Die junge Dame in Diensten der Geschäftstelle von Hertha BSC hatte es nicht leicht am Montagmorgen. Wie viele Fans sich schon Karten gekauft hätten? „Keine Ahnung“, beschied sie mit einem Achselzucken, „hier ist heute so viel los wie schon lange nicht mehr.“

Tatsächlich riss der Strom an Fans nicht ab, die sich gleich zu Wochenbeginn mit Tickets für das erste Relegationsspiel am Donnerstag gegen Fortuna Düsseldorf eindecken wollten. Eine breite Unterstützung zeichnet sich in der Stadt ab, mehr als 50.000 Tickets sind inklusive der Dauerkarten bereits in Umlauf. Endlich, meinen viele Beobachter. Herrschte über viele Wochen eine eintönige Tristesse, erwacht der Berliner Bundesligist vor den entscheidenden beiden Saisonspielen wieder zum Leben.

Das war auch der Mannschaft deutlich anzumerken. Konzentriert und mit sichtbar neuem Spaß ging sie am Montag zu Werke. Da wurde viel angefeuert, geklatscht, und trotzdem war eine gehörige Portion Aggressivität im Spiel. So, wie es sein sollte also. „Die Stimmung ist gut“, berichtete Torwart Thomas Kraft später, „der Sieg gibt uns einen Schub an Selbstvertrauen, auch wenn wir wissen, dass noch zwei schwere Spiele kommen. Wir freuen uns.“ Worte, die sicher auch die Verantwortlichen bei Hertha gerne hören.

Nicht umsonst gab es an der Seitenlinie fast so etwas wie ein Familientreffen: Da standen Manager Michael Preetz, Präsident Werner Gegenbauer und teils gar der Greenkeeper im Gespräch, zwischendurch kamen noch Trainer Otto Rehhagel und Teamleiter Nello di Martino hinzu. Die Botschaft: Hertha rückt zusammen.

Dieses Bestreben war schon beim Sieg gegen Hoffenheim am Sonnabend zu spüren gewesen. Nein, sagt Thomas Kraft, er könne nicht sagen, dass die Mannschaft in den Wochen zuvor nicht gewollt hätte. „Aber jetzt hatte wohl auch der Letzte verstanden, dass wir als Team präsent und kämpferisch sein müssen“, so der Torwart. Diese Annahme nährt die Hoffnung auf Wiederholung. Zumindest gehen sie auch beim Gegner in Düsseldorf davon aus, in Hertha auf einen euphorisierten Gegner zu treffen.

Fortuna meint: Hertha ist Favorit

„Der Erstligist ist immer der klare Favorit. Jetzt haben wir das gleiche Szenario wie in der vergangenen Saison bei Borussia Mönchengladbach. Berlin war eigentlich schon abgestiegen, hat jetzt wieder Euphorie“, sagte Manager Wolf Werner. Bei Fortuna haben sie offenbar klar die Marschroute ausgegeben, Hertha zum Favoriten zu machen – kaum ein Profi oder Verantwortlicher, der nicht darauf hinweist. Und so rollte Hertha-Kapitän Levan Kobiashvili den Ball einfach wieder zurück: „Es ist ein Vorteil für Düsseldorf, das zweite Spiel zu Hause zu haben. Aber nach unserer Rückrunde ist es uns egal. Wir müssen so spielen, dass wir am Ende in der Liga bleiben.“

Vielleicht legt Hertha ja schon am Donnerstag vor heimischem Publikum den Grundstein dafür. Kraft jedenfalls, der schon in der Vorwoche seinen Verbleib in Berlin kundgetan hatte, ließ sich zu einem wahren Liebesbekenntnis hinreißen: „Die Unterstützung der Fans ist der der Wahnsinn. Sie haben am Sonnabend eine überwältigende Leistung geboten. Ich hoffe, nein ich weiß, dass sie das noch zweimal wiederholen werden.“