Geschlagen und ausgeraubt

Überfall auf Ben-Hatiras Schwester schockt Hertha

Nach dem brutalen Überfall auf die Zwillingsschwester von Hertha-Spieler Änis Ben-Hatira rückte der Fußball beim Berliner Bundesligisten in den Hintergrund. Der 23-Jährige trainierte zwar, wollte sich aber nicht äußern. Der Verein bot ihm Unterstützung an.

Foto: picture alliance / sampics / Ste / picture alliance / sampics / Ste/sampics

Als Änis Ben-Hatira den Trainingsplatz verließ, hatte er an sich genau das getan, was er immer tut: Er war Bällen hinterher gerannt, hatte im Trainingspiel seine Gegenspieler ausgetrickst und auf das Tor von Thomas Kraft geschossen. Und doch war an diesem Tag alles anders, denn seine Wut dürfte der Angreifer in Diensten von Hertha BSC wohl trotz 90 anstrengender Minuten nicht losgeworden sein. Denn, so wurde am Freitag bekannt, am Mittwochabend war seine Zwillingsschwester am U-Bahnhof Hermannplatz in Neukölln zusammengeschlagen und ausgeraubt worden . Ein Verdacht auf Kieferbruch bestätigte sich zum Glück nicht, trotzdem musste die 23-Jährige die Nacht im Krankenhaus verbringen.

Ben-Hatira selbst wollte sich nicht äußern, dafür tat dies nach der Einheit aber ein sichtlich geknickter Markus Babbel. „Der Vorfall macht mich sehr betroffen“, sagte der Trainer, der seinem Schützling freigestellt hatte, am Training teilzunehmen. „Sonst liest man von solchen Dingen immer nur in der Zeitung, jetzt erlebt man es hautnah mit. Das ist alles nicht nachvollziehbar“, meinte Babbel. Der Verein werde sich jetzt umfassend um die Familie kümmern, und, so Babbel weiter, es wäre schön, „wenn wir dazu beitragen könnten, die Täter zu schnappen.“ Manager Michael Preetz sagte: „Wir sind alle geschockt und wünschen seiner Schwester gute Genesung.“

Ereignisarmes Berliner Fußballwochenende

Der einzige Trost für Ben-Hatira ist vielleicht, dass der Vorfall in eine Zeit fällt, in der er sich durchaus eine kleine Auszeit nehmen könnte. Im Berliner Profi-Fußball ist an diesem Wochenende einfach gar nichts los, der Fokus liegt natürlich auf der Nationalmannschaft. Sieht man von Herthas Auftritt am Sonnabend bei der nächsten Station auf der „Kieztour“ im Stadion Wittenau ab.

Um 12 Uhr geht es los mit einem bunten Rahmenprogramm, bevor der Fußball-Bundesligist um 14 Uhr erstmals bei einem solchen Anlass in einem Trainingsspiel antritt, in diesem Fall gegen den SC Borsigwalde aus der Bezirksliga. Ein Spiel, das laut Babbel „sportlich überhaupt keinen Stellenwert“ besitzt und eher in die Kategorie „Bewegungstherapie“ einzuordnen ist.

Ben-Hatiras Einsatz fraglich

Ob auch Ben-Hatira wieder mitwirkt, ist noch unklar. Dabei könnte Babbel seinen Angreifer gut gebrauchen. Standen in Länderspielpausen normalerweise automatisch die Talente aus Herthas Nachwuchs im Mittelpunkt, muss der Trainer diesmal auf seine Youngster verzichten.

Denn parallel spielt auch die U23 gegen den SV Meppen, und so werden Sascha Burchert, Fanol Perdedaj, Abu Bakarr Kargbo und Co. nicht mit nach Wittenau fahren. „Die U23 ist der bessere Test, mir ist es lieber, wenn sie dort antreten“, meint Babbel.

Flaute im Sturm

Und so plagt ihn ein ganz praktisches Problem: Er hat keine nominelle Sturmspitze zur Verfügung. Adrian Ramos wurde auf den letzten Drücker für die kolumbianische Nationalmannschaft nominiert und reiste am Donnerstagmorgen ab, Pierre-Michel Lasogga spielt gemeinsam mit Verteidiger Sebastian Neumann mit der U21 gegen Griechenland.

Wer bekommt also seine Chance ganz vorn? „Wir haben genug Spieler, die da spielen können“, sagt Babbel. Tunay Torun etwa, der nicht zur türkischen Nationalmannschaft berufen wurde.

Warmschießen für Freiburg-Spiel

Ein Muster ohne Wert sei der Auftritt in Wittenau trotzdem nicht, findet Kapitän Andre Mijatovic. „Freundschaftsspiele sind immer gut“, sagt er, „wir haben hart trainiert in den letzten Tagen, nach dem Spiel haben wir die Gelegenheit, uns zu erholen.“ Aber auch sein Blick schweifte aber schon einmal eine Woche weiter, wenn es zum SC Freiburg geht. „Ich hoffe, dass wir unsere Chance dort nutzen werden, für mich ist das ein Sechs-Punkte-Spiel gegen einen direkten Konkurrenten.“

Dafür gilt es sich gegen Borsigwalde warmzuschießen. Ob nun mit oder ohne echte Stürmer. Babbel jedenfalls fand nach seiner anfänglichen Bestürzung zum Schluss doch noch zu seinem sonst so trockenen Humor zurück. Auf das Sturmproblem angesprochen meinte er nur: „Da stelle ich mich zur Not selbst noch vorne rein.“ Bevor dann in einer Woche wieder der Ernst der Liga ruft. Bis dahin dürfte sich hoffentlich auch Ben-Hatira wieder gefangen haben und es seiner Schwester deutlich besser gehen.

>>> Lesen Sie mehr zum Thema und reden Sie mit - im Hertha BSC Blog Immer Hertha unter www.immerhertha.de