Hertha BSC

Trainer Babbel zügelt seine Meister-Besieger

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Martin Kleinemas

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Mit dem Sieg gegen den Deutschen Meister aus Dortmund im Rücken geht Hertha BSC hochmotiviert in das kommende Spiel gegen Augsburg. Trainer Babbel will die Euphorie allerdings nicht zu groß werden lassen - aus gutem Grund.

Spätestens seit der Wutrede von Giovanni Trapattoni 1998, damals noch in Diensten des FC Bayern München, wissen wir ja, was ein Trainer zumindest nicht ist: „Eine Idiot“, wie es der Italiener damals in seinem liebenswerten Dialekt vorbrachte. Nun ist es unwahrscheinlich, dass Herthas Trainer Markus Babbel diese berühmte Rede im Sinn hatte, als er, auf den Gesundheitszustand von Adrian Ramos angesprochen, eine weitere Negation hinzufügte: „Ich bin kein Arzt.“

Die Lacher hatte er wenig später dann trotzdem auf seiner Seite, als er versuchte, seine Eindrücke des schnellen Kolumbianers in Worte zu fassen: „Er sah heute jedenfalls ziemlich blass aus.“ Dann lächelte er ein wenig verschmitzt, ganz so, als sei ihm erst jetzt aufgefallen, dass er angesichts der dunklen Hautfarbe seines Schützlings gerade einen guten Gag gelandet hatte.

Leider, und das ist die Kehrseite, bedeutet das in harten Fakten: Ramos, bislang in der Offensive gesetzt, wird höchstwahrscheinlich ausfallen. Babbel zumindest ließ sich nicht zu hoffnungsvollen Bekenntnissen hinreißen. Die Erkältung ist offenbar doch hartnäckiger als gedacht – und hat nach Levan Kobiashvili, der inzwischen wieder fit ist, auch Patrick Ebert erreicht. Er fehlte im Training am Donnerstag ebenfalls, auch sein Einsatz ist mehr als fraglich. Vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg am Sonnabend, zu dem der Klub etwa 50.000 Zuschauer erwartet, gibt es also erstmals ernstere Personalsorgen in dieser Bundesligasaison. Babbel aber bleibt nach außen ganz gelassen. „Ich werde mir morgen einen Eindruck verschaffen, ob sie fit sind. Es ist nicht das Spiel, das alles entscheidet. Wir müssen nichts übers Knie brechen.“ Und mit diesem Satz hat der Trainer dann auch ziemlich gut umschrieben, was in dieser Woche seine Hauptaufgabe war: Den Druck von der Mannschaft zu nehmen, der seit dem sensationellen Sieg in Dortmund am vergangenen Sonnabend auf dem Team lastet. „Jeder denkt doch jetzt: Da kommt ein Aufsteiger, das erledigen wir im Vorbeigehen“, sagt Babbel. Und Peter Niemeyer warnt bereits davor, zu offensiv in das Spiel gegen den vermeintlichen Außenseiter zu gehen: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ins offene Messer rennen.“

Applaus beim Training

Demut, Demut und nochmals Demut fordert der Trainer von den Fans – und von seinen Spielern, mit denen er lange Gespräche führte. So wie zu Beginn der Woche. Da musste er gegensteuern, als die Mannschaft zum Training den Platz betrat – und die umstehenden Kiebitze anfingen zu applaudieren. Das hat Babbel nicht geschmeckt, er hielt eine Ansprache, in der er die Seinen erdete: Das war gerade erst der fünfte Spieltag, erreicht ist noch gar nichts. „Wäre es das DFB-Pokalfinale gewesen, dann könnten sie von mir aus mit erhobenen Armen durch ganz Berlin laufen“, sagt Babbel. So aber sei der Wochenbeginn ziemlich schleppend verlaufen.

