Zweite Liga

Bei Hertha wächst das Vertrauen zwischen Team und Trainer

Der Derby-Sieg gegen Union hilft Trainer Luhukay und seiner Mannschaft, einander näher zu kommen. Spielerisch steht aber noch Arbeit bevor.

Foto: DAPD

So weit, dass sich Jos Luhukay einsam fühlen muss, ist es noch nicht. Der Niederländer kann noch immer eine ganze Menge Spieler um sich versammeln, täglich mit ihnen auf den Fußballplatz gehen und trainieren. Aber da kommt derzeit bei Hertha BSC eben doch nur die Hälfte an Leuten zusammen, die eigentlich da sein könnten. Trotz der Zweitklassigkeit sind bei Hertha einige Nationalspieler angestellt, manche Profis wiederum fallen gerade verletzt aus, da hat das Derby am Montag beim 1. FC Union deutliche Spuren hinterlassen. Alles in allem fehlen Hertha in der Länderspielpause zwölf Profis. „Das ist immer schade, sonst hätten wir noch zielgerichteter arbeiten können“, sagt Jos Luhukay.

Fast seufzt der Trainer dabei. Das Spiel gegen den Lokalrivalen bescherte nämlich nicht nur Nachwirkungen auf der Verletztenebene, das Derby darf viel mehr als wichtiger Entwicklungsschritt der Mannschaft betrachtet werden. Als großer Erfolg im ausführlichen Lernprozess, welchen Luhukay dem Kader auferlegt. Insofern wäre gerade jetzt der Zeitpunkt günstig, an der weiteren Umsetzung der Vorstellungen des Trainers zu werkeln. Nur gestaltet sich das schwierig, wenn das Personal zum großen Teil aus verschiedenen Gründen abhanden kommt.

Mancher fragte sich zuletzt schon, wohin die Wutreden von Luhukay führen sollen. Der erste verbale Rundumschlag endete mit dem Erstrunden-Pokal-Aus beim Viertligisten Worms, angekommen waren die Worte des 49-Jährigen da offenbar nicht. Vor dem Spiel gegen Union wurde es etwas überraschend wieder laut, diesmal aber mit einem anderen Effekt. „Ich wollte erreichen, dass die Ernsthaftigkeit und die Konzentration geschärft wird“, sagt der Trainer. Erreicht hat er aber noch viel mehr. Gegen Union erlebten die Spieler erstmals, dass ihre Trainingsarbeit sich auszahlt, wenn sie die Anweisungen von Luhukay genau befolgen.

Die bestehen im Wesentlichen darin, das Team von der defensiven Strategie eines schwachen Bundesliga-Protagonisten zu einem offensiv agierenden Aufstiegsfavoriten in der Zweiten Liga umzuprogrammieren. „Wir wussten vor der Saison, dass das schwer wird“, sagt der Trainer. Hertha muss nun bestimmen, wo es lang geht auf dem Platz, den Gegner zu Fehlern zwingen. Das 1:0 gegen Union, als Sandro Wagner und Änis Ben-Hatira Abwehrspieler Marc Pfertzel unter Druck setzten und Wagner anschließend die Führung erzielte, war ein Musterbeispiel für das, was der Luhukay will.

Generell erfordert diese Spielweise jedoch ein Team, das zusammenarbeitet, um in der ständigen Vorwärtsbewegung keine Lücken zu öffnen. Dazu ist viel Einsatz nötig, Geschlossenheit und Unterstützung für den anderen. „Die Mannschaft hat für mich als Kollektiv ein Spiel abgeliefert, das sehr viel Mut gibt für die nächsten Aufgaben. Wir wollen gern erfolgreich sein. Das geht nur über kollektives Verhalten der Mannschaft, das muss die Mannschaft spätestens am Montag auch selbst gespürt haben“, sagt der Niederländer.

Für das Verhältnis von Trainer und Mannschaft war das ein wichtiger Moment: Luhukay weiß nun, dass er verstanden worden ist, die Spieler erkennen die Vorzüge der neuen Anforderungen. „Was wir hinbekommen müssen ist, die Bereitschaft und den Einsatz, den die anderen uns entgegenstellen, auszugleichen. Wenn wir das schaffen, haben wir die Qualität obendrauf, um uns durchzusetzen“, erzählt Sandro Wagner. Beide Seiten fassen Vertrauen ineinander, dies wiederum ist die Basis, um erfolgreich sein zu können. „Ein Trainer muss das Vertrauen der Spieler bekommen, dann funktioniert die Mannschaft. Aber das stellt sich erst im Laufe der Zeit ein“, sagte kürzlich Felix Magath, Trainer des VfL Wolfsburg. Bei Hertha hat es über zwei Monate gedauert.

Trotzdem ist noch nicht alles wunderbar nach dem Sieg gegen Union. Spielerisch steht noch einiges an Arbeit bevor. Luhukay will nicht nur über Pressing erfolgreich sein, sondern auch über „das Kombinations- und Spielvermögen. Das ist der letzte Schritt zum Erfolg. Solche Spiele wie gegen Union bringen da Fortschritte. Ich denke, das Vertrauen ist jetzt größer. Dann können die Spieler auch schneller an ihr bestes Level kommen.“ Einfacher würden die nächsten Schritte dennoch nicht. Zunächst einmal hofft der Trainer aber, seine Nationalspieler am Mittwoch gesund zurückzubekommen.

5:0 im Testspiel

Benefiz: Hertha nutzte die Länderspielpause zu einem Testspiel in der Partnerstadt Teltow/Stahnsdorf. Auf dem Sportplatz Heinrich-Zille-Straße gewann der Zweitligist vor 1751 Zuschauern mit 5:0 (1:0) gegen den RSV Eintracht 1949. Zwar taten sich die Gäste eine Halbzeit lang schwer; erst kurz vor der Halbzeitpause gelang Sami Allagui das 1:0. Doch danach schraubte Hertha das Resultat in die erwartete Höhe. Die weiteren Treffer erzielten Nachwuchsspieler Patrick Breitkreuz, Adrian Ramos sowie der Brasilianer Ronny (2). Der Erlös der Partie ging an die Stiftung „Ernährung, Bildung und Gesundheit“.

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