Bevor Otto Rehhagel zum Spiel Stellung nehmen konnte, nahm er erst einmal einen tiefen Schluck Wasser aus dem Glas. Das macht er immer so, doch am Sonnabend, nach der bitteren 0:6-Niederlage gegen den FC Bayern, war es sicher auch eine Geste der Hilflosigkeit. Schließlich konnte auch der 73 Jahre alte Trainerfuchs nicht so recht beantworten, was da gerade passiert war im Olympiastadion. Versucht hat er es nach den 90 desaströsen Minuten gegen den deutschen Rekordmeister trotzdem.

Morgenpost Online: Herr Rehhagel, wie erklären Sie sich diese hohe Niederlage?

Otto Rehhagel: Es war klar, dass es eine schwierige Aufgabe wird, ich habe die Mannschaft so aufgestellt, dass wir aus einer sicheren Defensive heraus spielen. Wir wollten lange dem ersten Tor entgehen und die Fehlerquote minimieren. Ich hatte extra vor den beiden Außenspielern Arjen Robben und Franck Ribery gewarnt, dass sie uns mit Tempoläufen in Schwierigkeiten bringen. Wir wollten die Passgeber auf die Beiden zustellen, das ist uns nicht gelungen, wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Und Bayern hat natürlich eine hervorragende Qualität, die Mannschaft ist gespickt mit holländischen, französischen und deutschen Nationalspielern. Da hatten wir heute keine Chance, man braucht gegen Bayern auch jede Menge Glück.

Morgenpost Online: Was macht Sie denn zuversichtlich, dass sie noch einen Stimmungsumschwung für die letzten acht Partien der Saison erzeugen können?

Otto Rehhagel: Morgen und übermorgen müssen die Spieler die Niederlage verarbeiten. Nützt ja nichts. Wir haben verloren, müssen aber am nächsten Sonnabend in Mainz antreten. Wir sind noch nicht abgestiegen und müssen diese Chance nutzen.

Morgenpost Online: Sie haben eine Woche an der Taktik getüftelt, dabei ist herausgekommen, dass Fanol Perdedaj als Rechtsverteidiger spielt. Was war der Grund, und warum hat das nicht funktioniert?

Otto Rehhagel: Wir haben ja dann umgestellt mit Morales, aber der hat auch einen Elfmeter fabriziert. Es ist halt schwer, gegen Ribery zu spielen. Da musst du Glück haben und ihn doppeln, aber das war in vielen Situationen nicht der Fall.

Morgenpost Online: Sie haben im Vorfeld betont, man dürfe sich nicht abschlachten lassen. Warum sah es dennoch so aus?

Otto Rehhagel: Wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen. Als wir mal rein sind, hat es gleich einen Elfmeter gegeben, dann bekommen die Jungs Angst.

Morgenpost Online: Sie haben bei ihrem Antritt gesagt, sie haben nichts zu verlieren. Sind Sie noch immer dieser Überzeugung?

Otto Rehhagel: Ich bin vor allem überzeugt, dass wir den Klassenerhalt noch schaffen können. Und so lange das rechnerisch noch möglich ist, muss gefightet werden.

Morgenpost Online: Fehlt es Hertha vielleicht doch an Profis, an denen sich die Mannschaft auch mal wieder aufrichten kann?

Otto Rehhagel: Wir haben die Spieler, die wir haben, es nützt ja nichts. Es sind noch acht Spieltage, jetzt heißt es: Das Spiel gegen Mainz angehen und die Niederlage verdauen. So schwer das auch fällt. Aber auch in Mainz ist noch nichts entschieden, das wird noch dauern. Ich bin davon überzeugt, dass wir noch alle Chancen haben. Dafür werden wir kämpfen.

Aufgezeichnet von Martin Kleinemas und Daniel Stolpe