Transferschluss

Hertha gibt Rob Friend ab und holt Ben-Hatira

Wechselspiel bei Hertha BSC: Der Fehleinkauf Rob Friend wird an Eintracht Frankfurt weitergereicht, Verteidiger Kaka geht zu Apoel Nikosia. Und ein neuer Alter kommt. Trainer Babbel scheint auf eine Sturmspitze zu setzen.

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23 Minuten vor der Deadline sagte Markus Babbel: „Meines Wissens gibt es keine Anfrage. Der Kader bleibt, wie er ist.“ Da zeigte die Uhr 11.37 Uhr, um 12 Uhr schloss die Transferliste der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Dafür, dass diese Äußerung wie ein Mantra von allen Hertha-Verantwortlichen seit Wochen wiederholt worden war, wurde der Kader des Bundesliga-Absteigers am Mittwoch ordentlich durchgeschüttelt.

Gleich vier Veränderungen brachte der letzte Tag der Wechselperiode mit sich. So wurde in buchstäblich letzter Minute der glücklose Stürmer Rob Friend (30) an Zweitligist Eintracht Frankfurt abgegeben. Im Gegenzug verpflichtete der Bundesliga-Aufsteiger Änis Ben-Hatira (23) vom Hamburger SV. Die Berliner überweisen für den vielseitigen Mittelfeldspieler an die Hansetaten eine Ablöse von geschätzt 600.000 Euro.

Außerdem wurden die Unterschriften unter das Ausleihgeschäft mit Daniel Beichler (22) gesetzt. Nachdem Herthas Problemkind sich auch beim Zweitligisten MSV Duisburg nicht durchgesetzt hatte, wird es nun bis Juni 2012 an den österreichischen Pokalsieger SV Ried ausgeliehen. Auch für einen weiteren schwer Vermittelbaren wurde eine Lösung gefunden. Hertha wird den Vertrag mit Verteidiger Kaka (30) auflösen. Der Brasilianer, einer der letzten Profis aus der Ära des ehemaligen Managers Dieter Hoeneß, wechselt zu Apoel Nikosia. Kaka hatte zuletzt nur bei Herthas U23 trainiert.

Drei-Jahres-Vertrag für Friend

Die wichtigen Bewegungen für den Kader waren jedoch die Veränderungen in der Offensive. Entgegen den vielen Treueschwüren, die bei Hertha für Friend abgegeben worden waren, stand dessen Name um 12 Uhr auf der Transferliste. Um 15 Uhr sagte Dr. Andreas Kirsch, der Berater von Friend: „Es war mit Hertha abgesprochen, Friend auf die Liste zu setzen, um eventuellen Interessenten sechs Stunden mehr Zeit zu geben.“ Bekanntlich mussten bis um 18 Uhr alle Verträge bei der DFL eingereicht sein. „Aber bei mir hat sich niemand gemeldet“, sagte Kirsch. „Die Vereine hatten drei Monate Zeit, etwas vorzubereiten. Da glaube ich nicht, dass sie das plötzlich in den letzten drei Stunden der Transferperiode machen.“

Es passierte das Gegenteil. Obwohl Eintracht Frankfurt am Vormittag mit Mohamadou Idrissou von Borussia Mönchengladbach den gleichen Typ Stoßstürmer wie Friend verpflichtet hatten, sicherte sich der Bundesliga-Absteiger zusätzlich die Dienste des Kanadiers. Auch der Ex-Herthaner Theofanis Gekas steht bei der Eintracht unter Vertrag.

Für Hertha ist das insofern eine gute Nachricht, weil Friend in Berlin nie hat die Erwartungen erfüllen können. Er war im vergangenen Sommer als teuerster Einkauf gekommen (für 1,9 Millionen Euro Ablöse aus Mönchengladbach), in der Absicht Aufstiegsheld zu werden. Doch der kanadische Stürmer verlor das interne Sturmduell gegen Youngster Pierre-Michel Lasogga klar. In dieser Saison kam Friend bei bisher fünf Pflichtspielen überhaupt nicht zum Einsatz. Insofern stimmt die Balance von Leistung und stattlichem Gehalt nicht, dem Vernehmen nach verdiente Friend bei Hertha im Jahr rund eine Million Euro.

