Zweite Liga

„Bad Boy“ Maik Franz trainiert wieder bei Hertha

Maik Franz kehrt nach sieben Monaten Pause mit der „5“ zu Hertha zurück - und die Zeiten der reinen Defensive sind offenbar vorbei.

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Maik Franz macht aus seinem Klischee Geld. Ordentlich Geld. Aber nicht für sich, sondern für einen guten Zweck. Für jede Gelbe Karte, die der Manndecker kassiert, überweist er 500 Euro an den gemeinnützigen Verein „Kinderträume“.

Doch in diesem Sommer musste Franz tricksen. In der vergangenen Saison war der Verteidiger von Hertha BSC mit dem Image des „Bad Boy“ im deutschen Profifußball auf lediglich drei Gelbe Karten gekommen. Zuwenig für die Spende, die er jener Organisation zukommen lassen will, die Träume für lebensbedrohlich erkrankte Kinder erfüllt.

Also versteigerte Franz zwei Karten für das Madonna-Konzert in Berlin in einer VIP-Loge. Mit von der Partie war Teamkollege Peter Niemeyer. Und ein Ehepaar aus Karlsruhe ersteigerte die Tickets für 1510 Euro.

„Das war ein cooler Abend und vielen Dank für die tolle Summe“, sagte Franz – doch damit soll es nun vorbei sein. Ab sofort will er sich auf herkömmliche Weise um sein Spendenaufkommen kümmern.

Nach sieben Monaten Zwangspause kehrt der 30-Jährige am heutigen Montag ins Mannschaftstraining zurück. „Wir sind froh, dass Maik wieder auf den Platz kann“, sagt Manager Michael Preetz, „er hat in der vergangenen Saison als Spieler und Typ gefehlt.“

Kreuzbandriss im Dezember 2011

Als Hertha den Bundesliga-Klassenerhalt mit einer desaströsen Rückrunde verspielte, konnte Franz nicht eingreifen. In der Hinserie hatte ihn ein Nasenbeinbruch außer Gefecht gesetzt. Anfang Dezember zog er sich einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Zu jenem Zeitpunkt lag Hertha auf Rang neun.

Der Rest ist bekannt: Dem Absturz in Liga zwei folgte ein personeller Umbruch. Hertha wollte nur einen der erfahrenen Innenverteidiger halten. Es ging um Andre Mijatovic (32) und Franz (30).

Während der ehemalige Kapitän nun für Ligakonkurrent FC Ingolstadt kickt, durfte Franz bleiben. Weil es, wie Manager Preetz sagt, „um die Philosophie vom Trainer ging und um die Budgetposition.“ Anders formuliert: Franz hat einem modifizierten Vertrag bis 2014 unterschrieben, bei dem er im Unterhaus deutlich weniger Geld verdient.

Außerdem, sagt Preetz, „ist Maik unbelastet vom Abstieg, er war in der entscheidenden Phase nicht dabei.“ Franz soll gemeinsam mit Torwart Thomas Kraft, Peter Niemeyer und Peer Kluge einer der Anführer bei der Mission Wiederaufstieg werden. Doch nach der langen Pause wartet noch einiges an Arbeit. Franz bringt zwar die Erfahrung von 192 Bundesliga- und 31 Zweitliga-Spielen mit.

Er ist auch jemand, der abseits des Feldes mit Niemeyer mal einen Abend für die Spieler samt Frauen organisiert. Doch die Akzeptanz im Profigeschäft funktioniert über Leistung auf dem Platz.

Keine großen Ansagen mehr

„Ich bin schmerzfrei und will mich Schritt für Schritt rankämpfen“, sagt Franz. Abergläubisch ist er auch. Deshalb hat er nach „der Seuchensaison mit Abstieg und Verletzungen“ seine bisherige Rückennummer 7 an Daniel Beichler abgetreten und spielt nun mit der 5. „Neue Nummer, neues Glück“, sagt er.

Trainer Luhukay weist jedoch daraufhin, dass Franz Zeit benötige, zumal die Vorbereitung bereits seit drei Wochen laufe. „Jeder Spieler, der mal verletzt war in dieser Phase, weiß das.“

Wenn Franz bisher mit der Mannschaft trainiert hat, war er von Zweikämpfen, Grätschen und Kopfbällen ausgenommen. Das wird sich nun ändern. Und Luhukay verlangt gerade von den zentralen Abwehrspielern, dass sie sich nicht auf Defensivaufgaben beschränken, sondern das eigene Angriffsspiel mit einer guten Eröffnung ankurbeln.

Bei der Frage, ob das eine Herausforderung für ihn sei, schmunzelt Franz, dessen Internet-Seite unter der Kennung www.Iron-Maik.de. läuft: „Ich habe mein Image als harter Verteidiger, werde aber unterschätzt. Ich kann mit der Kugel schon ein bisschen umgehen.“

Auf große Ansagen verzichtet Franz. „Jeder weiß um unser Ziel, das ist der Aufstieg. Ich will fit werden und wieder spielen. Aber wir sollten als Mannschaft nicht soviel reden, sondern unsere Leistung sprechen lassen.“