Hertha BSC

Hannover-Pleite ist dritte Skibbe-Niederlage

Auch das dritte Spiel der Berliner unter Trainer Michael Skibbe geht verloren. Hertha konnte seit neun Spielen nicht mehr gewinnen. Nach dem 0:1 gegen Hannover 96 macht sich Abstiegsangst breit.

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Der Abwärtstrend bei Hertha BSC hält an. Der Aufsteiger verlor auch gegen Hannover mit 0:1 (0:0) und kassierte damit unter seinem neuen Trainer Michael Skibbe die dritte Niederlage. Insgesamt sind die Berliner bereits seit neun Bundesliga-Begegnungen ohne Sieg. Sollte der 1. FC Kaiserslautern am Sonntag zum Abschluss 20. Spieltages gegen den 1.FC Köln gewinnen, würde der Aufsteiger sogar auf Relegationsplatz 15 abrutschen. Genau dieses Szenario hatte man mit der Verpflichtung von Skibbe verhindern wollen.

„Es war eine unglückliche Niederlage, wir hatten vor allem in der ersten Halbzeit eine ganze Anzahl von hochkarätigen Chancen. Am Ende haben wir leider durch einen Sonntagsschuss verloren“, ärgerte sich Skibbe: „Jetzt spielen wir erst mal im Pokal gegen Gladbach, da wollen wir unsere Chancen endlich nutzen.“ Die Stimmung bei Hannovers Coach Mirko Slomka konnte hingegen kaum besser sein: „Wir können ganz glücklich sein, ohne Gegentor mit drei Siegen in die Rückrunde gestartet zu sein. Heute war es jedoch schwer, Fußball zu spielen.“

Vor der Partie wehrte sich Manager Michael Preetz gegen Kritik, Hertha habe mit Michael Skibbe den verkehrten Trainer geholt. „Für uns war es wichtig, dass wir einen Trainer finden, der erfahren ist im Umgang mit jungen Spielern. Gerade jetzt, wo zwei Spieler aus der eigenen Akademie zum Einsatz kommen, glauben wir, dass Skibbe der richtige Mann ist.“ Der Trainer setzte in der wichtigen Partie gestern gegen Hannover 96 auf Alfredo Morales (21), der seine Startelf-Premiere gab, sowie auf Bundesliga-Debütant Sebastian Neumann, beides Talente, die die Hertha-Nachwuchsabteilungen durchlaufen haben. Auf der Tribüne drückten Abwehrchef Andre Mijatovic (Gelb-gesperrt), Raffael (Rot-gesperrt) sowie die verletzten Christian Lell, Christoph Janker und Maik Franz die Daumen.

Um die neuformierte Abwehr so wenig wie möglich in Verlegenheit zu bringen, rührte der Trainer im defensiven Mittelfeld Beton an. Statt der sonst üblichen Doppelsechs standen mit Andreas Ottl, Peter Niemeyer und Fabian Lustenberger gleich drei Abfangjäger in der Startelf. Lustenberger entpuppte sich als Speerspitze, mit dem Hertha die Gäste überraschte. Der laufstarke Schweizer attackierte Hannover bereits im Spielaufbau in deren eigenem Strafraum.

Aggressiv, aber ohne Kreativität

Dass es den Gastgebern ohne Raffael an spielerischer Qualität und Kreativität in der Offensive fehlt, zeigte sich auch gegen Hannover. Aber der Hauptstadt-Klub setzte das um, das Manager Preetz eine „gallige Spielweise“ nennt: Mit hohem Tempo und aggressiv ließ Hertha den Niedersachsen keine Zeit zum Luftholen. Die Berliner lauerten auf Gelegenheiten zur Balleroberung, um selbst Chancen zu erarbeiten. Die erste bot sich nach zwölf Minuten. Levan Kobiashvili setzte sich auf der linken Seite durch, Peter Niemeyer legte einen Flugkopfball hin – doch im letzten Moment klatschte Hannovers Jung-Nationaltorwart Ron-Robert Zieler den Ball nach vorn ab.

Vor der Pause nahm der Druck zu. So bereitete Pierre-Michel Lasogga mit einem 40-Meter-Solo eine Flanke von der Grundlinie vor, Patrick Ebert setzte den Kopfball aber um Zentimeter am Hannover Tor vorbei (34.). In Minute 41 jubelten die Fans bereits. Niemeyer hatte Ramos im Strafraum freigespielt, der verlud Torwart Zieler und legte den Ball quer zu Lasogga. Statt den Ball ins leere Tor zu schieben, schoss der Stürmer jedoch den Hannoveraner Avevor an, der den abprallenden Ball unmittelbar vor der Torlinie wegschlagen konnte. Über weite Strecken der ersten Hälfte konnte Hertha die in der Liga gefürchteten 96-Konter unterbinden.

Nach der Pause wurde die ohnehin zerfahrene Begegnung noch nickliger. Lustenberger teilte aus und wurde selbst mehrfach hart attackiert. Hertha konnte das Tempo der ersten Hälfte nicht mehr gehen, Hannover konnte das Spielgeschehen etwas weiter in die Berliner Hälfte verlegen. Torraum-Szenen blieben nun jedoch völlig Mangelware. Bis zur 66. Minute: Ein Pass von Hannovers Diouf erreichte Mohammed Abdellaoue. Der wurde von Roman Hubnik nicht energisch genug attackiert und zog aus 22 Metern einfach mal ab – hoch im linken Winkel schlug der Ball im Tor ein, 0:1, der elfte Saisontreffer des Marokkaners.

Platzverweis für Neumann

Und weil ein Unheil selten allein kommt: Neumann, bereits Gelb verwarnt, reißt Abdellaoue mit einem Griff an der Schulter um, Schiedsrichter Peter Sippel griff erneut in seine Tasche. Gelb-Rot nach 75 Minuten. Der Youngster schlug die Hände vors Gesicht, seinen Bundesliga-Einstand hatte er sich anders vorgestellt.

Hertha in Rückstand und in Unterzahl – nun sollten es die eingewechselten Ronny und Nikita Rukavytsya richten. Ronny sorgte mit einem weiten Freistoß für die letzte gefährliche Situation, doch Hubnik köpfte den Ball am rechten Pfosten vorbei (82.). Dann war Schluss – und Hertha muss sich ernsthaft Sorgen machen. Vor der Partie am Sonnabend in Stuttgart steht am Mittwoch noch das Pokal-Viertelfinale gegen Mönchengladbach an.

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