Interview mit Ex-Trainer

Röber hofft, dass Babbel Hertha-Coach bleibt

Kaum ein Ex-Trainer kennt Hertha BSC so gut wie Jürgen Röber. Zwischen 1996 und 2002 führte er die Berliner von der Zweiten Liga in die Champions League. Im Interview mit Morgenpost Online spricht er sich klar für den derzeitigen Coach Markus Babbel aus.

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Kaum ein ehemaliger Trainer kennt die Befindlichkeiten bei Hertha BSC so gut wie Jürgen Röber (57). 1996 übernahm er in der Zweiten Liga die Regie und führte den Klub bis 2002 – und zurück in die Fußball-Bundesliga, dann sogar in die Champions League. Es gibt also Parallelen zum aktuellen Coach Markus Babbel, der Dienstag Manager Michael Preetz Rede und Antwort stehen soll . Der „Bild“ sagte er: „Ich habe nirgends einen Vertrag unterschrieben oder zugesagt.“ Im Interview sprach Vorgänger Röber mit Morgenpost Online über den Vertragspoker.

Morgenpost Online: Herr Röber, wie erleben Sie die Diskussion um die Vertragsverlängerung von Markus Babbel ?

Jürgen Röber: Ich finde es vollkommen legitim, wie sich der Trainer verhält. Ich gehe ganz klar davon aus, dass Michael Preetz und er intern einen festen Plan haben, bereits miteinander gesprochen haben und sich nun daran halten. Ich kann kein Problem erkennen.

Morgenpost Online: Nun sieht es nach Außen hin aber anders aus, zumindest hat Babbel mit seiner Ankündigung, sich schnell zu entscheiden, Unruhe in die ganze Sache gebracht.

Jürgen Röber: Ja, da wird dann hier und da mal ein Satz gesagt. Jetzt muss man damit leben, auch wenn es nicht schön ist. Aber es ist doch so: Die beiden arbeiten jeden Tag zusammen. Ich kenne die Situation selbst, auch mit Spielern wird es doch so gemacht. In der Weihnachtspause ist einfach mehr Zeit für Gespräche und Gedanken, es ist doch nicht unnormal, dass man sich dann in Ruhe zusammensetzt. Die Zeiten jetzt sind für ihn nun mal sehr arbeitsreich. Ich verstehe Babbel, dass er langsam genervt ist. Auf der anderen Seite verstehe ich natürlich auch, dass Fans und Medien gerne wissen möchten, wie es weitergeht.

Morgenpost Online: Würde es nicht trotzdem Sinn machen, den Ablauf zu beschleunigen?

Jürgen Röber: Nein, das denke ich nicht. Nur um das Thema aus der Welt zu schaffen oder irgendeine Seite zu befriedigen – warum sollte Babbel das tun? Das wäre fast wie ein Umfallen. Sehen Sie: Es kommt ja hinzu, dass er noch ein sehr junger Trainer ist, der sich seine nächsten Schritte gut überlegen muss. Und dann sollte er das alles in München noch mit seiner Familie besprechen. Das muss man ihm doch zugestehen.

Morgenpost Online: Sie sprechen ein vermeintliches Hauptproblem an, die mangelnde Identifikation mit der Stadt. Sie selbst sind damals ins Herz der Stadt an den Potsdamer Platz gezogen. Inwieweit muss ein Hertha-Trainer in Berlin verwurzelt sein, vielleicht sogar seinen Lebensmittelpunkt hier haben?

Jürgen Röber: Ach, mir hat man das mit der Identifikation auch ab und an vorgeworfen, in Wolfsburg zum Beispiel. Natürlich ist es für einen Trainer einfacher, seine Familie in der gleichen Stadt zu haben. Aber das geht eben nicht immer. Als ich von Stuttgart nach Berlin gekommen bin, hat meine Familie auch weiter in Stuttgart gelebt, weil mein Sohn dort erst die Schule zu Ende machen wollte. Das Ganze ist doch kein Wunschkonzert, die Familie gehört doch mit dazu, danach müssen Sie sich auch als Bundesliga-Trainer richten.

Morgenpost Online: Gut, aber Babbel wohnt nun seit eineinhalb Jahren im Hotel. Noch mal, Sie dagegen haben sich eine Wohnung in der City genommen…

Jürgen Röber: …nachdem ich selbst eine ganze Weile im Hotel gelebt habe. Wenn die Dinge so laufen wie jetzt, wird immer nach irgendwelchen Fehlern oder Gründen gesucht. Ja, auch mir wurde es bei Hertha nahegelegt, in Berlin zu wohnen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, nur deshalb ist Babbel doch kein schlechterer Trainer.

Morgenpost Online: Wenn Sie Recht haben und die Gespräche wirklich noch ausstehen, ist der Ausgang vollkommen offen. Mal angenommen, Hertha müsste tatsächlich auf Trainersuche gehen – mit welchen Attributen würden Sie die freie Stelle umschreiben?

Jürgen Röber: (lacht) Nein, nein, das Spielchen mache ich jetzt sicher nicht mit. Im Gegenteil, ich denke, dass er sich am Ende für Hertha entscheidet. Ich hoffe, dass er in Berlin bleibt. Er ist ein sehr guter Trainer, hat gute Arbeit gemacht und steht mit Hertha in der Tabelle stark da. Er weiß, dass er sehr gute Bedingungen hat und dass Berlin eine tolle Stadt ist. Und das Wichtigste ist: Er passt sehr gut hierher.

Morgenpost Online: Dann muss ich Ihnen die Frage, ob Sie vielleicht zur Verfügung stünden, wohl gar nicht erst stellen?

Jürgen Röber: (lacht) Nein, wirklich nicht.

Morgenpost Online: Was wäre so abwegig an der Vorstellung?

Jürgen Röber: Das hat nichts mit Hertha zu tun. Ich habe mich grundsätzlich entschlossen, nicht mehr als Trainer zu arbeiten.

Morgenpost Online: Macht es Ihnen keinen Spaß mehr, dass Sie das so grundsätzlich sagen können?

Jürgen Röber: Wissen Sie, ich erkläre das nun beinahe täglich. Ich war 40 Jahre lang in dem Geschäft tätig, davon fast 15 Jahre ohne Unterbrechung als Trainer. Ich möchte diesen ganzen Stress nicht mehr, sondern einfach das Leben genießen. Ich reise viel, spiele Golf – kurz und gut, ich hole alles das nach, was früher zeitlich nicht möglich war. Und was ich auch nicht mehr mache, wenn ich erst 70 Jahre alt bin. (lacht)

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