Michael Skibbe legte mit Hertha BSC einen glatten Fehlstart hin: 0:2 (0:1) unterlagen die Berliner mit ihrem neuen Coach zum Rückrunden-Start beim 1. FC Nürnberg. Der Hauptstadt-Klub fiel hinter die Franken auf Rang 13 zurück und wartet seit mittlerweile sieben Spielen auf einen Sieg. Damit gerät Hertha gleich zu Beginn der Skibbe-Amtszeit in unangenehme Nähe zur Abstiegszone.
„Ich bin total sauer“, sagte Mittelfeldspieler Patrick Ebert, „das war ein Gegner, der auf Augenhöhe mit uns steht, ein Mitkonkurrent im Abstiegskampf.“
Der neue Trainer begann mit einer altbekannten Formation. Skibbe entschied sich bei seinem Debüt für eine Startelf, die Vorgänger Markus Babbel auch hätte aufstellen können. Also mit Andreas Ottl und Peter Niemeyer im defensiven Mittelfeld, mit Ebert auf der rechten Außenbahn und mit Pierre-Michel Lasogga im Sturm. Allerdings resultiert die Aufstellung nicht aus dem mehrfach angekündigten Gespräch zwischen den beiden Trainern. Skibbe sagt, er habe mehrmals versucht, seinen Vorgänger anzurufen, habe Babbel aber nicht erreicht. Wie zu hören war, hat sich der im Dezember gefeuerte Coach eine neue Handy-Nummer zugelegt. So blieb es bei den beiden ohnehin fälligen Umstellungen: Ronny vertrat seinen Rot-gesperrten Bruder Raffael im zentralen Mittelfeld, und Christoph Janker den verletzten Manndecker Andre Mijatovic.
Die Berliner überließen den Hausherren bei deren 1000. Bundesliga-Spiel zunächst die Initiative. Damit wusste Nürnberg wenig anzufangen. Nur bei einem Konter geriet das Hertha-Tor in Gefahr. So leistete sich Kapitän-Vertreter Christian Lell einen bösen Patzer und verlor den Ball als letzter Mann an Daniel Didavi. Doch Torwart Thomas Kraft parierte den 18-m-Schuss des Nürnbergers (11.).
Pechvogel Hubnik fälscht ab
Weil der Klub nicht viel anzubieten hatte, wurden die Gäste aktiver. Zur ersten Torchance für den Aufsteiger legte Adrian Ramos von der Grundlinie zurück auf Peter Niemeyer, der zog aus 15 Metern ab, doch Klub-Torwart Raphael Schäfer parierte den Ball (21.). Hertha gewann an Sicherheit, kombinierte bei schwierigen nasskalten Bedingungen ordentlich. Die nächste Gelegenheit erarbeitete sich Lasogga, der den Ball aus 16 Metern über die Latte zirkelte (30.). Der Schneeregen wurde unangenehmer – und die Partie zerfahrener. Umso überraschender die Führung. Ebert wurde auf der rechten Abwehrseite ausgespielt, Ramos attackierte den ballführenden Alexander Esswein nicht rigoros, dessen 19-m-Schuss fälschte Roman Hubnik mit dem Kopf unhaltbar für Torwart Kraft ab, 0:1 (41.). Eher eine Verkettung unglücklicher Umstände als grobe Fehler, aber die Berliner lagen zurück.
Zur Pause holte Skibbe Ronny vom Platz. Da darf man staunen. Drei Wochen lang in der Vorbereitung hatte der neue Trainer den Brasilianer stark geredet. Nach langen Monaten unter Babbel, bei dem Ronny kaum eine Chance bekommen hatte, sollte er die Vertretung von Raffael übernehmen. Einiges gelang Ronny, das meiste misslang. Doch der Trainer brachte nun Änis Ben-Hatira. Was folgte, war das Erwartete: Wenn man den besten Kreativen vom Platz nimmt, fehlt es fortan an Kreativität. Ben-Hatira ging auf die Außenbahn, Ramos wurde dorthin beordert, wo seine Qualitäten am schlechtesten eingesetzt sind: ins zentrale Mittelfeld. Also griff Hertha im Breitwand-Stil an. Angriffswelle auf Angriffswelle rollte gemächlich aufs Nürnberger Tor zu. Der Klub hatte wenig Mühe, die hoch in den Strafraum getretenen Bälle rauszuköpfen.
Der Trainer ist „sehr traurig“
Pech hatte Hertha im Anschluss an eine Ecke. Hubnik köpfte an den linken Pfosten, den Abpraller von Niemeyer blockte der Nürnberger Cohn auf der Linie (66.). Eine Viertelstunde vor Schluss verabschiedete sich Skibbe von seiner Taktik. Er nahm mit Niemeyer und Lell zwei Defensive vom Platz und brachte die Offensiven Marco Djuricin und Tunay Torun. Das Risiko wurde nicht belohnt, im Gegenteil. Nürnberg erzielte nach einem Freistoß durch Dominic Maroh das 2:0 (85.).
Hubnik klebte das Pech an den Füßen. Freistehend hob der Tscheche den Ball über Nürnbergs Torwart Schäfer hinweg, aber der Ball hoppelte am Tor vorbei (89.).
Hertha kassierte in einem insgesamt schwachen Spiel die sechste Saisonniederlage. Niemeyer sagte: „Hinten standen wir ordentlich, aber nach vorn wurde es immer dünner.“ Der Neue an der Seitenlinie drückte sich zurückhaltend aus. „Ich bin sehr traurig“, sagte Skibbe. „Wir haben das Spiel besonders in der ersten Hälfte sehr gut kontrolliert, haben sauber kombiniert und defensiv – außer nach Standards – keine Probleme gehabt. In der zweiten Halbzeit hat Nürnberg mit der Führung im Rücken viel defensiver agiert, wir haben versucht, Druck aufzubauen. Es war auf dem Boden aber schwer, sich Chancen möglichst zu erspielen, freie Räume zu finden.“
Seine Spieler wählten klare Worte, hier Lell: „Die Art, wie wir verloren haben, ist ärgerlich und enttäuschend. Uns hat der letzte Biss gefehlt.“ Mit Blick auf die Tabelle sagte der Ersatz-Kapitän: „Wir müssen sehen, dass wir in die Puschen kommen. Intern sind wir uns bewusst, dass wir enormen Druck haben. Der Tabellenplatz und die Ausgangsposition haben getäuscht.“ Der Verein, der derzeit nicht durch Heimstärke glänzt, hat gegen den Hamburger SV (28. Januar) und Hannover (3. Februar) zwei Heimspiele vor der Brust.





