Relegation

Spiel gegen Düsseldorf elektrisiert nicht nur Hertha BSC

DFB-Präsident Niersbach unterstützt Fortuna, Jerome Boateng seine Ex-Kollegen in Berlin. Eins aber ist sicher - für Hertha geht es um alles.

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Ausverkauftes Olympiastadion, Livespiel in der ARD, Mehmet Scholl als Experte, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach auf der Tribüne – nein, die Rede ist nicht vom DFB-Pokalfinale am Sonnabend zwischen Meister Borussia Dortmund und Vize Bayern München.

Es stehen sich der Drittletzte der Bundesliga und der Dritte der Zweiten Liga gegenüber, Hertha BSC gegen Fortuna Düsseldorf (20.30 Uhr hier bei uns im Liveticker). Hinspiel in der Relegation – wieder einmal zeigt der Fußball seine Faszination.

Nach dem nicht mehr wirklich erwarteten 3:1-Heimsieg gegen Hoffenheim waren die Berliner am allerletzten Spieltag doch noch auf den Relegationsplatz 16 geklettert – und haben in knapp fünf Tagen die 74.500 Plätze im Olympiastadion praktisch ausverkauft.

Die Gäste aus Düsseldorf bringen allein 7000 Fans mit. Dahin ist die Lethargie, die Hertha über weite Strecken der Rückrunde verbreitet hat – der Fußball boomt.

Preetz Nachbar von Niersbach

Die Paarung elektrisiert nicht nur in den beiden beteiligten Städten. Aus München meldete sich gestern ein Ex-Herthaner zu Wort.

Jerome Boateng, Hoffnungsträger der Bayern in den Finals im DFB-Pokal sowie der Champions League, sagte: „Ich werde mir das Spiel auf jeden Fall ansehen und drücke Hertha die Daumen.

Ein Abstieg wäre für Berlin eine Katastrophe, denn dann würden beide Hauptstadt-Mannschaften nur noch in der zweiten Liga spielen.“ Der gebürtige Berliner erzählte, dass er beinahe täglich mit den ehemaligen Kollegen Ebert und Ben-Hatira telefoniert. „Beide sind sehr optimistisch, dass Hertha in der ersten Liga bleibt.“

Wolfgang Niersbach, der neue DFB-Präsident, wird sich beide Relegationsspiele im Stadion anschauen. Von Amts wegen müsste er zur Neutralität verpflichtet sein, bekennt aber: „Düsseldorf ist meine Heimatstadt. Ich bin überzeugter Düsseldorfer.“

In den Anfängen seiner Zeit als Sportjournalist verantwortete er das Stadionmagazin ‚Fortuna aktuell' und veröffentlichte 1980 die Vereinschronik „85 Jahre Fortuna Düsseldorf“.

Historische Chancen

Heute wird sich der Weg des DFB-Präsidenten mit Nachbarn von früher kreuzen. In jener Zeit wohnte Niersbach im Stadtteil Karlstadt nur ein paar Türen weiter als ein junger Fortuna-Stürmer namens Michael Preetz.

Der ist zwar ebenfalls gebürtiger Düsseldorf, sein Herz schlägt heute jedoch ausschließlich für Hertha BSC. Ungeachtet seiner Herkunft sagte Preetz: „Wir werden alles daran setzten, um erstklassig zu bleiben.“

Den Hausherren passt es, dass auf den allerletzten Metern der Saison der lange vermisste Teamgeist gefunden wurde. Nachdem die Mannschaft sich bereits in der Woche vor dem Hoffenheim-Spiel samt Frauen und Kinder zum Grillen getroffen hatte, wurde nach Erreichen der Relegation die Aktion am Sonntag im Olympiapark nochmal wiederholt.

Auch der Ablauf vor dem Hinspiel heute gegen Düsseldorf war der gleiche wie vor dem Hoffenheim-Spiel. Nach dem Abschlusstraining fuhr das Team ins Mannschaftshotel nach Sommerfeld, rund 40 Kilometer vor den Toren der Stadt.

Noch in der Wochenendausgabe vor vier Tagen war Hertha in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ beschrieben worden „als konkurrenzloser Virtuose im Verpassen historischer Chancen.“

Düsseldorf nicht im Urlaubsmodus

Entgegen dieser These – für die sich wahrlich diverse Belege finden lassen – hat Hertha die Hürde gegen Hoffenheim genommen. Gegen Düsseldorf warten nun innerhalb weniger Tage zwei weitere historische Chancen.

Aber natürlich weiß Trainer Otto Rehhagel, dass Düsseldorf anders als der vorangegangene Gegner keine Truppe ist, die schon sanft in Richtung Urlaubsmodus geschaltet hat. Es geht für beide Vereine um das große Saisonziel: Klassenerhalt für Hertha, Bundesliga-Aufstieg für Fortuna.

Gespielt wird im bekanten Europacup-Modus. Weshalb Trainer Otto Rehhagel mit Blick auf die Auswärts-Torregel sagt: „Wir dürfen keinen Treffer kassieren.“

Bleibt die Frage, wer für den Hauptstadt-Klub treffen soll. Der beste Torschütze, Pierre-Michel Lasogga, fällt wegen eines Kreuzbandrisses für sechs Monate aus.

Also wird Adrian Ramos stürmen. Der Kolumbianer leistet sich jedoch eine veritable Formkrise. Er hat (mit Ausnahme eines Doppelpacks in Mainz) im gesamten Jahr nicht getroffen.

Starke Hin-, schwache Rückserien

Was beide Gegner eint: Die Hinrunde war wesentlich stärker als die Rückserie. Hertha stand zu Weihnachten mit 20 Punkten im gesicherten Mittelfeld. Und hatte im neuen Jahr erheblich Mühe, wenigstens elf Zähler einzufahren.

Düsseldorf beendete die Hinserie als souveräner Herbstmeister mit 41 Punkten. Und schwächelte in der Rückrunde (vier Siege, 21 Zähler).

Die Fortunen zitterten sich im Unterhaus zuletzt mit zwei Unentschieden (1:1 in Fürth, 2:2 gegen Duisburg) auf den wichtigen dritten Platz. Damit scheint das Momentum für Hertha zu sprechen, da der Hoffenheim-Sieg Kräfte freigesetzt hat.

Live dabei Stimmen, Spiel, Einzelkritik – im Blog können Sie verfolgen, was heute im Olympiastadion passiert: www.immerhertha.de