Großer Frust

Hertha taucht in geheimes Trainingslager unter

Rückzug und Wunden lecken: Herthas Vorbereitung auf das Spiel gegen Schalke findet an einem geheimen Ort statt.

Das Auslaufen nach dem blamablen 1:2 gegen Kaiserslautern sollte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Doch selten dürfte so viel Betrieb auf dem Trainingsgelände gewesen sein wie am Sonntag. Rund 1000 Besucher und Aktive tummelten sich im weitläufigen Olympiapark bei einem internationalen Jugendturnier.

Die Profis von Hertha BSC fielen kaum auf. Zunächst gab es eine Aussprache mit der Mannschaft in der Kabine, im Anschluss wurde einige wenige Minuten ausgejoggt. Lediglich die Torwarte trainierten etwas länger, während etwa Mittelfeldspieler Fanol Perdedaj beim Youngster-Cup vorbeischaute.

Im Anbetracht der bedrohlichen Lage hatten sich alle Geschäftsführer getroffen und im zweiten Stock der Geschäftsstelle zurückgezogen: Manager Michael Preetz, Finanz-Chef Ingo Schiller und Geschäftsstellenleiter Thomas E. Herrich.

Rechnerisch ist der Klassenerhalt für Hertha bei zwei ausstehenden Partien möglich, aber die Berliner benötigen fremde Hilfe, um am 1. FC Köln vorbeizuziehen, der derzeit auf Relegations-Rang 16 liegt. Für das letzte Auswärtsspiel der Saison greift die Führung zu außerordentlichen Methoden. So reist der blau-weiße Tross am Mittwoch, also drei Tage vor der Begegnung am Sonnabend beim FC Schalke, in ein Geheimtrainingslager.

In unguter Erinnerung ist der letzte Ausflug dieser Art. Im September 2009 hatte sich Hertha nach einer Niederlagen-Serie ebenfalls zurückgezogen, um den Teamgeist abseits des Alltages in Berlin zu stärken. Resultat: Nach desaströser Leistung war Hertha der TSG Hoffenheim 1:5 unterlegen, am Tag danach wurde Trainer Lucien Favre entlassen.

Hoffen auf Hubnik

Diesmal soll alles ganz anders werden. „Wir kennen die Ausgangslage, aber es sind noch sechs Punkte zu vergeben. Wir werden alles unternehmen, um in der Liga zu bleiben“, sagt Manager Preetz.

Ein wichtiger Termin dieser Woche steht bereits heute an. In Frankfurt/Main verhandelt das DFB-Sportgericht ab 14 Uhr über den Einspruch, den Hertha gegen eine Zwei-Spiele-Sperre für Levan Kobiashvili eingelegt hat. Der Georgier war in Leverkusen wegen eines Trikotzupfers, der als Notbremse gewertet worden war, mit einer Roten Karte vom Platz gestellt worden. Gegen Lautern hat Kobiashvili bereits pausiert, Hertha hofft auf eine Reduzierung auf eine Partie. Der Einsatz des Hertha-Kapitäns auf Schalke wäre wichtig, die Berliner haben erhebliche Personalsorgen. Außerdem hofft Hertha auf die Dienste des am Knöchel verletzten Innenverteidigers Roman Hubnik. „Wir werden diese Woche alles tun, damit Roman zum nächsten Spiel fit wird“, sagt Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher.

Wegen seiner Ampel-Karte gegen Lautern fällt mit Peter Niemeyer ein weiterer Profi aus, der im Abwehrzentrum spielen kann. Ohnehin fehlen die Verteidiger Mijatovic, Franz, Neumann und Janker.

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