Niederlage

Jubiläumsspiel wird Folgen haben - für Hertha und Juventus

Hertha hat gegen eine B-Mannschaft aus Italien 0:2 verloren. Juventus Turin kam ohne Stars und wird dafür weniger Gage kassieren.

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Wäre die alte Dame Hertha BSC ein Teenager, sie würde heulen. Da organisiert man eine riesige Geburtstagsparty – und dann kommen die wichtigsten Gäste nicht: die Coolen. Stattdessen kommen nur die, die in der Schule vorn sitzen, die man nur aus Pflichtgefühl eingeladen hat. Glücklicherweise ist Hertha kein Teenager, Hertha ist 120 Jahre alt. Und so quoll statt der Augen die Wut. Die Gäste von Juventus Turin hatten versprochen, auch mit den Coolen, den Stars, zu kommen. Doch sie blieben zu Hause, die Gianluigi Buffons und die Andrea Pirlos, die bei der EM Italien ins Endspiel geführt hatten.

So war das 0:2 (0:1) keine Party, wie es das Duell der Berliner mit Real Madrid im Vorjahr war. Es war ein normales Testspiel, das das Olympiastadion nicht einmal zur Hälfte füllte. Nur 32.588 Zuschauer wollten das amputierte Juventus sehen. Immerhin war es die letzte Probe vor dem Start in die Zweite Liga gegen Paderborn.

Aufstellung mit Hinweisen

Und die Aufstellung von Trainer Jos Luhukay gegen Juventus ließ schon einmal tief blicken. „Meine Elf steht“, sagte Luhukay nach der Partie und schob noch das Motto hinterher, mit dem Konrad Adenauer einst einen Wahlkampf nach dem anderen gewann: „Keine Experimente.“

Dabei wäre „Meine Zehn steht“ richtiger gewesen. Denn auf der Torwartposition ist sich Luhukay noch nicht sicher, wer in den ersten vier Spielen den gesperrten Stammkeeper Thomas Kraft ersetzen soll. Beide gegen Turin eingesetzten Torhüter – Sascha Burchert und Philip Sprint – seien an ihren Gegentoren nicht ganz unschuldig gewesen, sagte Luhukay.

Der Niederländer stellte im 4-4-2-System vor Burchert die Innenverteidiger John Anthony Brooks und Roman Hubnik auf, die Viererkette vervollständigten Marcel Ndjeng (rechts) und Nico Schulz (links). Vor dem erst 19 Jahre alten Schulz kam ein kaum Älterer zum Zug: der aus Dresden zurückgekehrte 21-jährige Marvin Knoll. Und die beiden zeigten, wie schon in vorherigen Tests, dass sie zu Recht gemeinsam wirbelten. Immer wieder setzte sich in der Anfangsviertelstunde einer von beiden durch. Immer wieder landeten die Flanken bei Sami Allagui.

Da hätten halt das „Quäntchen Glück“ und die „absolute Genauigkeit“ gefehlt, befand der Trainer. Und es ist nun einmal italienische Tradition, das gegnerische Auslassen von Chancen kalt auszunutzen. Ein schneller Abwurf, ein Pass des Ex-Leverkuseners Arturo Vidal, Angreifer Alessandro Matri umkurvt Burchert: 0:1 (19.). „Dass Juve ein Spitzenteam ist, sieht man daran, dass sie aus wenig viel machen“, sagte Kapitän Peter Niemeyer.

Doch Hertha spielte weiter nach vorn, die Richtung, die Luhukay als einzige gelten und trainieren lässt. Ndjeng flankte an die Latte des Turiner Gehäuses (32.), Niemeyer grätschte die Bälle ab, Peer Kluge verteilte die gewonnen Bälle, und vorne rannten die Neuen Allagui und Elias Kachunga den Ex-Bayern Lucio zeitweise schwindelig. Überhaupt, die vielen Neuen: Die Hertha-Formation bewies, welch großen Umbruch Manager Michael Preetz und Luhukay in diesem Sommer vollzogen haben: Mit Niemeyer und Hubnik standen nur noch zwei Stammkräfte aus der Abstiegssaison in der Anfangself.

Das änderte sich ein wenig in der zweiten Hälfte, denn Luhukay wechselte sieben Mal. Ins Tor durfte Sprint, im zentralen Mittelfeld ersetzten Fabian Lustenberger und Ronny Kapitän Niemeyer und Kluge, links durfte sich Ben Sahar dem Publikum zeigen. Auf der anderen Seite spielte nun Ramos, und es stürmten Sandro Wagner und Änis Ben-Hatira, der prompt drei Großchancen vergab. Wie auch Sahar, der den Pfosten traf (80.).

Die Viererkette tastete der Trainer bis zur 75. Minute nicht an. Weiter Abstimmen für Paderborn war das Credo, denn wenn die Italiener mal zügig gen Hertha-Tor stürmten, wirkte die Abwehr häufig zu wackelig. Das offensive Spiel mit hoch stehenden Verteidigern, das noch mit dem 0:2 von Milos Krasic bestraft wurde (90.), hat halt seinen Preis. „Wir hätten mehr verdient gehabt“, sagte Luhukay, der seine Abwehr „sehr stabil“ fand, auch die Abstimmung sei gut gewesen. Um einen höheren Verdienst hat sich mit diesem Spiel wohl auch Juventus gebracht. 500.000 Euro Antrittsgage sollte Juve laut Morgenpost-Informationen bekommen. Doch so viel wird es nun wohl nicht werden.

Vereinbarung nicht eingehalten

Finanzvorstand Ingo Schiller war dementsprechend schlecht auf die Turiner zu sprechen: „Das ist nicht der Kader, der vertraglich vereinbart war.“ Der Kontrakt beinhaltete Regeln über die Zusammensetzung des Kaders. Der HSV hatte dem FC Barcelona aus gleichem Grund zuletzt von den versprochenen 1,2 Millionen Euro ein Drittel abgezogen. Schiller hofft nun „auf eine einvernehmliche Regelung“.

Das Jubiläumsspiel wird also ein Nachspiel haben: für Juventus und die Hertha-Spieler. Denn Luhukay kündigte schon an, dass der Kader in den kommenden Tagen deutlich verkleinert wird.