André Lima hätte dieser Tag ohnehin nicht gefallen. Sogar für einen deutschen Frühsommer war es gestern merklich zu nass und kühl, als Hertha-Manager Dieter Hoeneß zur Mittagszeit letzte Vertragsdetails unterschrieben an den FC Sao Paulo faxte. Danach stand fest: In den kommenden zwölf Monaten wird der Brasilianer Lima solche klimatischen Bedingungen nicht erdulden müssen – zumindest nicht in Berlin. „Gelitten“ hätten er und seine Familie unter dem Wetter in Deutschland, ließ der Stürmer noch ausrichten, ehe er sich nun für eine Saison in seine Heimat hat ausleihen lassen.

Geht es nach Lima, wird er dort auch längerfristig bleiben: „Ich möchte meine Arbeit gut machen, um nicht zu Hertha zurückzukehren. Entweder bleibe ich hier in Sao Paulo oder gehe zu einem besseren Klub.“ Seine weltfremde Einschätzung, er sei im vergangenen Sommer „aus dem warmen Rio“ an einen „Ort gekommen, wo es minus 15 Grad kalt ist“, korrespondiert mit Limas in der Bundesliga gezeigten Leistungen: 16 Spiele, zwei Tore. Nicht gerade die Bilanz eines Torjägers, als der er von Hertha für 3,5 Millionen Euro verpflichtet worden war.

In seiner Heimat genießt Lima dessen ungeachtet „nach wie vor einen guten Ruf“, sagt Hoeneß über den Stürmer, der in Berlin noch einen Vertrag bis 2011 hat. Ein wahres Wettbieten brasilianischen Spitzenklubs hätte um Lima stattgefunden. Auch Internacional Porto Alegre hoffte auf Zuschlag – und das gern sogar für gleich eineinhalb Jahre, um im kommenden 100. Jahr der Klubgeschichte ein bestmögliches Team aufbieten zu können.

Hoeneß hofft nun, dass Lima beim FC Sao Paulo „seinen Marktwert verbessert – sportlich wie wirtschaftlich“. Auch sein Ziel ist es also, Lima vor Vertragsende zu verkaufen, um das Jahresgehalt von rund einer Million Euro anderweitig einsetzen zu können. Vorerst steigert einzig die Leihgebühr von rund 800.000 Euro den finanziellen Handlungsspielraum des Berliner Bundesligisten bei anderen Personalentscheidungen. Seit mehr als einem Jahr beobachten Hertha-Scouts Jorge Valdivia (24), der nach der vergangenen Saison zum zweitbesten Mittelfeldspieler der brasilianischen Liga gewählt wurde. Solche Qualität kostet: Zwischen fünf und sieben Millionen Euro soll die Ablöse für Valdivia betragen. Bei Hertha trauen sie dem 19-maligen Nationalspieler Chiles zu, dass er problemlos jede Position im offensiven Mittelfeld besetzen könnte; insbesondere die Außenbahnen.

„Am liebsten morgen“, sagt Hoeneß, sähe er sämtliche noch offenen Positionen im Kader besetzt. Doch anders als im vergangenen Jahr, als das kickende Personal zum Amtsantritt von Trainer Lucien Favre gewaltig ausgetauscht wurde, „steht heuer das Gerippe“, sagt der Manager. Auch ohne die noch gesuchten Verstärkungen in Angriff und offensivem wie defensivem Mittelfeld gleichermaßen ließen sich die bevorstehenden Herausforderungen angehen, die in kurzer Folge anstehen: Bereits am Tag nach dem Trainingslager in Österreich (5. bis 16. Juli) muss Hertha das Hinspiel der ersten Qualifikationsrunde für den Uefa Cup bestreiten. Das Rückspiel findet am 31. Juli statt. Die zweite Qualifikationsrunde fällt terminlich ebenso in den August (14./28.) wie der Auftakt in DFB-Pokal und Bundesliga.