„Die Mannschaft hat die Tage nach dem Erfolg einfach mal genossen, aber seit Dienstag haben wir wieder hochkonzentriert gearbeitet“, sagt auch Manager Michael Preetz, dem aufgefallen war, dass er sich in der Woche vor dem Dortmund-Spiel „weniger Sorgen“ um den Trainingseifer der Spieler machen musste. Auch deshalb, so Babbel, sei er jetzt selber neugierig auf das Spiel gegen Augsburg. Für ihn wird es das Aufsteiger-Duell auch eine Charakter-Frage.

Wie präsentiert sich sein Team? Macht es der Dortmund-Sieg überheblich? Motiviert der Sieg oder hemmt er? Babbel selbst wurde unter der Woche nicht müde, immer wieder zu betonen, wie gut er diese Situation vom FC Bayern noch kennt. Auch damals gab es diese Spiele, in denen ein vermeintlicher Außenseiter die Münchner schlug. Babbel schaute dann des Öfteren hin, wie es für die betreffende Mannschaft weiterging. „Du konntest die Uhr danach stellen, dass sie in der Woche darauf verloren haben“, erinnert er sich.

Das soll Hertha nun auf keinen Fall passieren. Maßnahmen dagegen hat der Trainerstab zu Genüge ergriffen. Die Einheiten waren intensiv, es wurde wieder viel gesprintet – das Spiel in Dortmund hat gezeigt, wie sehr es sich lohnt, an der Fitness zu arbeiten.

Wären da nur nicht die möglichen Ausfälle. Klar ist, dass Pierre-Michel Lasogga wieder in die Startelf rücken wird, als „Belohnung für ein hartes Training“, wie Babbel sagt. Sollte nun Ramos fehlen, gäbe es auf der linken Seite gleich mehrere Optionen: Den gegen Dortmund zumindest in der Anfangsphase starken Tunay Torun könnte Änis Ben-Hatira ersetzen. Es sei denn, auch Ebert fehlt – dann müsste der Zugang vom Hamburger SV wohl auf der rechten Seite ran. „Mir ist nicht bange, ich weiß dass ich viele Jungs habe, die auf einen Einsatz brennen“, sagt Babbel.

Keine Pillen für Ronny

Und da taucht nun offenbar auch wieder ein Name auf Babbels Liste auf, der in den vergangenen Wochen gestrichen war: Ronny. Der Brasilianer ist in der Gunst des Trainers wieder kräftig gestiegen, und zwar sprunghaft. Zuletzt hatte ihm Babbel unprofessionelles Verhalten vorgeworfen. „Ronny hat hart trainiert, er war bereit, das alles mitzugehen. Jetzt kommt er langsam in eine Form, die mir gefällt. Und ich glaube, dass es ihm auch gefällt, wenn er in den Spiegel schaut“, sagt der Trainer. Babbel spielt auf die Gewichtsprobleme des 25-Jährigen an, der seit Saisonstart (zu dem er austrainiert wie nie erschienen war) sechs Kilo zugenommen haben soll. Jetzt, so erzählte Ronny unter der Woche, sei er nur noch zwei Kilogramm zu schwer. „Er musste auf sehr viel verzichten, das hat ihm wehgetan. Ich kann inzwischen nur sagen: Respekt vor diesem Jungen.“ Deutet sich da also ein schnelles Comeback an?

Auch Ronny könnte auf der linken Außenbahn zum Einsatz kommen, wenn Ramos die Personalrochade ins Rollen bringt. Nur eines wollte Babbel im Zusammenhang mit Ronny klarstellen: Diätpillen nehme er nicht, wie spekuliert worden war. „Da müssten bei mir als Trainer doch alle Alarmglocken angehen, die meisten Präparate stehen doch auf der Dopingliste“, sagt Babbel: „Über manche Dinge müsste man eigentlich nur lachen.“ Das regte er dann aber lieber an anderer Stelle an. Auch wenn ihm angesichts des sportlichen Verlustes eines Adrian Ramos sicher nicht danach zumute war.

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