Zwei Platzverweise

Wie sich Hertha BSC in Bremen selbst schlug

57 Minuten hielt Hertha BSC bei Werder Bremen gut mit, dann leiteten zwei Platzverweise gegen Ramos und Lell binnen sechs Minuten die Niederlage ein. Besonders bitter war, wie die Gelb-Rot zustand kamen.

Der Weg vom Rasen des Bremer Stadions bis zum Spielertunnel auf Höhe der Eckfahne kann je nach Ausgangspunkt ein weiter sein. Nacheinander mussten binnen sechs Minuten Christian Lell und Adrian Ramos diese Erfahrung machen, jeweils ganz für sich allein und von Werder-Fans noch zusätzlich verhöhnt. Die Partie, das Auswärtsspiel von Hertha BSC bei Werder Bremen, war da keineswegs zu Ende. Doch was 57 Minuten lang ein recht normales Fußballspiel gewesen war, schlug erst mit dem Platzverweis des zuletzt so famosen Rechtsverteidigers Lell und bald auch dem seines Angriffskollegen Ramos (63.) ins Gegenteil um.

Beim Stande von 1:1 geschah all das, und exakt 92 Minuten und 47 Sekunden lang leisteten neun Berliner auch erfolgreich Widerstand – dann jedoch kam in der Nachspielzeit Bremens Torjäger Claudio Pizarro an den Ball und sicherte per Kopf den späten 2:1-Sieg der Bremer gegen die dadurch auswärts erstmals im Kalenderjahr 2011 besiegten Berliner. „Unfassbar bitter“, nannte der Ex-Bremer Peter Niemeyer den späten K.o. bei seiner erstmaligen Rückkehr an alte Wirkungsstätte: „Wir haben in der langen Unterzahl einen riesigen Aufwand betrieben und sind dafür nicht belohnt worden.“ Zwar hätte Schiedsrichter Felix Brych nach Niemeyers Eindruck „das eine oder andere auch anders entscheiden können“, doch sei besonders das zum Platzverweis führende Ballwegschlagen von Ramos „unnötig“ gewesen: „Das werden wir intern aufarbeiten müssen.“

Ins Spiel gegangen waren die Berliner nachweislich mit elf Mann – und mit der Formation und auch dem Personal der zuletzt erfolgreich bestrittenen Auswärtsspiele. Also mit Ramos als Stoßstürmer; der Kolumbianer hatte nach der Entfernung einer Zyste am Gesäß erst Freitag wieder mit der Mannschaft trainieren können. „Aber seine Fitnesswerte sind so gut, da macht das nichts aus“, hatte Babbel im Vorfeld bekundet. Sein Eindruck sollte ihn nicht täuschen. Noch keine drei Minuten waren gespielt, da nahm Ramos eine Hereingabe von Raffael an, umspielte Bremens serbischen Rechtsverteidiger Aleksandar Ignjovski und schoss cool ein zum 1:0 aus Sicht der Berliner. Es war Ramos’ erstes Saisontor.

Werders direkte Antwort

Werder antwortete sofort. Marko Arnautovic, der insgesamt sehr auffällig spielte, kam nur unzureichend an eine Flanke von Kapitän Clemens Fritz (7. Minute). Selten geriet Entlastung für die immerhin aber ball- und kombinationssicheren Berliner, wie Raffael sie zweimal vortrug. Bei seinem Flachschuss aus 16 Metern stand Ramos in der 17. Minute zwar leidlich frei, doch hatte auch der Spielmacher das Tor zentral im Visier, und so wagte er den Abschluss.

Teilweise muteten die Bremer Angriffsbemühungen wie ein Powerplay im Handball an, beharrlich suchten die Grün-Weißen nach der Lücke im Berliner Abwehrverbund, die sich jedoch noch nicht einstellen wollte. Bis zur 23. Minute. Da durfte Fritz einmal mehr flanken, da sprang Levan Kobiashvili nur mäßig neben Pizarro hoch, wobei der rechte Arm des Peruaners ihn auch niederdrückte – und da leistete Thomas Kraft im Tor sich seinen ersten gravierenden Patzer im Hertha-Trikot. Pizarros Kopfball ließ er tollpatschig durch die Hände flutschen.

Nach einem Ballverlust des insgesamt sehr mäßigen Bremer Spielgestalters Ekici wagten die Berliner mit schnellem Umschaltspiel einen weiteren Vorstoß, der via Raffael eine zu hohe Flanke von Tunay Torun auf Ramos produzierte. Für Torun, der darüber hinaus wie sein türkischer Landsmann Ekici ebenfalls sehr diskret spielte, war die Partie zur Pause beendet. Für ihn kam nach dem Seitenwechsel Last-Minute-Sommerzugang Änis Ben-Hatira zu einem ersten längeren Einsatz. Das zumindest war der Plan von Babbel, doch spätestens nach dem zweiten Platzverweis war nicht mehr die Zeit für Offensive – und so musste Ben-Hatira schon in der 66. Minute wieder vom Feld, von Babbel immerhin väterlich getröstet. An Stelle von Ben-Hatira verstärkte Fabian Lustenberger die blau-weiße Defensive. Schon auf Lells Hinausstellung hatte Babbel mit der Einwechslung von Christoph Janker (für Ebert) reagiert, um die rechte Abwehrseite unbedingt stabil zu halten. Die Bremer hingegen erhöhten logischerweise den Druck. Marko Marin kam, für ihn musste Ekici weichen. Und für Linksverteidiger Schmitz kam mit Markus Rosenberg ein dritter Angreifer (71.).

Beste Chancen trotz Unterzahl

Doch die besseren Chancen – die hatten noch mit zehn und dann sogar auch mit nur neun Mann jeweils die Berliner. Als Ramos noch auf dem Feld stand, spielte er schön Doppelpass mit dem aufgerückten Janker – Ignjovski warf sich in den Schuss (62.). Dann, drei Minuten später, forderte Raffael nach einem Duell mit Schmitz Elfmeter – wohl keineswegs zu Unrecht. Und fast schon treffen müssen hätte der Brasilianer nach 79 Minuten, als der Weg zum Tor aus sechs Metern schon frei schien, aber Bargfrede gerade noch das Bein in den Schuss hielt.

Für Bremen traf zwar Pizarro schon nach 84 Minuten ein zweites Mal, doch geriet sein vorausgegangenes Duell mit Hubnik ein wenig zu griechisch-römisch – der Treffer zählte nicht. Dieses Urteil empörte Werder-Trainer Thomas Schaaf so sehr, dass er auf die Tribüne musste. Von dort aus sah er, wie Marin in der Nachspielzeit eine Ecke trat, die der eingewechselte Rosenberg per Kopf verlängerte – genau zu Pizarro, der gleichfalls und entscheidend per Kopf an den Ball kam. Zurück blieben niedergeschlagene Berliner.

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