Hertha BSC

"Gegen Kaiserslautern muss ein Sieg her"

Hertha-Manager Michael Preetz über den Saisonendspurt, mögliche Relegationsgegner und seine Befindlichkeiten im Abstiegskampf.

Michael Preetz sagt, es sei jetzt nicht die Zeit für große Analysen. Was in dieser Saison an welcher Stelle schief gelaufen ist bei Hertha BSC, möchte der Geschäftsführer nach Saisonende untersuchen – wenn der von ihm verantwortete Bundesligist dann auch hoffentlich weiterhin erstklassig spielen darf, notfalls über den Umweg der Relegationsspiele des Tabellen-16. gegen den Dritten der Zweiten Liga. Im Interview mit Morgenpost Online nimmt Preetz Stellung zum sportlichen Status quo.

Morgenpost Online: Herr Preetz, beobachtet Hertha schon mögliche Relegationsgegner?

Michael Preetz: Ich möchte vorausschicken, dass wir die Zweite Liga die gesamte Saison über im Blick haben, Mannschaften wie auch einzelne Spieler. Aber natürlich schauen wir jetzt noch genauer hin und schicken unsere Leute in der Endphase zu allen relevanten Spielen.

Morgenpost Online: Also auch zum Montagsspiel von Fortuna Düsseldorf in Dresden.

Michael Preetz: Selbstverständlich.

Morgenpost Online: Ausgerechnet Ex-Trainer Lucien Favre hat Hertha mit dem 3:0 von Mönchengladbach gegen Köln einen großen Gefallen getan: Relegationsplatz 16 bleibt in Reichweite.

Michael Preetz: Ich sehe es eher so, dass Mönchengladbach uns einen Gefallen getan hat, denn Favre schießt keine Tore. Fakt ist, dass die Borussia die Aufgabe gegen Köln sehr souverän erledigt hat und das Ergebnis für uns natürlich ein gutes war. Gerade in der Endphase der Saison sind die Ergebnisse oft unvorhersehbar. Aber diese Partie hätten die Gladbacher gut und gern auch noch höher gewinnen können.

Morgenpost Online: In jedem Fall steigert ihr Ausgang den Wert des Punktes, den Hertha sich beim 3:3 in Leverkusen erkämpft hat.

Michael Preetz: Natürlich ist das so. Bis Sonntag waren wir hin- und hergerissen. Nach dem 0:2 und dem Platzverweis standen unsere Aktien schlecht. Nach 80 Minuten hielten wir drei Punkte in Händen – und die wären mit Blick auf die Ergebnisse von Augsburg und Hamburger SV auch wichtig gewesen.

Morgenpost Online: Also überwiegt die Trauer über den verspielten Sieg den Stolz über die Willensleistung, überhaupt noch mal zurückgekommen zu sein?

Michael Preetz: Wir verbuchen den Punkt schon als Erfolg, als Ausrufezeichen in puncto Moral, in fast aussichtsloser Situation gegen einen mit Nationalspielern gespickten Gegner so zurückgekommen zu sein.

Morgenpost Online: Jetzt kommt das Aber!

Michael Preetz: Aber ich hätte mir gewünscht, dass wir von der ersten Minute an so gespielt hätten, wie wir es stattdessen erst nach dem gehaltenen Elfmeter (66. Minute; d.R.) getan haben. Gefragt sind jetzt nun mal Siege! Wir wissen: Solange wir nicht von Platz 17 wegkommen, kann die Konkurrenz spielen wie sie will.

Morgenpost Online: Sie sprechen das einmal mehr zu zögerliche Auftreten der Mannschaft zu Beginn an. Fiel die Halbzeitansprache des Trainerteams entsprechend deutlich aus?

Michael Preetz: Der Trainer hat die Jungs natürlich daran erinnert, dass wir konsequenter nach vorn spielen wollten und das auch müssen. Zumal an diesem Tag zu spüren war, dass Leverkusen verwundbar war.

Morgenpost Online: Ihre Anspannung ist auch jetzt noch spürbar. Wie entspannen Sie dieser Tage?

Michael Preetz: Im Moment ist Anspannung angesagt. Das war auch am Sonntag der Fall. Für Entspannung bleibt keine Zeit. Jeder kann die Tabelle lesen: Bei einem Kölner Sieg wären es vier Punkte zu Platz 16 gewesen. Schwierig.

Morgenpost Online: Nach vorn geblickt: Über die Bedeutung des Spiels gegen Kaiserslautern brauchen wir nicht zu sprechen. Welche Bedeutung hat es aber, dass der FCK praktisch schon abgestiegen ist – Fluch oder Segen für Berlin?

Michael Preetz: Das weiß ich nicht, und die Lage in Lautern darf für uns auch keine Rolle spielen. Wir müssen uns auf uns konzentrieren. Im eigenen Stadion fällt es uns bekanntlich schwer genug, aber: Wir müssen dieses Spiel gewinnen!

Morgenpost Online: Die Stimmung unter den Fans ist: Wenn nicht gegen den FCK – gegen wen soll Hertha dann überhaupt auf Offensive setzen?

Michael Preetz: Die Taktik legen bei uns die Trainer fest. Aber uns ist natürlich bewusst, dass zu einem Sieg mindestens ein Tor nötig ist. Insofern werden wir die Sache schon offensiv angehen. Gleichzeitig hat die englische Woche Kraft gekostet. Wir müssen auch unsere Akkus wieder aufladen, um die nötige Frische mitzubringen.

Morgenpost Online: Hand aufs Herz, Herr Preetz: Haben Sie fürs Saisonfinale vielleicht sogar Platz 15 noch im Blick?

Michael Preetz: Schritt für Schritt! Wir sind immer noch Vorletzter, die Spiele werden weniger. Zunächst geht es nur um Platz 16, die Relegation. Wenn wir dort stehen, können wir uns gegebenenfalls mit Platz 15 beschäftigen. Vorher nicht.

Morgenpost Online: Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird letztlich ein weiterer Ex-Trainer, Markus Babbel, mit Hoffenheim über Herthas Wohl oder Wehe richten.

Michael Preetz: Ja, das ist so. Aber das ist mir jetzt noch zu weit gesprungen. Gegen Hoffenheim spielen wir am 34. Spieltag, vorher gegen Kaiserslautern und auch noch auf Schalke. Die Schalker spielen eine tolle Saison sie scheinen übermächtig. Aber wir haben in Mönchengladbach und auch in Leverkusen gepunktet. Da nehmen wir uns auch für Schalke etwas vor.

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