Zweite Liga

Jos Luhukay läuft vor Herthas Problemen nicht davon

Die Pokal-Pleite gegen Wormatia Worms bezeichnet Hertha-Trainer Luhukay als „Blamage”. Trotzdem nervt ihn die Ungeduld.

Foto: DAPD

Jos Luhukay wurde unwillig. „Soll ich jetzt alles noch mal erzählen, was ihr seit fünf Wochen schon wisst? Das klingt doch nur wie Ausreden.“ Der Trainer von Hertha BSC stand in der brütenden Sonne. Luhukay hatte es vorher gewusst: Dass das Umfeld, die Medien und die Erwartungen in Berlin größer, umfassender und drängender sein würden als bei seinen vorangegangenen Stationen in Augsburg oder Mönchengladbach. Doch nun erlebte der Niederländer, wie sich Berlin anfühlt.

Hertha ist nur noch ein Zweitligist, es sind in der jungen Saison gerade drei Pflichtspiele absolviert. Doch selbst am Montagmorgen standen drei Kamerateams da und Vertreter von einem Dutzend Zeitungen, Radiostationen und Nachrichtenagenturen. Die Fragen an den Trainer waren: Warum die Mannschaftsteile nicht zusammenpassen? Ob die Qualität reiche? Luhukay stemmte seine Arme in die Seiten. „Das Problem ist nicht der Gegner, das Problem ist nicht der Schiedsrichter und nicht der schlechte Platz. Wir müssen es besser machen.“ Zur Pokal-Pleite, dem 1:2 bei Wormatia Worms, redete der Trainer nicht drumherum: Als Zweitligist bei einem Viertligisten zu scheitern, „das geht nicht, das ist eine Blamage“.

Als dann aber Fragen kamen, ob Luhukay an seiner Mannschaft zweifele, legte er die Stirn in Falten. Das Wichtigste sei jetzt, „dass wir an uns glauben“.

Kritik an Defensivverhalten

Nach drei sieglosen Pflichtspielen (ein Remis, zwei Niederlagen) ist der Trainer nach wie vor auf der Suche: Wie sieht die passende Innenverteidigung aus? Immerhin ist Maik Franz zurück, braucht nach seiner achtmonatigen Verletzungspause aber sicher noch diverse Spiele, ehe der Manndecker bei 100 Prozent ist. Fabian Lustenberger, der in Worms dort auflief, ist im defensiven Mittelfeld sicher besser aufgehoben als im Abwehrzentrum.

Auch die Besetzung der sogenannten Doppel-Sechs ist noch nicht gefunden. Weder in Worms noch in der Woche zuvor stimmte die taktische Abstimmung zwischen Peter Niemeyer und Ronny. Die Hoffnungen liegen auf Peer Kluge, der nach überstandener Knöchelverletzung mittlerweile wieder im Mannschaftstraining ist.

Die Folge dieser Probleme ist: Obwohl es nur gegen Paderborn, den FSV Frankfurt und Worms ging, hat Hertha bereits sieben Gegentore kassiert. „Wir müssen in den entscheidenden Situationen viel energischer zur Sache gehen“, kritisiert Luhukay das Defensivverhalten seiner Mannschaft.

Erfolgserlebnis dringend gebraucht

Auf sechs Positionen hat der Trainer sein Team im Pokal umgestellt. So lief mit Sandro Wagner und Elias Kachunga ein komplett neuer Sturm auf, Königstransfer Sami Allagui wurde erst kurz vor Schluss eingewechselt. Die beiden Neuen mühten sich und ackerten trotz der Hitze in Rheinhessen. Unter dem Strich jedoch sagte Luhukay: „Uns fehlt die letzte Schärfe, um ein Tor zu erzwingen. Wir müssen insgesamt viel mehr Ideen haben und variabler auftreten.“ Hier tut sich vor allem Änis Ben-Hatira schwer. Er hat viele Ballkontakte, doch nur selten ergeben sich daraus sinnvolle Kombinationen.

Neben individuellen Problemen und fehlenden Automatismen zwischen den Mannschaftsteilen plagt Hertha ein weiteres Problem: die Vergangenheit. „Bei zu vielen Spielern ist zu viel Negativität im Kopf“, hat Luhukay festgestellt. Die desaströse Rückrunde mit den vielen Niederlagen und dem Abstieg stecke zu vielen Profis noch im Kopf. Weshalb die Mannschaft sich nach Rückschlägen, wie dem raschen Gegentor in Worms nach drei Minuten, schwer tut, wieder in den normalen Rhythmus zu kommen.

„Wir brauchen unbedingt ein Erfolgserlebnis“, hat Kapitän Peter Niemeyer ausgemacht.

Favorit zu sein, ist schwer

Ärgerlich wurde der Kapitän, als er gefragt wurde, ob es dem einen oder anderen Profi an der Einstellung fehle. „Ich lege für jeden Spieler meine Hand ins Feuer, dass er unbedingt will“, sagte Niemeyer. Auch der Trainer hatte genervt reagiert, als er nach dem Pokalspiel Stellung nehmen sollte, zur angeblich schlechten Körpersprache seiner Spieler. „Pffft“, sagte Luhukay. Das sei eine ernsthafte Frage, beharrte der Journalist. „Sie können fragen, ich sage nur Pffft“, antwortete der Hertha-Trainer.

Auch am Montag reichte es ihm irgendwann. „Ich verstehe die Zweifel“, sagte Luhukay, „aber ich weiß um unsere Probleme, davor laufe ich nicht weg.“

Hertha müsse einen kompletten Mentalitätswechsel hinbekommen. In der Bundesliga habe die Mannschaft meist dem Gegner die Initiative überlassen. „Und jetzt stellen sich gegen uns alle hinten rein, wir müssen über 90 Minuten die Initiative ergreifen.“ Favorit in der Zweiten Liga zu sein, sei schwer. „Aber wir schaffen das. Da habe ich keine Zweifel.“ Nur, Entwicklung braucht Zeit. Die nächste Gelegenheit für den ersten Sieg ergibt sich am Freitag, wenn es am dritten Spieltag der Zweiten Liga gegen Jahn Regensburg geht (Olympiastadion, 18 Uhr). Oder, um mit Franz zu reden: „Gegen Regensburg und dann Union wollen wir sechs Punkte.“