Die Deutsche Fußball-Liga freut sich über einen „Quantensprung“ bei den TV-Einnahmen. Beim Hertha-Training BSC auf dem Schenkendorff-Platz war der lukrative Deal, den die Deutsche Fußball-Liga am Dienstag bekannt gab, jedoch kein Thema.
Weil die Sicht auf den 2,5 Milliarden-Euro-Kontrakt für die Zeit von 2013 bis 2017 wesentlich davon abhängt, ob der Verein in der Bundesliga spielt oder nicht. Bei Hertha BSC ist die Zukunft noch offen.
Drei Runden vor Saisonende stehen die Berliner auf Abstiegsplatz 17, einen Zähler hinter dem Relegationsrang, den derzeit der 1. FC Köln innehat. Der Saison-Endspurt ist reine Nervensache. Beim Hauptstadt-Klub wird nach allem geschaut, was Hoffnung macht. Noch drei Tage bis zum Abstiegshit gegen Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern (Sonnabend, 15.30 Uhr, Olympiastadion und hier im Liveticker von Morgenpost Online).
14 Spieler sind außer Gefecht
Am Dienstag indessen vertieften sich erst einmal die Sorgenfalten von Otto Rehhagel. Der Blick des Trainers sowie der rund 20 Trainingskiebitze ging weitgehend ins Leere.
Gerade sieben Feldspieler verloren sich auf dem weiträumigen Gelände, dazu die Torwarte Thomas Kraft, Maikel Aerts und Sascha Burchert. Stattdessen gab Herthas Presseabteilung eine Mitteilung heraus.
Demnach sind in der entscheidenden Phase des Spieljahres 14 (!) Spieler außer Gefecht. Langzeitverletzt sind Maik Franz, Fabian Lustenberger und Andre Mijatovic.
Zudem fallen aus Christoph Janker (Adduktorenprobleme), Djuricin (Knöchel), Janker (Leistenprobleme), Hubnik (Bänderanriss am Knöchel). Christian Lell, Adrian Ramos, Pierre-Michel Lasogga, Felix Bastians pausieren wegen muskulärer Probleme.
Änis Ben-Hatira hat Leistenbeschwerden, Raffael eine Prellung, Andreas Ottl eine Schleimbeutelentzündung an der Ferse und Alfredo Morales eine Wadenverletzung.
„Wir müssen gucken, dass wir gegen Lautern elf Leute zusammenbekommen“, sagte Mittelfeldspieler Peter Niemeyer. Das war als Scherz gemeint.
"Herthas beste Verpflichtung"
Die Mannschaft weiß, worum es geht. „Das ist das wichtigste Spiel überhaupt“, sagte Niemeyer, „da gibt es kein ‚hätten wir doch'. Das ist unsere letzte Chance, einen Befreiungsschlag zu landen. Samstag muss der Kessel brennen.“
Neben ihm im Medienraum saß ein Herthaner, der sich mit langem Anlauf in der Saison entschlossen hat, doch noch zum Hoffnungsträger zu werden: Tunay Torun (21).
Der legt ein ähnlich rätselhaftes Jahr hin wie Hertha insgesamt. Der gebürtige Hamburger war im vergangenen Sommer von Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach umworben. Deren Trainer Lucien Favre bezeichnete Torun „als Herthas beste Verpflichtung“.
Torun begann in Berlin stark. Aber bald war von dem Deutsch-Türken über Monate wenig zu sehen, abgesehen von einem Zwischenhoch im Winter-Trainingslager. Bei 30 Saison-Spielen stand der Stürmer nur neun Mal in der Startelf.
Doch seit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack ist Torun obenauf. Als Einwechselspieler sorgte er mit zwei Toren dafür, dass Hertha trotz Unterzahl einen Rückstand in eine zwischenzeitliche 3:2-Führung verwandelte.
„Persönlich war das schön, aber ich hätte lieber ein Tor weniger geschossen, hätten wir stattdessen gewonnen“, sagte Torun über das 3:3 in der BayArena.
Rehhagel wirbt um Hertha-Fans
Für Hertha wäre es eminent wichtig, wenn Torun und auch Ben-Hatira, ein ähnlicher Tempo-Dribbler mit Zug zum Tor, im Saison-Finale endlich Konstanz in ihre schwankenden Leistungen bekämen.
Auf die Frage, ob er gegen Kaiserslautern erwartet, in der Startelf zu stehen, gibt Torun den Teamplayer. „Natürlich möchte ich spielen, aber das entscheidet der Trainer. Wann immer ich ran darf, versuche ich der Mannschaft zu helfen.“
Gegen die „Roten Teufel“ sollen auch die Anhänger Hertha helfen. „Alle Berliner müssen uns jetzt die Daumen drücken. Ich hoffe am Samstag auf 60.000 Zuschauer“, sagte Trainer Rehhagel.
Niemeyer warb ebenfalls offensiv um die Unterstützung. „In den knapp zwei Jahren, die ich hier bin, waren Mannschaft und Fans fast immer eine Einheit. Und wenn die Fans mal ihren Unmut kundgetan haben, wie gegen Bremen – ich fand das genial.“
Die Stadionbesucher müssen sich im Übrigen keine Sorgen machen, ob Hertha im Alles-oder-nichts-Spiel gegen Lautern elf Profis aufbieten kann. Der Dienstag war der erste Trainingstag nach vorangegangener englischer Woche.
Behandlung statt Platzarbeit
Ohnehin wird zu diesem späten Zeitpunkt der Saison das Training reduziert. Entspannung statt Anspannung. Im Zweifel Behandlung beim Physiotherapeuten, statt Arbeit auf dem Platz.
Das Ziel ist am Sonnabend eine frische Mannschaft in das Schlüsselspiel zu schicken. Insofern ist damit zu rechnen, dass sich das Hertha-Lazarett spätestens morgen mirakulös leeren wird.
Fehlen wird aber Levan Kobiashvili (34). Nach seiner Roten Karte in Leverkusen hat der DFB den Kapitän für zwei Spiele gesperrt. Hertha hat Einspruch eingelegt. Über den wird mündlich vor dem DFB-Sportgericht verhandelt.


