde es weder vom Verein noch vom Spieler Äußerungen zum Geschehen geben.

Nun ist Ben-Hatira nicht irgendein Profi bei Hertha. Er ist ein sogenannter „Unterschiedsspieler“, einer, der mit seiner Kreativität und seinem unorthodoxen Spiel die Gegner vor unlösbare Aufgaben stellen kann. Ben-Hatira ist aber trotz seines robusten Auftretens sensibel. In der vergangenen Saison hatte er wochenlang damit zu kämpfen, als seine Zwillingsschwester Opfer eines Überfalls an der U-Bahnstation Hermannplatz geworden war. In der Mannschaft hat er die Rolle des nach Spanien abgewanderten Patrick Ebert übernommen: Er ist Anführer der Jungen – einfach, herzlich und geradeaus.

Deshalb vertrauen die Verantwortlichen von Hertha auf die Schilderung des Vorfalls, die Ben-Hatira gegenüber Manager Preetz abgegeben hat. Seine Version macht eher den Eindruck, als sei da jemand reingelegt worden, weshalb nicht zufällig zeitgleich mit Bekanntwerden des Vorganges Paparazzi-Fotos von der Festnahme aufgetaucht seien.

Verein reagiert sensibel

Am Nachmittag veröffentlichte Uwe Freyschmidt, der Rechtsbeistand des Spielers, über Hertha BSC eine Erklärung: „Herr Ben-Hatira wird sich über seinen Anwalt zunächst nähere Informationen zum Verfahren verschaffen und beabsichtigt, die aus seiner Sicht nicht berechtigten Vorwürfe zeitnah zu entkräften.“ Zudem bedauerte Ben-Hatira „dass dieses private Angelegenheit öffentliche Aufmerksamkeit für den Klub erregt hat.“

Der Verein hat im Lauf der Zeit einige Erfahrung gesammelt im Umgang mit Schwierigkeiten, die Klubangestellte mit der Polizei hatten. Vor allem jedoch haben die Erfahrungen um Patrick Ebert Hertha sensibel gemacht, welche Auswirkungen persönliche Probleme einzelner für die gesamte Gruppe haben können.

Im März 2009 träumte Hertha als Tabellenerster von der ersten Meisterschaft seit 1931. Doch dann feierte Ebert seinen Geburtstag, was in der Nacht folgte, ging als die „Affäre Außenspiegel“ in die Hertha-Historie ein. Juristisch dauerte es mehr als zwei Jahre, ehe der Spieler einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 56.000 Euro Geldstrafe zustimmte. Unmittelbar jedoch waren die sportlichen Auswirkungen: Ohne den damals suspendierten Ebert verlor Hertha die nächsten drei Spiele. Wenige Wochen später war nicht nur die Meisterschaft verpasst, sondern auch die geld- und prestigeträchtige Champions League.

Aktuell liegt Hertha als Tabellen-Fünfter der Zweiten Liga ordentlich im Rennen um den Bundesliga-Aufstieg. Wie zu hören ist, soll Ben-Hatira heute auf dem Trainingsplatz stehen.