Etwas war neu auf dem Schenckendorffplatz. Hertha BSC hatte der Aktualität Rechnung getragen und das Übungsgelände zum Trainingsauftakt Schwarz-Rot-Gold beflaggt. Dort, wo sonst blau-weiße Fahnen die Ecken entlang der Fußballfelder markieren, prangte die Hertha-Fahne als symbolische Verneigung vor dem Vorstoß der DFB-Elf ins Finale der Europameisterschaft auf deutschen Nationalfarben.

Möge die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw „vielleicht nicht die beste“ dieser EM sein, befand Manager Dieter Hoeneß, so sei doch nicht auszuschließen, „dass sie am Ende die erfolgreichste sein wird“. Und mitten drin: Arne Friedrich. „Wir sind stolz auf ihn“, sagte Hoeneß über Herthas derzeit einzigen deutschen Nationalspieler, der „einen wesentlichen Beitrag“ zum deutschen Finaleinzug geleistet habe. Wie die übrigen Berliner EM-Teilnehmer Josip Simunic (Kroatien) und Lukasz Piszczek (Polen), erhält auch Friedrich beginnend mit dem Tag nach dem letzten Turnierspiel seiner Mannschaft drei Wochen Urlaub. Wo Vorrunden-Ausscheider Piszczek am 8. und Viertelfinal-Teilnehmer Simunic spätestens am 13. Juli im Trainingslager in Stegersbach/Österreich zur Mannschaft stoßen, wird Finalist Friedrich unabhängig vom Ausgang des Endspiels am Sonntag in Wien erst am 21. Juli das Training aufnehmen.

Ähnlich lange kann es dauern, bis Herthas Kader für die anstehende Saison 2008/09 finale Konturen angenommen hat. Obschon ein Neuer zusätzlich zu den feststehenden Zugängen Kaka, Marc Stein und Maximilian Nicu am Donnerstag präsentiert wurde: Rodnei. Brasilianer, 22, Innenverteidiger mit Gardemaß (1,90 Meter, 90 Kilo) und zuletzt in Polens Ekstraklasa für Jagiellonia Bialystok tätig. „Er wird uns in der Abwehr eine zusätzliche Alternative bieten“, sagt Hoeneß über den Südamerikaner, der bei einem Probetraining im vergangenen Winter scheinbar nachhaltig überzeugen konnte. Trainer Lucien Favre bescheinigt ihm „großes Engagement“ und „solides Zweikampfverhalten“. Rodnei erhielt in Berlin einen Vertrag bis 2009, der eine Option auf zwei weitere Jahre beinhaltet. „Er hat sich in seinem halben Jahr in Polen einen guten Ruf erspielt“, sagt Hoeneß über den „jungen Mann, der enormes Potenzial hat“. So lägen bereits Anfragen polnischer Klubs für ein Ausleihgeschäft vor. Das aber ist von Berliner Seite zunächst nicht angedacht.

Lima geht für mindestens ein Jahr nach Brasilien

Jedenfalls so lange nicht, wie nicht die zahlreichen anderen offenen Fragen hinsichtlich des Kaders beantwortet sind. Im Bereich des Faktischen bewegt sich bereits, dass Stürmer André Lima für zunächst ein Jahr nach Brasilien ausgeliehen wird. Der 3,5-Millionen-Transferflop mit Vertrag bis 2011 genießt wenigstens bei den Spitzenklubs in seiner Heimat noch einen guten Ruf. Die Tendenz gehe dahin, Lima an den FC Sao Paulo auszuleihen, sagt Hoeneß; in diesem Fall hätte Internacional Porto Alegre das Nachsehen. Beide Klubs buhlen zu „für brasilianische Verhältnisse sehr, sehr guten Konditionen“ (Hoeneß) um Lima, dem in der Bundesliga in 16 Spielen nur zwei Tore gelungen waren.

Noch bis kommenden Montag, den 30. Juni, kann ein Klub Josip Simunic für vertraglich festgeschriebene sieben Millionen Euro verpflichten – „ohne dass wir darauf Einfluss haben“, betont Hoeneß den Schnäppchencharakter eines solchen Deals. Noch aber lägen für Simunic ebenso wenig Anfragen oder gar Kaufgebote vor wie für Torjäger Marko Pantelic oder EM-Held Friedrich, die gerüchteweise beinahe täglich mit ständig neuen Interessenten in Verbindung gebracht werden.

Umgekehrt fahndet Manager Hoeneß nach weiterem Personal. Eine Frage von Tagen dürfte sein, bis der Wechsel von Stürmer Mohamed Amine Chermitis Wechsel von Tunesiens Topklub Etoile du Sahel Sousse nach Berlin vollzogen wird.

Komplizierter verläuft die Suche im defensiven Mittelfeld, wo bislang Mineiro Dienst tat. Ob er es auch weiterhin tun wird, ist offen. Ein Verbleib des Brasilianers ist möglich; parallel dazu prüft Hoeneß aber wenigstens ein halbes Dutzend weitere Optionen, eine ist der Serbe Ljubomir Fejsa.

Noch zu besetzen ist eine Planstelle im offensiven Mittelfeld. Gesucht wird ein Profi, der auf beiden Außenbahnen für Dynamik sorgen kann. Vom Ausgang dieser Personalentscheidungen hängt ab, ob an der langfristig verkündeten Zielsetzung festgehalten wird, wonach Hertha in dieser Saison die Qualifikation für den Uefa-Cup anstrebt. Es sei dies „mein Wunsch“, sagt Favre unverändert. Die kommenden Wochen werden zeigen, inwieweit dieser mit der Realität in Einklang zu bringen ist.