Landeskriminalamt

Hertha steht nach Ermittlungen zu umstrittenem Wettanbieter

„Rückfall ins Mittelalter”: Der Wettanbieter kritisiert die Ermittlungen des Landeskriminalamts Berlin gegen den Berliner Zweitligisten.

Die Meldung hat Wellen geschlagen. Morgenpost Online hat öffentlich gemacht, dass das Landeskriminalamt (LKA) gegen Hertha BSC ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Es geht um den Vorwurf, der Fußball-Zweitligist verstoße gegen den Glücksspiel-Staatsvertrag und werbe illegal mit dem österreichischen Wettanbieter Cashpoint. Es gibt eine Anzeige von Amts wegen, die mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft liegt (Aktenzeichen Az 233Js1856/12). Einzelheiten wollte das LKA zwar nicht preisgeben. Aber ein Polizeisprecher begründete die Strafanzeige so: „Nach einem Anfangsverdacht haben wir ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Jetzt muss die Staatsanwaltschaft über die nächsten Schritte entscheiden. Ermittlungsverfahren können sich immer nur gegen Personen richten, in diesem Fall sicher mit Bezug zu Hertha.“

Der Wettanbieter, dessen Vertrag mit dem Berliner Klub bis Juni 2013 läuft, sitzt in Gerasdorf bei Wien, ist aber in der Rechtsform einer Limited Company (Ltd.) in Birkirkara auf Malta registriert. Seit vorvergangener Woche verfügt das Unternehmen auch über eine Lizenz des Landes Schleswig-Holstein. Demnach darf Cashpoint, eine Tochter der Gauselmann-Gruppe, bis zum 26. August 2018 legal Wetten über das Internet anbieten.

Michael Wondra, Geschäftsführer des Wettanbieters „Cashpoint“ kritisierte die Anzeige gegen Hertha scharf. Er bezeichnete das Verfahren als Rückfall ins Mittelalter. „Es kann doch nicht sein, dass etwas, was in Kiel erlaubt ist, in der Hauptstadt verboten sein soll“, sagte Wondra. „Diese Kleinstaaterei ist mit einem modernen Staat eigentlich nicht vereinbar.“

Hier würden politische Spielchen auf dem Rücken des Vereins ausgetragen. „Dies hat Hertha nicht verdient und sollte sich als Traditionsklub auch nicht gefallen lassen“, sagte Wondra. „Wir haben auf Hertha gesetzt und werden dies auch in Zukunft mit voller Überzeugung tun.“

Das Thema Glücksspiel ist seit langem umstritten. Nach vielen Diskussionen ist in Deutschland seit dem 1. Juli ein neuer Glücksspiel-Staatsvertrag in Kraft getreten, der aber schon wieder umstritten ist. Zudem steht eine Entscheidung der Europäischen Kommission aus Brüssel aus.

Dem Klub droht hohes Zwangsgeld

Hertha BSC ist weiterhin nicht von den Ermittlungen des Landeskriminalamtes in Kenntnis gesetzt geworden. Doch Ingo Schiller, der Finanz-Geschäftsführer, sagte, dass derzeit eine Anhörung durch das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) eben wegen des Wettanbieter-Vertrages laufe. „Wir werden dort darlegen, warum wir der Meinung sind, dass der Vertrag legal ist.“

In einer ersten Runde hatte das LABO Mitte Mai ein Zwangsgeld von 50.000 Euro gegen Hertha verhängt, dieses aber nach einem Einspruch des Vereins zurückgenommen.

Der Berliner Zweitligist ist nicht der einzige Profiverein, der mit der Glücksspiel-Branche Geschäfte macht. Der FC Schalke ist Partner von „bet-at-home“, Werder Bremen, der Hamburger SV und die TSG Hoffenheim werben mit „Tipicio“, Bayern München mit „Bwin“.

Cashpoint wird ungeachtet der aktuellen Entwicklungen weiter präsent sein beim derzeit Tabellen-Sechsten der Zweiten Liga. So hat das Unternehmen im Olympiastadion eine Loge gemietet. Das nächste Heimspiel, das dort zu verfolgen sein wird, ist das am 16. September gegen den VfR Aalen. Der Wettanbieter wird weiter im Stadionmagazin werben und das Pausenprogramm mitgestalten. Die Hertha-Position bekräftigte Finanzchef Schiller: „Cashpoint ist unser Partner.“