Testspiel

Hertha gelingt gegen Borsigwalde ein Schützenfest

Bestes Fußballwetter und gut gelaunte Spieler: In Borsigwalde gewann die Hertha standesgemäß 9:1. Mit Pal Dardai und Andreas „Zecke" Neuendorf kamen zwei Altstars zum Zuge. Für Trainer Markus Babbel war es "ein guter Abschluss einer anstrengenden Trainingswoche".

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Bodo Längert konnte sein Glück kaum fassen. Mit weit ausgebreiteten Armen rannte der Spieler des SC Borsigwalde in Richtung Eckfahne, setzte zu einem brasilianischen Tänzchen an. Das hatte er sich wohl bei einem Profi der Fußball-Bundesliga abgeguckt, die er sonst nur aus dem Fernsehen kennt.

Am Sonnabend aber, beim Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC, gelang ihm der Ehrentreffer für sein Team. Und als er sich dann noch das Trikot auszog und gestikulierend in Richtung Ersatzbank lief, da war klar: Der Mann hatte gerade das Tor seines Lebens geschossen.

Einzig: Es blieb der einzige Treffer für den Bezirksligisten, Hertha gewann souverän das Testspiel 9:1. Und Trainer Markus Babbel behielt Recht, er hatte zuvor den fehlenden sportlichen Stellenwert bemängelt. Wo sollte der auch herkommen bei einem solchen Klassenunterschied.

So hatte das Spiel, das nur über zweimal 35 Minuten ausgetragen wurde, eher den Charakter eines Volksfestes. Die Fans jedenfalls waren super gelaunt, ein kleiner Ronny-Fanklub machte bierselig und lautstark immer wieder auf sich aufmerksam. „Ronnyyyy“, hallte es immer wieder durch das Stadion Wittenau; Babbel hatte den Brasilianer zur Halbzeit eingewechselt. Zehn Tore, bestes Fußballwetter und gut gelaunte Spieler – es war ein schönes Fest, eines, das sehr gut in die Reihe der Kiezbesuche passte.

Auf dem Nachbarplatz durften die Kleinen ran, die Älteren übten sich beim Torwandschießen, während über die Stadionlautsprecher schon ordentlich Stimmung gemacht wurde. Da rappte ein Hertha-Fan von einem Abend im Vollsuff, er sich aber trotz Kater in der S-Bahn zum Spiel sein letztes Bier reinzieht, und überhaupt: Hertha sei seine Liebe. Da war es am Ende nur noch lustig, wie emsig der Stadionsprecher versuchte, sein Mikrophon korrekt einzustellen: „Eins, zwei, drei – Check“, war während der ersten Hälfte unablässig zu hören. Offenbar fühlte sich niemand imstande dem armen Mann zu sagen, dass sein Mikro längst lief.

So wurden die 2300 Fans Ohrenzeugen einiger lustiger Dialoge. Und sportlich? Da hatte Hertha die Partie erwartungsgemäß im Griff, obwohl Babbel einige Profis zur U23 geschickt hatte. „Weil mir lieber war, dass sie 90 statt 70 Minute spielen“, wie er sagte. So kickte auch Änis Ben-Hatira beim 0:0 gegen Meppen. Nach dem schockierenden Angriff auf seine Zwillingsschwester suchte er etwas Ablenkung und spielte ordentlich. Laut Babbel war der Einsatz unabhängig vom Überfall am Mittwochabend geplant gewesen.

So kamen beim Kiezkick gegen Borsigwalde in Pal Dardai und Andreas „Zecke“ Neuendorf noch einmal zwei Altstars zum Zuge, die das Spiel sichtlich genossen. „35 Minuten entsprechen derzeit genau meinem Konditionsprofil“, spaßte Neuendorf später. Die Tore schossen Torun, Raffael, Rukavytsya, Neuendorf (je 2) und Ebert.

„Es war das erwartet schwere Spiel gegen einen erwartet schweren Gegner“, scherzte Babbel. So recht wusste er das Spiel auch nicht einzuordnen, aber „es war ein guter Abschluss einer anstrengenden Trainingswoche“, immerhin. Und für Bodo Längert noch viel mehr. Der Abend beim SC Borsigwalde dürfte noch lang gewesen sein – und den Schützen des Ehrentreffers ganz sicher ein paar Runden Bier gekostet haben. mkl