Hinrunden-Endspurt

Für Hertha geht es um "Tod oder Gladiolen"

Kaiserslautern, Schalke, Hoffenheim: In den letzten drei Spielen der Hinrunde kann sich Hertha BSC ein komfortables Punktepolster erspielen - oder doch noch Richtung Abstiegszone rutschen.

Foto: picture alliance / sampics / Ste / picture alliance / sampics

Wer Maik Franz Böses will, der mag behaupten, es grätsche sich da einer gerade recht rücksichtslos in die Startelf. Schon Dienstag räumte Maik Franz im Training den Kollegen Andre Mijatovic unsanft ab. Tags darauf war Roman Hubnik mit einem heftigen Tritt an der Reihe – ausgerechnet die zwei Spieler also, die in der Hierarchie der Innenverteidiger bei Hertha BSC vor Franz angesiedelt sind. Mit Schmerzen im geprellten rechten Sprunggelenk humpelte Hubnik vorzeitig von dannen.

Jene indes, die auch den zweiten bemerkenswert intensiven Trainingstag in Folge unbeschadet überstanden hatten, marschierten recht zufrieden in die Kabine. „Es belebt die Mannschaft, wenn es zur Sache geht und auch mal kracht“, sagte Andreas Ottl. Genau dieses Feuer bräuchten sie, findet der Mittelfeldspieler; die Gier, einzelne Aktionen konsequent zu Ende zu spielen – um am Ende auch wieder mal ein Spiel zu gewinnen. Nachdem das gegen Mönchengladbach (1:2), in Freiburg (2:2) und gegen Leverkusen (3:3) zuletzt dreimal in Serie nicht geklappt hat, unternimmt Berlins Bundesligist am Wochenende in Kaiserslautern (Sonnabend, 15.30 Uhr hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) den nächsten Anlauf.

Auch der FCK hatte sich im Sommer um Ottls Dienste bemüht. „Die Anfrage war da, aber das war für mich keine Option“, sagt der frühere Münchner. Insofern ist es für ihn auch kein besonderes Spiel. Doch wo der Betzenberg gängiges Synonym ist für Kampf und Leidenschaft, könne es nur gut und zielführend sein, sagt Ottl, wenn sie sich die nötige Robustheit unter der Woche im Training aneigneten. Bei 18 Punkten hält der Aufsteiger nach 14 absolvierten Runden. Eine ordentliche Ausbeute. Trotzdem setzt Ottl das Wörtchen „nur“ vor diese Zahl. Die verspielten Zwei-Tore-Führungen gegen Freiburg und Leverkusen wirken schmerzhaft nach. „Es könnten gut und gern 22 Punkte sein“, hadert Ottl – und gemahnt sich und die Seinen umso dringlicher, in den verbleibenden drei Ligaspielen bis Weihnachten „an die Leistungsgrenze zu gehen. Wir müssen jetzt wach sein! Wir können noch ein paar Punkte einsammeln, diese Möglichkeit müssen wir am Schopfe packen.“ Also sich nicht dann und wann dem Schlendrian hingeben, sondern „über 90 Minuten Leistung abrufen“. In Kaiserslautern. Gegen Schalke. In Hoffenheim. Und natürlich auch noch einmal gegen Kaiserslautern, zu Hause im Achtelfinale des DFB-Pokals, bei diesem „schönen Highlight zum Jahresende“.

Plädoyer für Babbel

Von seinem Münchner Ex-Trainer, dessen Name ihm im Gespräch nicht über die Lippen kommt, erinnert er immerhin noch dessen gern verwendeten Spruch von „Tod oder Gladiolen“. An diesem Louis van Gaal erlebte Ottl außerdem, wie es ist, wenn ein Trainer nur noch ein befristetes Haltbarkeitsdatum hat. Soweit ist es aktuell bei Markus Babbel noch nicht. Doch könnten die Spekulationen um einen Weggang des Hertha-Trainers dazu führen, dass dessen Autorität alsbald ernsthaft Schaden nimmt. „Spekulativ, fiktiv“, findet Ottl solche Gedankenspiele noch. „Selbstverständlich“, sagt er, wünsche er sich, dass Babbel bei Hertha bleibt. „Er war mit ein Grund, weshalb ich hierher gekommen bin.“ Die Zusammenarbeit von Team und Trainer sei „gut, unsere Entwicklung als Mannschaft spricht dafür“. Das enorme Selbstvertrauen, das Babbel ausstrahle, wirke auch auf die Spieler. Und beinahe meisterlich sei Babbel in der Wahl seiner Worte vor dem Spiel oder in der Halbzeit.

Ein besonderes Thema im Kreis der Spieler sei der Eiertanz um die Zukunft ihres Übungsleiters nicht, beteuert Ottl. „Unsere Aufgabe ist es, Wochenende für Wochenende so gut wie möglich zu spielen.“ Gleichwohl ist es den Spielern auch bewusst, dass die Öffentlichkeit mit jeder Woche mehr in Unklarheit genau hinschauen wird, ob ihr schwankender Trainer die Spieler mit seinen Anweisungen noch erreicht.

>>> Lesen Sie mehr zum Thema und reden Sie mit - im Hertha BSC Blog Immer Hertha unter www.immerhertha.de