Mit Hertha BSC und dem 1.FC Kaiserslautern stehen zwei ehemalige Klubs von Ex-Profi Mario Basler (262 Bundesliga-Spiele, Europameister 1996) vor dem Abstieg aus der Bundesliga. Sonnabend treffen sie im Olympiastadion aufeinander (15.30 Uhr). Im Interview mit Morgenpost Online spricht Basler über seine Zweifel an der nötigen Qualität des Hertha-Kaders für die Bundesliga, und er benennt den aus seiner Sicht Schuldigen für die Misere: Manager Michael Preetz.

Morgenpost Online: Hertha BSC wird Letzter – Herr Basler, da haben Sie sich in Ihrer „Bild“-Kolumne zu Saisonbeginn aber kräftig geirrt!

Mario Basler: Ja, ich habe mich ganz grob um einen Platz vertan… Nein, noch ist ja nichts entschieden, aber es sieht schwer nach einem Abstieg von Hertha aus.

Morgenpost Online: Dem so gut wie sicheren Absteiger 1. FC Kaiserslautern haben Sie Platz elf und eine sorgenfreie Saison prophezeit.

Basler: Ich kam 30 Kilometer vor den Toren Kaiserslauterns zur Welt, habe für diesen Verein gespielt – da werde ich einen Teufel tun und sagen: Der FCK steigt ab!

Morgenpost Online: Was lief schief in der Pfalz?

Basler: Dass die Mannschaft 20 Spiele hintereinander nicht gewinnt und derart wenige Tore schießt, konnte niemand ahnen. Deswegen steigt Lautern zu Recht ab.

Morgenpost Online: Hertha dagegen hat noch Aussicht auf Relegationsplatz 16 und den Klassenerhalt – oder ist die Mannschaft nicht besser?

Basler: Es würde mir ausdrücklich Leid tun, wenn ich Recht behalte, ich drücke Hertha von ganzem Herzen die Daumen. Berlin gehört in die Bundesliga. Aber als ich die Mannschaften durchgegangen bin, habe ich einfach erkannt, dass die Qualität dafür nicht ausreichen wird.

Morgenpost Online: Nennen Sie Namen!

Basler: Nennen Sie mir mal fünf gute Spiele von Ottl in dieser Saison! Oder Lell: Ein durchschnittlicher Spieler, der selbst nicht wissen wird, warum er mal bei Bayern München gespielt hat. Und wenn er dann bei Hertha Leistungsträger sein soll, erwarte ich da einfach mehr. Gehen wir weiter durch, Torhüter Kraft…

Morgenpost Online: …sicher Herthas Bester in dieser Saison…

Basler: …von dem ich trotzdem überzeugt bleibe, dass er kein Bundesliga-Torhüter ist. Sicher, als Torwart einer Mannschaft, in der man viel zu tun kriegt, hält man automatisch auch ein paar Bälle. Letztlich ist er aber kein Torhüter, der so viele Punkte rettet, dass du als Klub die Liga halten kannst. Und so spielt bei Hertha noch der eine oder andere Spieler, der das Format und die Qualität für die Zweite Liga hat, aber meiner Meinung nach unberechtigt in der Bundesliga spielt.

Morgenpost Online: Also treffen Sonnabend im Olympiastadion die beiden Direktabsteiger aufeinander?

Basler: Hertha hat noch eine theoretische Chance, in der Bundesliga zu bleiben. Aber wenn die nächste nicht genauso eine Katastrophensaison werden soll, müssen sich bei Hertha grundlegende Dinge verändern.

Morgenpost Online: An welche Bereiche denken Sie?

Basler: Das Präsidium wird beantworten müssen, ob es mit einem Manager weitermachen will, der nachweislich zu viele Fehler gemacht hat. Von sich aus wird dieser Michael Preetz nicht zurücktreten, weil er wahrscheinlich selbst ganz genau weiß, dass er nach einem Aus in Berlin nirgends noch mal einen Job als Manager bekommt. Deswegen klebt er an seinem Stuhl.

Morgenpost Online: Was werfen Sie Preetz konkret vor?

Basler: Es ist bezeichnend, wenn ein Klub innerhalb von zwei Jahren zweimal in die Zweite Liga muss. Dann hat Preetz einen Trainer nach dem anderen verschlissen, darunter Michael Skibbe, der Hertha in 40 Tagen 500.000 oder eine Million Euro gekostet hat. Und das alles, weil er zuvor völlig unnötig den Markus Babbel entlassen hat, den ich im Übrigen für einen sehr guten Trainer halte.

Morgenpost Online: Bei dieser Trennung ging es auch nicht um fachliche Inhalte.

Basler: Moment! Es gab keinen, ich wiederhole keinen Grund, Babbel vorzeitig zu beurlauben. Er hat einen tollen Job gemacht, Hertha stand als Aufsteiger sehr gesichert im Mittelfeld der Tabelle, er hatte die Truppe total im Griff. Es war sein gutes Recht, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Die Frage muss sich Preetz gefallen lassen: Mit welcher Begründung beurlaubt er einen erfolgreichen Trainer?

Morgenpost Online: Preetz sagt: Aufgrund von Lügenvorwürfen war die Vertrauensgrundlage zerstört.

Basler: Ich kenne Babbel sehr gut – ich glaube seinen Aussagen.

Morgenpost Online: Von seinem Nach-Nachfolger Otto Rehhagel schwärmten Sie bei dessen Amtsantritt, er sei die „Ideallösung“. Ist er Herthas einzige Hoffnung auf Rettung?

Basler: Ganz klar: Ja. So er es denn war, der diese Entscheidung getroffen hat, dann hat Michael Preetz mit dieser Personalie alles richtig gemacht. Rehhagel ist ein ganz erfahrener Mann, der den Druck auf sich zu fokussieren weiß. Nur durch ihn hat Hertha noch eine Chance auf Rettung.

Morgenpost Online: Am Saisonende kehrt Rehhagel in den Ruhestand zurück. Oder trauen Sie ihm noch mal eine komplette Saison zu?

Basler: Zuzutrauen ist Rehhagel alles. Aber ich rate ihm, es nach dieser Saison gut sein zu lassen. Erst recht, wenn Hertha in der Liga bleibt. Das wäre ein krönender Abschluss, damit hätte er etwas Vergleichbares geschafft wie damals mit Griechenlands EM-Sieg.

Morgenpost Online: Wie sieht es mit Ihren Ambitionen als Trainer aus: Sie haben – trotz Abstiegskampf – gerade bei Rot-Weiß Oberhausen verlängert. Warum?

Basler: Der Verein hat frühzeitig signalisiert, dass er mit meiner Arbeit sehr zufrieden ist. Und auch ich fühle mich wohl, aber natürlich habe ich eine Ausstiegsklausel für Erste und Zweite Liga. Die Bundesliga ist mein Ziel, das weiß auch der Verein.