Zweite Liga

Hertha im Kaufrausch - Allagui, Sahar und Wagner geholt

Vor der Abreise ins Trainingslager verstärkt sich der Zweitligist kräftig in der Offensive - mit gleich drei Neuzugänge auf einen Streich.

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Die Reisegruppe, die am Freitagmittag in Richtung Österreich aufbricht, war ohnehin schon groß. Jos Luhukay will sich in Stegersbach noch einmal ganz intensiv einen Überblick darüber verschaffen, wer bei Hertha BSC geeignet ist, die angestrebten Ziele in der Zweiten Fußballliga zu erreichen. 30 Spieler umfasste der Tross am Donnerstagmittag. Ein paar Stunden später allerdings stieg die Zahl der Profis auf 33. In schwindelerregendem Tempo präsentierten die Berliner am Abend einen Transfer nach dem anderen, wie im Kaufrausch ging es zu bei Hertha BSC.

Wobei zwei Wechsel nicht überraschend kamen, bei Sami Allagui und Ben Sahar wurde an diesem Tag mit der Unterschrift gerechnet. Sie waren für den Medizincheck angekündigt. In der Praxis von Teamarzt Dr. Ulrich Schleicher herrschte ganz schön Verkehr gestern, denn überraschend tauchte in Sandro Wagner dort noch ein dritter Stürmer auf – und erhielt ebenso einen Vertrag bei den Berlinern.

Als erstes verkündete Hertha die Anstellung von Allagui. „Sami ist sehr schnell und vor allem torgefährlich“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz, „dabei ist er nicht nur Vollstrecker, sondern auch Vorbereiter. Wir sind froh, dass er sich für uns entschieden hat.“ Es ist die wichtigste Personalie des Sommers, was sich daran ablesen lässt, dass Hertha trotz geringen finanziellen Spielraums gut 1,6 Millionen Euro für den Angreifer an den Bundesligisten FSV Mainz überweist. Für vier Jahre unterschrieb der 26-Jährige bei Hertha. Abgewickelt wurde der Transfer des Deutsch-Tunesiers auch in der Erwartung, dass der angestrebte Verkauf von Mittelfeldregisseur Raffael schon bald deutlich mehr Geld einbringen wird.

Sowohl Allagui als auch Wagner berichten von guten Gesprächen mit dem Trainer. „Hertha BSC und Berlin sind eine extrem spannende Perspektive für mich“, sagt Allagui, der in Mainz in 47 Bundesligaspielen 14 Tore erzielte und in der Offensive flexibel eingesetzt werden kann. Wagner findet: „Das Konzept von Michael Preetz und Jos Luhukay hat mich überzeugt. Klub, Stadt und Fans – das Gesamtpaket stimmt einfach!“ Wagner, in Bremen in 30 Partien fünfmal erfolgreich, ist vorrangig als Ersatz für den verletzten Pierre-Michel Lasogga (Kreuzbandriss) gedacht.

Luhukay: Perfekt verstärkt

Wagners Engagement wurde kurz nach dem von Allagui bekannt gegeben. „Sandro ist ein großer, wuchtiger Stürmer, der als Typ, aber auch als Charakter ganz hervorragend in unser Anforderungsprofil für die neue Saison passt. Mit ihm und unseren anderen Neuverpflichtungen haben wir uns perfekt verstärkt“, sagt Trainer Luhukay. Wagner, der von Werder Bremen kommt und zuletzt an den 1.FC Kaiserslautern ausgeliehen war, erhält einen Vertrag über zwei Jahre. Der Kontrakt mit Bremen lief noch bis 2013, die Ablöse soll aber nur gering sein und im unteren sechsstelligen Bereich liegen, da Werder nicht mehr mit dem 24-Jährigen plante.

Kurz nach 20 Uhr präsentierte Hertha dann auch Ben Sahar und damit den dritten, insgesamt gesehen den sechsten, Transfer innerhalb von gut einer Stunde. Allerdings war der Israeli etwas schneller gewesen und hatte seinen Wechsel schon zuvor per Twitter verbreitet. „Ich hoffe, mit mir wird Hertha wieder in die Bundesliga aufsteigen“, schreibt der 22-Jährige dort. Von seiner Vita her ist Sahar sehr interessant, sammelte er doch bereits Erfahrung in England (Chelsea, Queens Park, Sheffield), Spanien (Espanyol Barcelona) und Frankreich (Auxerre). Nun kommt er ablösefrei von Espanyol und bleibt zwei Jahre.

Für Manager Preetz ist der Stürmer kein Unbekannter. „Den Werdegang von Ben Sahar beobachte ich schon länger – er ist ein extrem schneller und in der Offensive variabler Spieler“, sagt er. Sahar hatte eine starke Offerte von RB Salzburg, entschied sich aber gegen die sportlich wenig reizvolle Aufgabe in Österreich. „Ich hatte gute Angebote aus Europa, aber ein Wechsel nach Berlin und zu Hertha BSC hat mich am meisten gereizt. Berlin ist multikulturell, Berlin ist spannend“, sagt der Angreifer, der zuletzt nach Auxerre ausgeliehen war und bislang 26 Mal für Israel gespielt hat (fünf Tore).

Große Konkurrenz im Sturm

Alle drei werden nun mit dem Klub am Freitag die Reise ins das einwöchige Trainingslager antreten. Dort dürfte dann ein großer Wettbewerb um die Plätze im Angriff ausbrechen, denn nominell hat Hertha noch sechs weitere Stürmer. Nach diesem wilden Transfertag sind es vorerst neun. Zu dieser Gruppe gehören aber auch noch Raffael und Adrian Ramos. Beide sind sehr teure Spieler und sollen nach dem Abstieg aus der Bundesliga veräußert werden. Vor allem bei Ramos gestaltet sich das jedoch schwierig.

Ganz einfach war auch der Wechsel von Allagui nicht. Denn er war abhängig davon, ob Bundesligist Mainz adäquaten Ersatz für die Offensive findet. Während Allagui in Berlin seinen Medizincheck absolvierte, wurde in Mainz Chinedu Ede vom 1.FC Union untersucht. FSV-Manager Christian Heidel hatte in Mainzer Medien erklärt, dass die Freigabe von Allagui, der einen Vertrag bis 2013 bei 05 besaß, nur erfolge, „wenn wir einen anderen Offensivspieler verpflichtet haben“. Zwar wurde Edes Verpflichtung am Donnerstag noch nicht bekannt gegeben, aber der Transfer scheint abgeschlossen, da Allagui bei Hertha andocken durfte.

Für Union ist der Wechsel des 25-jährigen Offensivspielers ein Meilenstein in der Geschichte des Zweitligisten. Etwa eine Million Euro lässt sich Mainz das Engagement von Ede kosten, noch nie ging bei den Köpenickern so viel Geld über den Tisch bei einem Transfer. Bislang war die Abgabe von John Mosquera im Winter nach China mit etwa 600.000 Euro die größte Einnahme, der Erwerb von Silvio vergangenen Sommer vom FC Zürich mit etwa 500.000 Euro die höchste Ausgabe.

Das Geld, das Union erhält für Ede, der vergangene Saison einer der Besten war, kann der Klub gut gebrauchen. Denn gesucht wird dringend nach einem Stürmer. Ein Problem, dass sich bei Hertha gestern spektakulär erledigt hat.