Friedhelm Funkel (55) macht auch mal einen Spruch auf eigene Kosten. "Als damals die Relegationsspiele eingeführt wurden, war ich nicht begeistert. Inzwischen finde ich das gut", sagt der Trainer von Hertha BSC und lacht. War ein Bundesligaklub als Tabellen-16. früher sicher abgestiegen, kann er sich seit vergangener Saison noch in zwei Spielen gegen den Dritten aus der Zweiten Liga retten.
Ein Szenario, mit dem sich Funkel beschäftigen muss. Hertha ist nach zwölf Spieltagen Tabellenletzter. Sein Spruch zeigt aber auch, dass er trotz der schwierigen Lage humorvoll und optimistisch bleibt. Gleiches erwartet er von seinen Spielern - und motiviert sie vor dem richtungsweisenden Spiel beim VfB Stuttgart am Sonnabend mit dem Beispiel FSV Mainz 05.
FSV wurde noch Elfter
Der Klub war zum Ende der Hinrunde der Saison 2005/2006 nach fünf Niederlagen aus den ersten fünf Spielen mit 16 Punkten Tabellen-14. Bis zum Ende der Spielzeit schaffte es Mainz auf den 11. Tabellenplatz und holte in der Rückrunde 22 Punkte. "Die haben damals eine sehr gute Rückserie gespielt und sich aus eigener Kraft gerettet." Gleiches gelte für Borussia Mönchengladbach in der vergangenen Saison. Im Winter waren die Rheinländer mit gerade einmal elf Punkten Tabellenletzter. Nach dem 34. Spieltag belegten sie mit 31 Punkten den rettenden 15. Rang. "Das habe ich den Jungs gesagt. Wir können es also auch schaffen."
Die Tage vor dem Spiel gegen Stuttgart erinnern derweil an die vor der Partie beim 1. FC Nürnberg im Oktober. Auch damals erwartete der Trainerstab die Nationalspieler zurück, die wie aktuell auf Länderspielreise waren. Auch damals versuchten die in Berlin verbliebenen Profis alles, um für die Begegnung gewappnet zu sein. Und versagten. Nach einem Spiel ohne Mut und Willen verlor Hertha 0:3. Dies soll sich nicht wiederholen.
Funkel versucht daher, die Spannung hochzuhalten. Am Dienstagvormittag ließ er die Spieler sprinten. Erst bei der zweiten Einheit am Nachmittag arbeiteten sie mehr mit dem Ball. "Nach dem freien Montag kann man richtig reinhauen", sagte Funkel. Sich selbst nimmt er da nicht aus.
Hertha wollte Griechen schon 2007
Neben der Vorbereitung auf das Spiel treibt er mit Manager Michael Preetz die Personalplanungen voran. Eine schwierige Aufgabe. "Hertha kann nicht soviel Geld ausgeben, wie es früher der Fall war", betont der Trainer. Zudem ist der aktuelle Tabellenstand nicht förderlich. "Es ist nicht so einfach, im Winter zu Hertha zu wechseln. Perspektivisch haben wir aber einiges zu bieten. Hertha hat immer noch einen guten Namen." In Gesprächen mit Spielern habe noch keiner einen Wechsel zu dem Bundesligisten ausgeschlossen.
Am Wochenende sah sich Funkel in Athen das Relegationsspiel der WM-Qualifikation zwischen Griechenland und der Ukraine (0:0) an. Auf der rechten Abwehrseite der Griechen spielte Loukas Vyntra. Der 28-Jährige von Panathinaikos Athen hat 20 Länderspiele und 106 Partien für den Klub absolviert - ein zuverlässiger Routinier, an dem die Berliner 2007 schon einmal interessiert waren. Damals konnte sich Hertha mit Vyntra aber nicht einigen. Für ihn spricht, dass er Stammspieler und sehr erfahren ist. Seine Mutter und sein Bruder leben in Deutschland, sein Onkel sogar in Berlin. "Hertha hatte damals Interesse. Wir sind für Gespräche offen", sagte Vyntras Berater Matija Corkovic Morgenpost Online.
Funkel sucht zudem einen Stürmer. Den zu Ajax Amsterdam gewechselten Marko Pantelic "hätte ich nicht gehen lassen". Er wünscht sich, dass der oder die neuen Spieler mit ins Trainingslager reisen. Am 3. Januar wird die Mannschaft nach der Winterpause die Vorbereitung auf die Rückrunde beginnen. Einen Tag später fliegt Hertha für eine Woche nach Mallorca. Dort sind Testspiele gegen den SC Freiburg und Real Mallorca II geplant.




