Hertha BSC

Tore sind Elias Kachungas beste Argumente

Hertha BSC hat einen starken Sturm vorzuweisen. Besonders Elias Kachunga überzeugte gegen Norwich City. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Elias Kachunga hielt die Luft an. Zentimeter für Zentimeter tauchte er seine Beine in das Planschbecken. Der Inhalt: Wasser – und sehr, sehr viele Eiswürfel. Ein Eisbad, um die Muskulatur zu entspannen, eine Herausforderung für den Körper nach einer Stunde Training.

Anspannung und Entspannung – so etwa hatte es auch Jos Luhukay am Tag zuvor seinem Stürmer gesagt. „Er soll sich nicht verrückt machen und ruhig bleiben wegen der Neuen“, hatte der Trainer Kachunga mit auf den Weg gegeben. Offensichtlich hatte Luhukay die richtigen Worte gewählt. Kachunga sorgte am Sonnabend mit drei Toren quasi allein für den 3:2-Sieg des Zweitligisten gegen den Premier-League-Klub Norwich City. Es waren bereits seine Treffer drei, vier und fünf in der Vorbereitung.

Ruhe vor dem Tor

Dabei ist der 20-Jährige selbst ein Neuer, erst Ende Juni war die Leihgabe von Borussia Mönchengladbach zum Trainingsauftakt in Berlin erschienen. Da Hertha in der vergangenen Saison jedoch von einem notorischen Sturm-Problem geplagt war, legte Manager Michael Preetz nach. Am vergangenen Donnerstag nahm er innerhalb von 90 Minuten drei Stürmer unter Vertrag: Sami Allagui (26), Sandro Wagner (23) und Ben Sahar (22).

„Wir dürfen nicht blauäugig sein“, begründete Trainer Luhukay die Verpflichtungen. Er wolle gerüstet sein, für den Fall, dass Raffael (umworben von Dynamo Kiew, SSC Neapel und dem HSV) oder Adrian Ramos (bisher ohne Angebot) Hertha bis zum Ende der Transferfrist am 31. August verlassen. „Sollte das spät in der Transferperiode geschehen, welche Alternativen sind dann noch auf dem Markt?“, fragte Luhukay.

Die Sportliche Leitung hat darauf geachtet, die Offensive mit sehr unterschiedlichen Typen zu besetzen. Allagui ist ein schlitzohriger Vollstrecker. Wagner mit seinen 1,95 Metern ein wuchtiger Angreifer, der sich auch im Getümmel behaupten kann. Sahar ist ein pfeilschneller Spieler, der auf beiden Außenbahnen und im Zentrum spielen kann. Der feingliedrige Kachunga ist wieder anders: Er hat ein gutes Gefühl für den Raum. Gegen Norwich schickte Peer Kluge seinen Stürmer in die Spitze – und eiskalt schob Kachunga den Ball unter dem Torwart ins Netz. Die Ruhe vor dem Tor ist eine rare Qualität, Kachunga scheint über sie zu verfügen. Drei Schüsse verzeichnete die Statistik gegen die Engländer vom Hertha-Stürmer – und drei Tore. „Nein, die neuen Kollegen hätten ihn nicht überrascht“, sagte Kachunga. „Es war klar, dass Hertha da noch etwas tun würde. Der Verein will aufsteigen, da brauchen wir viel Qualität.“

Harter Gang

Und Hertha scheint über Überzeugungskraft zu verfügen: Red Bull Salzburg hatte mit seinem neuen Sportdirektor Ralf Rangnick sowohl Sahar als auch Allagui mit Millionen gelockt. Doch beide entschieden sich für den harten Gang durch Liga zwei.

Zählt man Marco Djuricin hinzu, ist Herthas Abteilung Attacke opulent aufgestellt. Kachunga hat den Kampf mit dem Argument aufgenommen, das immer zieht: mit Toren: „Konkurrenz belebt das Geschäft, ich versuche dem Trainer das Beste anzubieten.“

Das sieht auch Marvin Knoll so. Als er mitbekam, wie zögerlich Kachunga in das Eisbad stieg, zog der Mittelfeldspieler sein Trainingsshirt aus – und tauchte unter lautem Gejohle der Kollegen bis zu den Schultern in das eiskalte Wasser. Auch ein Argument für einen Einsatz.