Raffael sah aus wie ein Fahrer der Tour de France. Einen blauen Helm auf dem Kopf, den Oberkörper über den Lenker gebeugt, fuhr der Offensivspieler von Hertha BSC mit seinen Kollegen Dienstagvormittag auf das Trainingsgelände. Friedhelm Funkel hatte die Mannschaft eine Dreiviertelstunde durch Westend radeln lassen. Pedale treten statt Fußball spielen. „Wir hatten einige Steigungen dabei, eine intensivere Einheit“, sagte der Trainer.

Es war der erste Auftritt des Tabellenletzten nach dem enttäuschenden 2:2 bei Eintracht Frankfurt, am Montag hatten die Profis frei. Am Wochenende kann Hertha als erster Absteiger aus der Bundesliga feststehen. Möglicherweise sind es in diesen Tagen vor dem Heimspiel gegen Schalke 04 am Sonnabend die letzten Einheiten als Erstligist. „Darüber denke ich nicht nach“, sagte Funkel.

Er verkauft sich weiter als Optimist. Das ist seine Art, das ist sein Job. Es ärgert ihn, dass so viel an den Ergebnissen festgemacht wird. Die Mannschaft habe zuletzt gut gespielt, mit 19 Rückrunden-Toren die beste Offensive der Klubs aus dem unteren Tabellendrittel. Und trotzdem hat Hertha es so oft verpasst zu gewinnen. „Wir haben noch die kleine Möglichkeit, das zu korrigieren“, betonte Funkel.

Und dann macht der Trainer eine Einschränkung, die er bislang immer vermieden hat: „Es wird sehr schwer.“ Für einen Moment bricht seine Schutzmauer aus Durchhalteparolen zusammen. Auch er hat die Zeichen der Zeit erkannt. Hertha kann sich die kleine Resthoffnung aller Voraussicht nach nur mit drei Siegen aus den letzten drei Spielen erhalten. Funkels Vertrag verlängert sich nur im Falle des Klassenerhalts. Über ein mögliches Engagement in der Zweiten Liga wollte er bislang nicht sprechen. am Dienstag änderte sich das.

Da gab er am Trainingsplatz eine mündliche Bewerbung für den Trainerposten im Falle des Abstiegs ab. „Im Moment ist das für mich überhaupt kein Thema. Aber wer meine Vergangenheit verfolgt hat weiß, dass ich – egal wo – auch in der Zweiten Liga gearbeitet habe“, sagte Funkel. Er verweist auf seine Erfolge im Unterhaus. „Ich war fünf Jahre in der Zweiten Liga und bin fünf Mal aufgestiegen. Mehr geht nicht.“ Mit dem KFC Uerdingen gelang ihm 1992 und 1994 der Sprung in die Bundesliga, mit dem MSV Duisburg 1996, mit dem 1. FC Köln 2003 und zwei Jahre später mit Eintracht Frankfurt. Er macht sich aufgrund dieser Bilanz keine Sorgen um seine Zukunft. „Ich werde auch in den nächsten Jahren im Geschäft sein.“

Mancher Fan empfindet Funkels Bewerbung als Drohung. Andere denken, er hat die Mannschaft weiter entwickelt. Aber seine Punkteausbeute lässt sie an ihm zweifeln: Seit er nach dem siebten Spieltag Nachfolger von Lucien Favre wurde, holte Hertha lediglich 20 Punkte (vier Siege, acht Unentschieden, zwölf Niederlagen). Ihm gelang kein Heimsieg.

Die Verantwortlichen des Vereins um Manager Michael Preetz schätzen Funkels Erfahrung. Sie loben ihn dafür, dass er die Verteidigung stabilisiert und das Spiel nach vorn deutlich verbessert hat. Doch der Sturz in die Zweite Liga wäre für ihn eine schwere Bürde. Ein Abstiegstrainer als entscheidender Mann für den Neuanfang – schwer vorzustellen. Funkels Mission für die aktuelle Saison ist klar: Er soll Hertha in der Bundesliga halten. Derzeit deutet alles daraufhin, dass er dies nicht schafft. Trotz einiger positiver Tendenzen wäre er gescheitert. Und über das schwierige Umfeld in Berlin beschwerte er sich zuletzt mehrfach. Sollte Hertha gegen Schalke nicht gewinnen, kann Preetz mit der Trainersuche für die neue Spielzeit beginnen. „Wir brauchen neun Punkte“, sagte Arne Friedrich. „Alles andere wäre Schönmalerei.."