Saisonvorbereitung

Bei Hertha beginnt jetzt der Konkurrenzkampf

Beim Trainingsauftakt am Sonnabend waren auch Herthas Neuzugänge dabei. Sie sorgen für Konkurrenzkampf im Tor, der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld. Aber auch im Sturm werden die Karten für die nächste Saison neu gemischt.

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Seit fast genau einem Jahr arbeitet Markus Babbel jetzt als Trainer von Hertha BSC in Berlin. Er betont zwar, dass er bislang keine Gelegenheit hatte, sich in seiner nach München zweiten Heimat so richtig einzuleben. Das mag nun dem Zeitmangel geschuldet sein, oder schlicht der Tatsache, dass Babbel noch immer im Hotel wohnt – in einem Punkt aber hat der 38-Jährige ziemlich schnell gelernt, worauf es in der Hauptstadt ankommt. Nämlich das Training so zu gestalten, dass bei der immer hungrigen Presse möglichst wenig Gerüchte über Personalentscheidungen aufkommen können.

Und so lässt Babbel seit Samstag, seit der Fußball-Bundesligist sein Training aufnahm, im täglichen Trainingsspiel stets die gleichen Formationen gegeneinander antreten: Zum einen die Stammelf mit allen Leistungsträgern des Vorjahres (immer in den gelben Leibchen), auf der anderen Seite das Team um die Neuen. „Das ist keine Entscheidung für eine A- und eine B-Elf“, sagt Babbel energisch, „ich wollte nur vermeiden, dass es am Ende wieder heißt: Der oder der hat von Anfang an einen Stammplatz.“ Deshalb lässt er einfach „alt“ gegen „neu“ spielen. Zwar weiß auch Babbel, dass er irgendwann anfangen muss, die Teams umzubauen. Aber nicht so bald. „Wir spielen erst einmal so weiter, mir gefällt das ganz gut“, sagt er.

Ottl will das Team führen

Das mag nun auch daran liegen, dass der Trainer damit ein unmissverständliches Zeichen an die Neuen setzt: In die Startelf geht es nur über Leistung, über ein ständiges Angebot und viel Arbeit. Mögen Spieler wie Andreas Ottl oder Torhüter Thomas Kraft auch vom FC Bayern gekommen sein – sie müssen sich ihre Positionen aktiv erkämpfen. „Nach einer so erfolgreichen Saison schleicht sich dann schnell mal ein Gefühl von Zufriedenheit ein, und das wollen wir auf gar keinen Fall“, sagt Babbel, dem es so gesehen ganz sicher gefällt, dass der Kampf und die Stammplätze auf einigen Positionen längst begonnen hat. Auch, wenn das keiner so offen zugeben will.

Im defensiven Mittelfeld zum Beispiel, wo eben Ottl mit Peter Niemeyer, Fabian Lustenberger und Nachwuchstalent Fanol Perdedaj ringen wird. Gestern sagte Ottl: „Ich bin von Peter – wie von der gesamten Mannschaft – herzlich aufgenommen worden, und das wird auch bei Fabian Lustenberger so sein“, sagt Ottl. Seinen zweiten Konkurrenten kennt der 26-Jährige nämlich noch gar nicht, weil der nach dem Endspiel der U21-EM noch ein paar Tage Urlaub genießt. Ottl ist zwar keine direkte Kampfansage zu entlocken, er hält sich angenehm im Hintergrund. Er sagt aber auch: „Jede Mannschaf braucht Konkurrenzkampf, das ist normal. Ich will mich anbieten und für die Mannschaft ein Führungsspieler sein.“ Mit diesem Versprechen dürfte ihn Babbel überhaupt überzeugt haben.

Was die Rückennummer verrät

Stichwort Führung: Auch Kapitän Andrej Mijatovic, den Babbel („Die Kapitäns-Frage stellte sich gar nicht“) bereits am Samstag im Amt bestätigt hatte. Er bekommt massive Konkurrenz durch Zugang Maik Franz. Der kann zwar noch nicht komplett mittrainieren, weil er noch an den Folgen eines Fußbruches laboriert und wohl noch einige Zeit brauchen wird. Mijatovic aber ist gewarnt: „Auch ich muss mich dem Konkurrenzkampf stellen. Es kann jeden treffen, auch einen Spitzenspieler wie Raffael. Das haben wir ja gesehen, Aufstiegslorbeeren zählen nicht mehr“, sagt er. Von solchen würde wohl auch gerne Stürmer Pierre-Michel Lasogga profitieren. Noch ist Rob Friend nach dem Gold Cup, den er mit der kanadischen Nationalmannschaft bestritt, im Urlaub. Nach seiner Rückkehr werden die beiden Stürmer den Platz ganz vorn wohl unter sich ausmachen. Friends Berater Andreas Kirsch sagt: „Rob freut sich auf die neue Saison bei Hertha. Der Wettstreit geht jetzt für alle wieder bei Null los.“ Lasogga hat indes einiges dafür getan, dass seine 13 Zweitliga-Tore kein einmaliges Erlebnis bleiben. Er sei weitaus fitter als vergangenes Jahr, ließ er gestern wissen, und sein Körper verrät: Der Mann hat Recht. So austrainiert sah der Youngster zu keinem Zeitpunkt der vergangenen Saison aus. „Ich bin froh, diesmal von Anfang an dabei zu sein“, sagt Lasogga, „Rob und ich verstehen uns super. Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn wir uns gegenseitig pushen“, meint er. Damit haben auch die Torhüter Maikel Aerts und Thomas Kraft angefangen. Da müssen dann schon mal die Rückennummern als Symbol herhalten. Aerts sagt: „Wenn ich mich umdrehe, sehe ich auf meinem Rücken die Nummer eins. Thomas macht seinen Job, ich meinen. Und dann schauen wir, was dabei herauskommt.“ Kraft betont im Gegenzug, er sei auch in München mit der Nummer 35 auf dem Rücken Stammtorwart geworden. Soll heißen: Von solchen Äußerlichkeiten lasse ich mich doch nicht beeindrucken.

Trainer Babbel schaut sich das alles entspannt an. Er sagt: „Das ist gewollt, wenn du solche Spieler holst. Für die Jungs gilt es jetzt, keine Angst zu haben, sondern den Willen zu entwickeln, sich zu behaupten.“ Auch wenn die Seinen verbal noch etwas zurückhaltend agieren – auf dem Platz haben sie längst damit begonnen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.

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