Es ist eine der Stammtisch-Weisheiten, die jeder Fußball-Fan kennt: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften. Nun ist die Zweitliga-Meisterschaft das Fernziel von Hertha BSC.

Doch bis zum Saisonfinale im Mai 2013 ist es noch weit, an diesem Wochenende steht gerade der zweite Spieltag der Zweiten Liga an. Dennoch wird die Defensive des Hauptstadt-Klubs gefordert sein, wenn es heute zum FSV Frankfurt geht (15.30 Uhr).

Trainer Jos Luhukay ist mit einer ungewöhnlich jungen Abwehr in die Saison gegangen: Torwart Sascha Burchert ist 22, Innenverteidiger John Brooks und Nico Schulz, der linke Verteidiger, sind erst 19. Zum Auftakt kassierten die Berliner zwei Gegentreffer beim 2:2 gegen Paderborn, ebenso wie beim letzten Testspiel, das gegen Juventus Turin 0:2 verloren ging.

Kritik wehrt der Trainer entschieden ab. „Die Vierer-Kette ist nicht das Problem, insgesamt steht sie sehr stabil“, sagte Trainer Luhukay. Er hat sich das Verhalten seiner Mannschaft in der Rückwärtsbewegung in der Video-Auswertung nochmal genau angeschaut.

Kapitän Peter Niemeyer sagte nach der Auswertung: „Grundsätzlich machen wir das in der Defensive gut. Leider haben die Gegner aber aus sehr wenigen Chancen jeweils zwei Tore gemacht.“

Pechvogel Janker wieder mit Problemen

Hertha geht es in der Abwehr so wie in fast allen Mannschaftsteilen: Die Spieler befinden sich derzeit auf sehr unterschiedlichem Niveau. So gibt Burchert den Stellvertreter für den gesperrten Stammtorwart Thomas Kraft, der erst am vierten Spieltag gegen Union wieder spielen darf.

Trainer Luhukay lobte Burchert, er habe gegen Paderborn unter schwierigen Bedingungen gut gehalten: „Es ist nicht leicht mit der Konzentration, vor allem für einen jungen Torwart, wenn er im ganzen Spiel nur einige wenige Szenen hat.“

John Anthony Brooks, gebürtiger Berliner mit amerikanischen Wurzeln, nutzte die Lücke, die Maik Franz (31) und Christoph Janker (27) derzeit lassen. Franz steht heute zwar erstmals im Kader, nach seinem Kreuzbandriss vom vergangenen Dezember braucht der Routinier aber nach wie vor noch Zeit.

Janker hat erneut Probleme mit seiner vor zehn Wochen operierte Leiste, deshalb musste er bereits vorzeitig aus dem Trainingslager im Burgenland abreisen. Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher hat nun entschieden, den Verteidiger komplett aus der Belastung zu nehmen.

Janker macht bis auf weiteres Reha. An Leistungssport ist erst wieder zu denken, wenn Herthas Pechvogel komplett schmerzfrei ist.

Luhukay will „mehr Präsenz zeigen”

Die so entstehende Vakanz in der Abwehrzentrale neben dem gesetzten Roman Hubnik hat John Brooks genutzt. „Ich freue mich, dass ich spielen kann. Ich versuche möglichst viele Einsatzzeiten zu bekommen“, sagte der 1,94 Meter große Manndecker.

Dem wuchtigen Verteidiger mit dem gepflegten Passspiel gehört die Zukunft. Er ist längst im Notizbuch von Jürgen Klinsmann notiert, dem Nationaltrainer der USA. In der kommenden Woche ist Brooks für die amerikanische U20 im Einsatz.

Unter Beobachtung steht Nico Schulz. Der linke Verteidiger zog in der Vorbereitung mit ebenso unbekümmertem wie dynamischem Spiel am erfahrenen Konkurrenten Felix Bastians vorbei. Aber in den vergangenen beiden Partien fiel jeweils ein Gegentreffer über die Seite von Schulz.

Trainer Luhukay bekannte sich zu ihm: „Es wäre brutal, ihn nach einem Fehler rauszunehmen, Nico wird in Frankfurt spielen.“ Aber der Coach mahnte: „Wir müssen in den entscheidenden Zweikämpfen mehr Präsenz zeigen.“ Zumal auch beim FSV Frankfurt zu erwarten ist, dass die Hausherren sich erstmal zurückziehen werden, um dem Favoriten aus Berlin das Leben über schnelle Konter schwer zu machen.

Thema „rechter Verteidiger” noch offen

Wie schon seit Jahren ist Hertha auf der rechten Abwehrseite dünn besetzt. Mit Marcel Ndjeng spielt dort ein Mittelfeldspieler. Janker fällt aus. Youngster Alfredo Morales (22) kommt nicht in Schwung, er kickte gestern für die U23 zum Regionalliga-Start (1:0 gegen Lok Leipzig).

Offiziell sagte Trainer Luhukay, dass Hertha in dieser Transferperiode bis August nicht daran denke, noch einen Verteidiger zu verpflichten. Wie Morgenpost Online indessen weiß, ist das Thema „rechter Verteidiger“ noch nicht endgültig ad acta gelegt.

Am Bornheimer Hang soll es jedenfalls die gleiche Defensive wie in den letzten Partien richten. Den Anspruch für das Auswärtsspiel beim FSV formuliert Kapitän Niemeyer: „Ich will die weghauen, am liebsten zu Null.“

Live dabei: Verfolgen Sie das Spiel heute beim FSV in Frankfurt auch unter www.immerhertha.de