Zweite Liga

Hertha feiert starken Rückrunden-Start

Nach nur sechs Auswärtstoren in der gesamten Hinrunde, hat Hertha die Rückrunde mit einem 3:1 in Oberhausen gestartet. Dabei erzielte Jungtalent Lasogga gleich zwei der drei Treffer.

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Wer aus der Zweiten Liga raus will, muss in der Zweiten Liga bestehen. Das scheint bei Hertha BSC niemand so gut zu verstehen wie Pierre-Michel Lasogga. Die Szene in der 67. Minute war eine, wie sie eigentlich im Profifußball nicht passieren darf. Doch genau darauf hatte Lasogga spekuliert. Darauf, dass Sören Pirson, der Torwart von Rot-Weiß Oberhausen, über einen Rückpass säbelt. Genau das passiert, der Keeper trat ein Luftloch, Lasogga sprintete – und schob das Spielgerät aus fünf Metern ins leere Tor. Es war das eminent wichtige 2:1. Am Ende sollte Hertha mit einem 3:1 (1:1) in Oberhausen in die Rückrunde starten. Damit liegen die Berliner mit nun 36 Punkten gleichauf mit Spitzenreiter Augsburg auf Rang zwei.

„Underdog“ heißt das Maskottchen von Rot-Weiß Oberhausen, ein überdimensionaler Hund, der über den verregneten Rasen des Stadions Niederrhein tollte. Der Favorit wollte die Verhältnisse von Beginn an klarstellen: Hertha BSC drückte auf eine schnelle Führung. Die gelang, ausgerechnet, Pierre-Michel Lasogga. Der Youngster, der den Vorzug vor dem erfahrenen Rob Friend erhalten hatte, rechtfertigte von Beginn an das Vertrauen, das Trainer Markus Babbel in den 19-Jährigen gesetzt hatte.

Zwei fragwürdige Elfmeter

Gleich die erste Chance verwertete Lasogga. Über die linke Seite griffen die Gäste an, Levan Kobiashvili flankte, am ersten Pfosten verlängerte Adrian Ramos den Ball. Lasogga hatte die Situation geahnt und schob den Ball am zweiten Pfosten flach ins Netz, 1:0 (7. Minute).

Besser kann ein Start in eine Rückrunde nicht gehen: Ein früher Führungstreffer, der sollte dem Aufstiegsaspiranten Sicherheit geben. Die Berliner spielten konzentriert. RWO vermochte die erstmals zusammen spielende Hertha-Innenverteidigung mit Kaka und Sebastian Neumann nicht in Verlegenheit zu bringen.

Dass die Gäste dennoch ein Problem hatten, hatten sie – zum wievielten Mal in dieser Saison eigentlich? – dem Schiedsrichter-Gespann zu verdanken. Zunächst stand Hergesell bei einem Oberhausener Freistoß im Abseits, was Linienrichter Karl Valentin indessen entging. Der Oberhausener wollte den Ball köpfen, traf ihn nicht richtig und sank zu Boden – zum Erstaunen aller Beteiligten entschied Schiedsrichter Deniz Aytekin (Altenberg) auf Elfmeter.

Hertha-Torwart Maikel Aerts entschied sich für die rechte Ecke, doch Markus Kaya zirkelte den Ball links neben den Pfosten, 1:1, was für ein ärgerliches Gegentor (15.).

Sei's drum, wer aufsteigen will, muss Antworten auf Rückschläge finden. Aber Hertha zeigte Wirkung. Zwar blieb der Favorit feldüberlegen, tat sich jedoch auf dem holprigen, nassen Geläuf schwer. Der Bundesliga-Absteiger vermochte die Dominanz kaum einmal in zwingende Gelegenheiten umzusetzen. Raffael prüfte RWO-Torwart Pirson mit einem herzhaften Schuss, den der Keeper zur Seite abwehrte (34.), ein Ramos-Schüsschen (39.) – mehr war nicht los.

Nach der Pause rumpelte das Geschehen vor 6850 Zuschauern weiter vor sich hin. Hertha-Torwart Maikel Aerts hatte eine Chance, um sich auszuzeichnen. Der Niederländer boxte einen Grothe-Schuss aus dem linken Eck (62.). Dann reichten dem Hauptstadtklub 120 Sekunden, um den vierten Auswärtssieg einzufahren.

Zunächst bestrafte Lasogga den Aussetzer von Torwart Pirson (67.). Pirson: „Auf diesem Boden lieben wir Torwarte solche Rückpässe. In dem Moment, in dem ich schießen will, springt der Ball weg. Jetzt bin ich der Depp.“ Oberhausens Trainer Hans-Günter Bruns sagte: „Dass der Ball so hoch abspringt, ist unglücklich. Da sieht der Torwart ganz schlecht aus. Durch dieses Tor sind wir auf die Verliererstraße gekommen.“

Zwei Minuten später rangelte Oberhausens Manndecker Miletic den Hertha-Stürmer im RWO-Strafraum zu Boden. Lasogga fiel, erneut entschied Aytekin auf Strafstoß. Auch diesen Elfmeter werden die meisten Schiedsrichter nicht geben. Levan Kobiashvili kümmerte das nicht. Der Routinier brachte den Ball energisch flach im linken Eck unter, 3:1 (69.). Der 34-Jährige hatte bereits beim 2:0 im Dezember gegen Aue einen Strafstoß verwandelt. Manager Michael Preetz wollte nicht über die Berechtigung der Strafstöße diskutieren, er lobte den Lerneffekt der Mannschaft: „Wir haben mehrfach den Weg in den Strafraum gesucht, und dann bekommst du eben auch mal einen Elfmeter.“

Der elfte Saisonsieg war ein wichtiger für Hertha BSC. Nach zuvor nur sechs Auswärtstoren in der gesamten Hinrunde, kehren die Berliner endlich einmal mit einem standesgemäßen Resultat aus der Fremde zurück. Matchwinner Lasogga strahlte: „Ich bin froh, dass ich über 90 Minuten gehen durfte. Der Dreier war wichtig, um der Konkurrenz zu zeigen, dass wir noch da sind.“

Sein Vorgesetzter, Hertha-Coach Babbel, befand: „Insgesamt war das ein verdienter Sieg. In der zweiten Hälfte war es ein Kampf auf Messers Schneide. Wir werden auch in den nächsten Wochen die Gejagten in der Liga sein. Da müssen wir dann zeigen, ob wir eine Spitzenmannschaft sind.“

Nächster Prüfstein auf dem angestrebten Weg zurück in die Bundesliga ist am Sonntag im Olympiastadion Fortuna Düsseldorf (13.30 Uhr). Noch offen ist, ob Mittelfeldspieler Peter Niemeyer und Kapitän Christian Lell dann einsatzfähig sind. Beide mussten wegen Oberschenkel-Verletzungen in Oberhausen vorzeitig ausgewechselt werden.

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