Friend blockierte die wichtige Position des dritten Stürmers (nach Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga), da sich die Zweifel an seiner Bundesliga-Tauglichkeit mehrten. Hertha hat den Vertrag mit dem Stürmer aufgelöst. Friend unterschrieb kurz vor 18 Uhr auf der Hertha-Geschäftsstelle eine neuen Drei-Jahres-Vertrag, diesmal bei Zweitligist Frankfurt.

In Erinnerung wird er seine letzte Trainingseinheit behalten: Trainer Babbel hetzte den Kader wieder und wieder die Treppen im Olympiastadion hinauf, Friend war mit von der Partie.

Friend verlängert die Liste namhafter Stürmer, die bei anderen Vereinen überzeugten, in Berlin jedoch nie wirklich zurechtkamen. Hier sei nur erinnert an Fredi Bobic, Artur Wichniarek, Andre Lima oder Luizão.

Simunic unterschreibt in Zagreb

Gespannt sein darf man, wie sich die Offensivabteilung mit Ben-Hatira zusammensetzt. Der Neue ist kein Stoßstürmer. Preetz beschreibt ihn als „vielseitig einsetzbare Offensivkraft“. Ben-Hatira ist ein Hertha-Eigengewächs. Er kickte von 1995 bis 2003 in der Hertha-Jugend. Trainer Babbel wollte ihn seit längerem unbedingt haben. Ben-Hatira sieht sich selbst als Zehner, hat beim HSV und dem MSV Duisburg aber vorwiegend auf der rechten Außenbahn gespielt.

Seine Verpflichtung ist ein klares Indiz, dass Trainer Babbel sich in der Bundesliga von der 4-4-2-Taktik verabschiedet und auf ein System mit nur einem Stürmer setzt (4-2-3-1). Die Sturmspitze können Ramos und Lasogga spielen. Dahinter gibt es nun ein reichhaltiges Angebot an Kräften für drei Plätze im offensiven Mittelfeld: Ben-Hatira, Ebert, Raffael, Tunay Torun, Nikita Rukavytsya und Ronny.

Finanziell hofft Hertha noch auf einen Geldregen aus England. Dort mehren sich die Berichte, dass der FC Arsenal nach Per Mertesacker nun für 13 Millionen Pfund auch Christopher Samba aus Blackburn holen wird. Von der Summe stehen Hertha 15 Prozent zu (2,2 Mio.).

Zwei weitere Ehemalige wechselten ihre Arbeitgeber. Christopher Schorch wird mangels Perspektive vom 1. FC Köln an Energie Cottbus ausgeliehen. Der einstige Publikumsliebling aus Berlin, Josip Simunic, verlässt Hoffenheim und heuert bei Dynamo Zagreb an.

Kommen und Gehen bei Hertha

Zugänge: Änis Ben-Hatira ist der fünfte neue Spieler des Sommers für Hertha BSC. Zuvor hatte der Bundesliga-Rückkehrer Torhüter Thomas Kraft, Defensivspieler Andreas Ottl (beide vom FC Bayern), Abwehrspieler Maik Franz von Eintracht Frankfurt sowie Tunay Torun vom HSV unter Vertrag genommen.

29 Bundesliga-Spiele hat Ben-Hatira im HSV-Trikot bestritten, dabei drei Tore erzielt. Kurios: Die identische Bilanz – 29 Spiele, drei Tore – zeitigte er während der einjährigen Ausleihe 2009/10 für den MSV Duisburg.

Abgänge: Inklusive Rob Friend und Kaka haben sieben Spieler Hertha verlassen. Nur auf Leihbasis Marvin Knoll (Dresden) und Daniel Beichler (Ried). Lennart Hartmann (Aachen) und Sascha Bigalke (Unterhaching) erhielten keine neuen Verträge, Valeri Domovchiyski wurde für 450.000 Euro an den MSV Duisburg verkauft.

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