Bisweilen holt einen die Vergangenheit zu einem Zeitpunkt ein, an dem man sowas gar nicht gebrauchen kann. Das ist aktuell auch im Fall von Herthas Manager Michael Preetz so. Noch ist vollkommen unklar, in welcher Liga sein Klub in der kommenden Spielzeit antreten wird – diese Entscheidung fällt an diesem Donnerstag und kommenden Dienstag in der Relegation. Dort wartet – für Preetz hätte es kaum schlimmer kommen können – ausgerechnet Fortuna Düsseldorf, der Klub seiner Heimatstadt und wo er einst seine Karriere begann. Es werden zwei Spiele, die nicht nur über Herthas, sondern auch über seine Zukunft entscheiden werden – im Abstiegsfall dürfte er seinen Job in Berlin wohl los sein. Es werden, dafür muss man kein Prophet sein, die zwei schwersten Spiele des Michael Preetz.

Im Alter von 14 Jahren war Preetz einst zur Fortuna gekommen, und gleich in seinem ersten Profijahr startete er durch. Am 2. September 1986 ermöglichte ihm Trainer Dieter Brei im Alter von 19 Jahren das Debüt in der Bundesliga. Sein erstes Tor erzielte Preetz beim 2:0 gegen Waldhof Mannheim. Tore blieben auch in den folgenden vier Jahren sein Markenzeichen in Düsseldorf – insbesondere in der Aufstiegssaison 1988/89, als er elfmal traf.

„Als gebürtiger Düsseldorfer gegen meinen Heimatverein in der Relegation zu spielen, ist eine kuriose Situation für mich. Aber das passt irgendwie zu dieser Saison“, sagte Preetz vor dem Wiedersehen. Ja, die Ansetzung habe sogar einen gewissen Reiz: „Ich kenne viele Leute und das ganze Umfeld in Düsseldorf. Die Fortuna ist ein besonderer Klub für mich.“

Prominenter Kritiker

Und als würde all das nicht schon reichen, reißt auch die Kritik an seiner Arbeit nicht ab. Kaum vergeht ein Tag, an dem nicht über seine Bilanz in den letzten drei Jahren gestritten oder zumindest debattiert würde. Die Lager scheinen sich immer mehr aufzuheizen. Jetzt meldet sich in Falko Götz auch noch ein langjähriger Ex-Trainer zu Wort, der auf Seiten der Fans noch immer hohes Ansehen genießt. Götz hat sich in den letzten Monaten, genau genommen seit seine Mission als Nationaltrainer von Vietnam im Januar scheiterte, intensiv mit seinem ehemaligen Verein auseinandergesetzt. Götz lebt in Berlin, er bezeichnet Hertha noch immer als „Herzensangelegenheit“. Als Hertha im Winter immer wieder neue Trainer suchte, liebäugelte er öffentlich mit dem Amt und ließ wissen, für Hertha habe er immer ein offenes Ohr.

Den Niedergang in der zweiten Saisonhälfte macht Götz vor allem an der Unruhe im Umfeld fest. Genau genommen: An der Schlammschlacht um die Entlassung von Markus Babbel im Dezember. Zwar vermeidet es Götz, sich auf irgendeine Seite zu stellen. Die Folgen der Entlassung aber hält er für fatal: „Am Ende gab es einen klaren Riss, besonders im menschlichen Miteinander. Man hatte das Gefühl, dass zwischen Mannschaft und den neuen Trainern nie ein gutes Verhältnis entstanden ist, im Gegenteil, dass die Spieler Babbel eher noch hinterher getrauert haben“, sagte er im „Querpass“ auf tv.berlin.

Kein Wunder, dass Preetz dieser Tage dauerhaft angespannt wirkt. Am Montag, als eigentlich alle mit guter Laune zum Training nach diesem wichtigen Sieg erschienen, betrat Preetz mit ernster Mine und dem Handy am Ohr den Platz. Gut eine Stunde stand er dann mit Präsident Werner Gegenbauer zusammen, doch einer von beiden telefonierte meistens. Das ist ihnen nun nicht zum Vorwurf zu machen, doch war bei beiden nicht einmal ein Anflug von Lächeln zu erkennen. Preetz weiß, dass ein Erfolg gegen Düsseldorf eminent wichtig ist. „Die Vergangenheit zählt nicht für die zwei Spiele. Ich bin Verantwortlicher der Hertha. Daher blende ich das aus“, sagt er.

Aber es geht ja nicht nur um ihn, sondern vielmehr um den ganzen Klub. Ein Abstieg, das ist allen bewusst, würde Hertha ganz weit zurückwerfen. Wobei Ex-Trainer Götz die Sache ohnehin anders bewertet. Er macht Preetz indirekt dafür verantwortlich, dass es soweit kommen konnte. „Der Verein war schon weiter, er war gesichert in der Bundesliga. Dann hat man nach wie vor wirtschaftliche Probleme, man hat mit Transfers daneben gehauen“, so der 50-Jährige. „Mein zweiter Kritikpunkt ist die Jugendarbeit. Man hat eine sensationelle Infrastruktur. Wenn man finanzielle Probleme hat, muss man gewährleisten, dass sich das ein oder andere Talent in der Bundesliga präsentieren können“, sagt er. Harte Worte. Die Hertha aber ausgerechnet gegen Düsseldorf widerlegen könnte. Denn: In der wegweisenden Partie gegen Hoffenheim hatte Trainer Otto Rehhagel ja sogar zwei eigene Talente aufgeboten, namentlich Fabian Holland und Fanol Perdedaj. Es ist sehr wahrscheinlich, dass beide gegen Fortuna wieder die Chance erhalten werden, sich zu profilieren. Doch unabhängig vom Ausgang der beiden Spiele, fordert Götz Veränderungen: „Es muss sich etwas ändern, sonst geht alles so weiter, und das will keiner.“ Was so nicht stimmt: Im Präsidium genießt Preetz noch einigen Rückhalt. In seiner Heimatstadt wird sich entscheiden, ob das so bleibt.

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